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Medien & TV Auch “Tatort“-Kommissare brechen das Gesetz
Nachrichten Medien & TV Auch “Tatort“-Kommissare brechen das Gesetz
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12:05 08.06.2017
Wotan Wilke Möhring alias Kommissar Thorsten Falke Quelle: dpa
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Düsseldorf

Dreimal pro Folge verstoßen „Tatort“-Kommissare im Schnitt gegen das Gesetz. Dies hat eine Untersuchung der Technischen Universität Dortmund ergeben. Bei den Verstößen handelt es sich vorwiegend um unzureichende Belehrungen von Tatverdächtigen, verbotene Ermittlungsmethoden und unzulässige Durchsuchungen, wie der Medienrechtler Tobias Gostomzyk der Rheinischen Post mitteilte. Unter Gostomzyks Leitung hatten acht Studenten der TU Dortmund und der Ruhr-Universität Bochum 34 Folgen der TV-Krimiserie aus dem Jahr 2015 analysiert.

Studie der TU Dortmund

Dabei stellten die Studenten insgesamt 96 Verstöße fest – die meisten davon gegen die Strafprozessordnung, laut Analyse. Diese legt zum Beispiel fest, welche Informationen ein Ermittler einem Beschuldigten bei der Festnahme mitteilten muss. Auch Hausfriedensbrüche und Verkehrsdelikte waren unter den Vergehen der Kommissare.

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Motiv für ihr Handeln sei zumeist (72 Prozent der Fälle) der Ermittlungserfolg, erklärten die Forscher. Die Untersuchung ergab zudem, wer sich unter den Fernsehermittlern sehr gesetzestreu zeigt. Die Kommissare aus München, Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) agieren demnach rechtskonform.

Tatort“ kann Rechtsempfinden beeinflussen

Mit ihrer nicht immer einwandfreien Vorgehensweise kommen die „Tatort“-Kommissare laut Analyse meist durch: Nur acht Prozent der Verstöße werden in den Krimis verfolgt. Etwa die Hälfte wird von Kollegen und Vorgesetzten ignoriert.

Der „Tatort“ eigne sich besonders gut, „um zu verdeutlichen, welches Bild des Rechts ein Mediennutzer entwickelt“, erklärte Gostomzyk. Die Serie greife nämlich aktuelle Themen auf und wolle nicht nur fiktional sein. „Sie schafft vielmehr den Eindruck, die Realität abbilden zu wollen, auch im Hinblick auf die Darstellung der Justiz“, sagte der Medienrechtler.

Von RND/epd

07.06.2017
06.06.2017