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Medien & TV „Camping mit Herz“: Christoph M. Ohrt spricht über Leichtigkeit und Krisen im Showgeschäft
Nachrichten Medien & TV „Camping mit Herz“: Christoph M. Ohrt spricht über Leichtigkeit und Krisen im Showgeschäft
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06:03 20.06.2019
So lieben ihn seine Fans: Camping-Kalle (Christoph M. Ohrt) mit Gitarre und Zelt. Quelle: Foto: Sandra Hoever/ARD
Hannover

Christoph Marius Ohrt ist seit fast 40 Jahren gut im Geschäft. Damit ist er eine feste Fernsehgröße. Das liegt auch an seiner bevorzugten Filmauswahl, die er als tragikomisch bezeichnet. Wie der ARD-Film „Camping mit Herz“, in dem der 59-jährige Hamburger am Freitag, 21. Juni, um 20.15 Uhr einen Schlagersänger auf der Suche nach Sinn spielt, den er bei Diana Amft als Zeltplatzbetreiberin findet.

Herr Ohrt, haben Sie eigentlich eine gute Meinung vom Showgeschäft?

Soweit ich mich damit auskenne schon, denn ich mache ja etwas anderes.

Nämlich?

Showgeschäft ist eher Bühne, Glitzer, Tanz, Musik. Schauspiel ist meist sachlicher.

Mit dem Showgeschäft, das Regisseur Josh Broeker in „Camping mit Herz“ als oberflächliche Profitmaschine bezeichnet, haben Sie gar nichts zu tun?

Wenig, wobei Oberfläche und Profit auch bei uns von Bedeutung sind. Entscheidend in jeder Kunst ist aber doch, ob man seine Träume nur hat oder auch lebt. Und dafür ist das Showgeschäft, in dem meine Figur nur singen darf, was das Publikum schon immer von ihr hören wollte, ein gutes Symbol. Diese Sackgassen kennt jeder Künstler. Ohne es bewerten zu wollen, gibt’s in meinem Beruf nun mal Phasen, in denen man weniger kreativ ist.

Ihr One-Hit-Wonder Kalle sagt zu dieser Sackgasse an einer Stelle, erfolgreich sei nur, wer authentisch bleibt.

Und belügt sich damit ein Stück weit selbst.

Ist diese Authentizität bei Schauspielern, die immer in fremde Charaktere schlüpfen, überhaupt denkbar?

Schon, weil man sogar als Mörder einen Teil davon in sich selbst sucht. Nur so kann man die Zuschauer damit überzeugen. Camping-Kalle dagegen hat die Suche längst beendet und spielt seinen Schlagerstar, ohne dass davon noch etwas in ihm steckt. Er sieht sich ja eigentlich als Countrysänger, den nur niemand hören will.

Haben Sie auch schon Dinge gemacht, zu denen Sie nicht stehen?

Ja, aber selten und nie auf Dauer. Schließlich wollen auch Schauspieler leben. Und manchmal sind es echte Herausforderungen. Dennoch besteht bei leichter Unterhaltung das größte Missverständnis darin, sie sei auch leicht herzustellen. Natürlich ist das „Traumschiff“ nicht der „Tatort“, aber es gibt ein sehr berechtigtes Interesse an Fiktion ohne Mord und Elend. Auch dieses leichte Genre hochwertig zu bedienen ist eine Kunst.

Ist das der Grund, warum sie mehr leichte als schwere Kost anbieten?

Nur Tragik oder Komik allein reicht mir nicht. Deshalb mag ich Camping-Kalle ja so gern; er hat eine Tragikomik und vor allem: Er macht eine Veränderung durch.

Wie haben Sie in Momenten, in denen es nicht gut lief, reagiert?

Das hat mich zwar irritiert, aber nicht aus der Bahn geworfen. Ich neige nicht zur Verzweiflung. Schwieriger wäre das gewesen, als ich Vater geworden bin; aber damals hatte ich zu gut zu tun für Pessimismus. Existenzängste gehören für Freiberufler immer ein wenig dazu, aber das wird durch einen Beruf kompensiert, in dem man ungeheuer kreativ sein und mannigfaltig arbeiten darf.

Gibt es dennoch Genres, in denen Sie sich noch nicht ausprobiert haben?

Natürlich, aber ganz ehrlich – ich würde auf dem „Traumschiff“ handwerklich nicht anders spielen als bei Dominik Graf.

Auf den reagiert das Feuilleton aber noch besser als auf das „Traumschiff“.

Ach, wenn das Feuilleton bis jetzt nicht von mir überzeugt ist, überzeuge ich es auch nicht mit Arthouse – das ich im Übrigen schon gemacht habe. Ich will zwar eine gute Figur machen, aber nicht, um zu gefallen. Beim Studium in New York wurde mir vermittelt, dass jeder, der von dem Beruf leben kann, egal ob mit Reklame, am Broadway oder in Hollywood, Respekt verdient. Und während man hierzulande ein verbrauchtes Gesicht hat, sobald man den Publikumsgeschmack ein paarmal mit demselben Charaktertyp bedient, gilt man in den USA als Charakterdarsteller.

Trotzdem – fehlt Ihnen noch eine Rolle in der Sammlung?

Natürlich. Ich warte schon mein Leben lang darauf, einen Western zu machen oder wie beim „Highlander“ unsere Zeit zu verlassen. Wer sich anders kleidet, spielt auch anders. Veränderung ist doch der Kern unseres Berufs – gerade für einen wie mich, der aussieht wie ein Anwalt. Wie gern würde ich mir mal für einen Film die Haare abrasieren.

Gutes Aussehen kann auch ein Hindernis der Vielfalt sein.

Ich hatte bislang großes Glück, aber danke, dass Sie das sagen!

Von Jan Freitag/RND

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