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Medien & TV AfD-Auftritt bei „Hart aber fair“ beschäftigt den WDR-Rundfunkrat
Nachrichten Medien & TV AfD-Auftritt bei „Hart aber fair“ beschäftigt den WDR-Rundfunkrat
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16:44 02.07.2019
„Jede Redaktion entscheidet für sich, wen sie zu welchem Thema einlädt“: Die Talkshow-Teilnehmer (v.l.) Uwe Junge (AfD), Journalist Georg Mascolo, Herbert Reul (CDU), Irene Mihalic (Die Grünen) und der Jurist und Kolumnist Mehmet Daimagüler in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ zum Thema „Aus Worten werden Schüsse: Wie gefährlich ist rechter Hass?“. Quelle: imago / Horst Galuschka
Köln

Der Auftritt des AfD-Politikers Uwe Junge in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ ist auch ein Thema für die Medienwächter. Der WDR-Rundfunkrat wird sich in seiner nächsten Sitzung am Freitag im Wallraf-Richartz-Museum in Köln aller Voraussicht nach mit der vielfach kritisierten Einladung des Rechtspopulisten in Frank Plasbergs Show beschäftigen. „Ich gehe sehr stark davon aus, dass das Thema in der Sitzung angesprochen wird“, sagte Claudia Reischauer, die Geschäftsführerin des Kontrollgremiums, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Auch WDR-Intendant Tom Buhrow werde an der Sitzung teilnehmen.

Der Auftritt des AfD-Landesvorsitzenden in Rheinland-Pfalz in der Sendung am Montagabend hatte in Politik und sozialen Medien breite Kritik ausgelöst. Das Thema der Sendung lautete: „Aus Worten werden Schüsse: Wie gefährlich ist rechter Hass?“. Anlass war die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) am 2. Juni.

Junges Teilnahme war unter anderem deshalb heftig umstritten, weil er selbst bei Twitter die Verfolgung Andersdenkender angekündigt hatte: „Der Tag wird kommen, an dem wir alle Ignoranten, Unterstützer, Beschwichtiger, Befürworter und Aktivisten der Willkommenskultur im Namen der unschuldigen Opfer zur Rechenschaft ziehen werden!“, schrieb er. „Dafür lebe und arbeite ich. So wahr mir Gott helfe!“.

Twitterchaos bei der ARD

Auch die Verabschiedung Plasbergs an Junge am Ende der Sendung erschien zahlreichen Zuschauern als unangemessen: „Ich hoffe, es kam Ihnen nicht vor wie ein Tribunal“, sagte Plasberg. Als Reaktion auf die vielen kritischen Bemerkungen hatte Das Erste am Montag zunächst getwittert: „Die Redaktionen der Talksendungen bemühen sich insbesondere, AfD-Vertreterinnen kein Forum für ihre Zwecke zu bieten. Je nach Thema ist es aber von Fall zu Fall nötig, AfD-PolitikerInnen selbst zu Wort kommen zu lassen.“

Daraufhin reagierte die Leiterin der Zuschauerredaktion bei das Erste in München, Sabine Knott, ebenfalls per Twitter: „Dieser Tweet war leider nicht mit der Redaktion von „Hart aber fair“ abgestimmt. Dafür entschuldigen wir uns. Wir betonen, dass bei uns für alle Parteien dieselben Standards gelten. Im Übrigen entscheidet jede Redaktion für sich, wen sie zu welchem Thema einlädt.“

Der WDR-Rundfunkrat hatte sich zuletzt mehrfach kritisch über die beiden vom WDR verantworteten ARD-Talks „Maischberger“ und „Hart aber fair“ geäußert. Zuletzt habe sich „die Koordination von Themen und die damit einhergehende Themenvielfalt“ zwar gebessert, heißt es in einer Stellungnahme des Gremiums vom 4. Juni. Aber: „Das Gremium sieht immer noch Handlungsbedarf bei der Auswahl der Gäste.“ Frauen, jüngere Menschen sowie Experten seien weiterhin unterrepräsentiert. „Eine noch pluralere Zusammensetzung der Gäste wird für die Diskussionskultur als sinnvoll erachtet.“

Rundfunkrat kritisierte bereits „alarmistische Zuspitzungen“

Schon im Dezember 2017 hatte das Gremium kritisiert, dass „Hart aber fair“ und „Maischberger“ nach wie vor „zu häufig auf populistische Reizthemen“ setzten. Weiter hieß es: „Der Programmausschuss kritisiert alarmistische Zuspitzungen sowohl in Titeln wie auch in der Moderation auf negative Erwartungen, Beunruhigung und Angst, weil dadurch Populismus und Vereinfachung gefördert werden.“ Es dürfe „auf keinen Fall Anspruch an die Gäste sein, zu provozieren oder Skandale erwarten zu lassen“.

AfD-Mann Junge hat in der Sendung auf allzu offensichtliche Provokationen verzichtet. Doch allein seine Präsenz zum Thema „Wie gefährlich ist rechter Hass?“ erschien sehr vielen Zuschauern als unangemessen. Der rheinland-pfälzische SPD-Generalsekretär etwa, Daniel Stich, schrieb auf Twitter: „Mit einem wie Uwe #Junge über die tödlichen Folgen des rechten Hasses zu reden, ist Irrsinn. Da macht man den Bock zum Gärtner.“ Auch der stellvertretende SPD-Chef und Fraktionsvorsitzende in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, kritisierte die Einladung: „Herr Junge von der AFD, der bei ,Hart aber fair’ seine rechte Hasspropaganda und seinen geistigen Müll abladen darf, ist ein elender Hetzer und seine Partei besteht aus rechtsradikalen Demokratiefeinden“, twitterte er.

Niemand hatte mehr Redezeit als Uwe Junge

Nach Berechnungen des Portals Watson kam Junge in der Sendung auf mehr als 15 Minuten Redezeit – kein anderer Gast durfte länger sprechen. Auf Platz zwei landete der Journalist Georg Mascolo mit neuneinhalb Minuten, auf Platz drei der CDU-Politiker Herbert Reul mit etwas mehr als sieben Minuten.

Der WDR wies die Kritik an Junges Einladung zurück. Die zentrale Frage bei der Einladung von Gästen laute stets: „Wer hat Relevantes zu diesem Thema zu sagen?“, teilte der Sender dem RND mit. „Beim aktuellen Thema war die größte Oppositionspartei im Bundestag von besonderer Relevanz. Und Herr Junge wiederum ist als Vorsitzender eines Landesverbands eine relevante Person innerhalb seiner Partei.“ Die Redaktion hinterfrage alle Positionen mit derselben journalistischen Distanz. Der Vorwurf, „Hart aber fair“ räume rechtskonservativen Personen und Positionen zu viel Raum ein, sei durch Fakten nicht gedeckt: „In den bisher 18 Sendungen des laufenden Jahres waren drei Mal Vertreter der AfD zu Gast.“ Die bisherigen Sendungsinhalte zählten mehrheitlich „nicht zu klassischen AfD-Themen“.

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