Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Medien & TV „Charité“: Medizin unterm Hakenkreuz
Nachrichten Medien & TV „Charité“: Medizin unterm Hakenkreuz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:02 19.02.2019
Dr. Artur Waldhausen (Artjom Gilz, M.) bringt seine hochschwangere Frau Anni (Mala Emde) in die Charité. Annis Bruder Otto Marquardt (Jannik Schümann, l.) rennt den beiden hinterher. Quelle: ARD/Julie Vrabelova
Berlin

Dieser Erfolg hat sogar die ARD verblüfft: Mit im Schnitt knapp 7,5 Millionen Zuschauern war die Serie „Charité“ die vielleicht größte Überraschung des Jahres 2017. Die Verknüpfung persönlicher Schicksale mit der Geschichte der Medizin hat auf viele Menschen eine Faszination ausgeübt. Die erste Staffel spielte im späten 19. Jahrhundert, die zweite beschäftigt sich mit einer anderen Epoche: Die Handlung setzt mitten im Zweiten Weltkrieg ein. Das dramaturgische Konzept der Drehbuchautorin Dorothee Schön stellt erneut eine junge Frau in den Mittelpunkt. Während die Heldin der ersten Staffel, eine Krankenschwester, nur davon träumen konnte, Ärztin zu werden, steht Medizinstudentin Anni (Mala Emde) kurz vor dem Abschluss. Die hochschwangere Frau ist Anhängerin der nationalsozialistischen Rassenlehre. Ihr Mann (Artjom Gilz), ein Kinderarzt, führt gar Versuche an „genetisch ungeeigneten Subjekten“, sprich: behinderten Kindern durch. Annis Haltung ändert sich, als ihr Baby eine Schädelschwellung aufweist. Mit einem „Wasserkopf“ wäre das Kind eine sogenannte Ballastexistenz; ein Todesurteil.

Dramatische Zuspitzung

Dank dieser dramatischen Zuspitzung kann Grimme-Preisträgerin Schön („Frau Böhm sagt nein“), die die Drehbücher wieder gemeinsam mit der Medizinjournalistin Sabine Thor-Wiedemann geschrieben hat, ein Manko der ersten Staffel vermeiden. Dort hatten die weiblichen Hauptfiguren trotz ausgezeichneter Besetzung (Alicia von Rittberg, Emilia Schüle) nicht genug Kraft entwickelt, um ein dramaturgisches Gegengewicht zu den berühmten Männern bilden zu können. Das ist in der zweiten Staffel besser gelöst, selbst wenn es mit Ferdinand Sauerbruch, einem der bedeutendsten Chirurgen des 20. Jahrhunderts, auch diesmal eine überlebensgroße Figur gibt. Weil Ulrich Noethen diese mitunter etwas cholerische Koryphäe aber sehr lebensnah, leutselig und witzig verkörpert, ist Sauerbruch greifbarer als die Kollegen aus der ersten Staffel. Seine Scherze über die Nationalsozialisten und sein Engagement für Verfolgte des Nazi-Regimes machen ihn ohnehin zum Sympathieträger. Gegenentwurf zum Star-Chirurgen ist Max de Crinis (Lukas Miko). Der Leiter der Psychiatrie ist oberster beratender Heerespsychiater und Befürworter der Rassenhygiene. Der Mann ist ein Monster und kennt keine Gnade, wenn er bei verletzten Soldaten Wehrkraftzersetzung durch Selbstverstümmelung wittert. Dies ist auch das Thema von Annis Doktorarbeit; de Crinis ist ihr Doktorvater.

Gute Mischung aus historischen und erfundenen Charakteren

Dank der personellen Konstellation gelingt es Schön und Thor-Wiedemann, die private Ebene schlüssig mit den Rahmenbedingungen zu verknüpfen, selbst wenn die Erzählweise mitunter etwas episodisch wirkt. Anders als die Hauptfiguren, die eine gute Mischung aus historischen und erfundenen Charakteren bilden, sind einige Nebenrollen etwas klischeehaft geraten; uniformierte Nationalsozialisten bewegen sich in solchen Produktionen ohnehin leicht am Rand der Karikatur. Anno Saul inszeniert überdies einige Male mit Ausrufezeichen, wo subtile Andeutungen den gleichen Effekt erzielt hätten. Andererseits sorgt er im Unterschied zu Sönke Wortmann, dem Regisseur der ersten Staffel, für eine große Handlungsdichte; Wortmanns Stil entsprach streckenweise allzu sehr der typischen Biederkeit vieler öffentlich-rechtlicher Historienproduktionen.

Ein cleverer Schachzug

Saul hat allerdings auch den Vorteil, dass seine Hauptfigur einen Sinneswandel durchläuft. Mala Emde („Meine Tochter Anne Frank“) verkörpert die Studentin als Identifikationsfigur; ein cleverer Schachzug, weil sich die Zuschauer so mit Annis anfänglicher Haltung auseinandersetzen müssen. Sie repräsentiert auf diese Weise den Widerspruch der Medizin im Dritten Reich: Die Ärzte hatten den hippokratischen Eid geschworen, aber viele folgten dennoch einer Ideologie, die das Volks- über das Patientenwohl stellte. Für dieses ethische Dilemma steht nicht zuletzt Sauerbruch selbst: Der Idealist will nicht glauben, dass Kollegen sogenanntes unwertes Leben beenden.

Charité“ ist handwerklich eindrucksvoll. Der Aufwand ist sichtbar groß, die Bildgestaltung vorzüglich, das Ensemble gut zusammengestellt. Kurze dokumentarische Sequenzen sorgen für Zeitkolorit. Trotzdem ist die Serie immer wieder überraschend witzig. Im Anschluss an die Doppelfolge folgt die Doku „Die Charité – Medizin unterm Hakenkreuz“ (21.45 Uhr).

Von Tilmann P. Gangloff

Offenbar plant Apple, die nächste iPhone-Generation besser auszustatten. Ein renommierter Analyst spekuliert auch über weitere Neuerungen beim iPhone 11 und weiteren Produkten des Herstellers. Daneben lag er bisher selten.

18.02.2019

Ein neuer Wurstmacher oder ein faltbares Hoverboard: Bei ProSieben suchen unter anderem Joko Winterscheidt und Lena Gercke bei „Das Ding des Jahres“ nach neuen Erfindungen.

18.02.2019

Der 19-jährige Lukas Rieger hat sich von seiner Freundin getrennt – jetzt hat der Sänger und Youtube-Star Zeit, um sich auf seine Teilnahme bei „Let’s Dance“ zu konzentrieren.

18.02.2019
AWS-691D9C425741