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Medien & TV Borowskis Geisterstunde
Nachrichten Medien & TV Borowskis Geisterstunde
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09:00 30.08.2018
Von Christian Trutschel
Schwere Themen am Landhaus-Tisch: Die Voigts (Karoline Schuch, Thomas Loibl, Emma Mathilde Floßmann, Mercedes Müller) diskutieren mit Klaus Borowski (Axel Milberg) das damalige Verschwinden von Heike, Frank Voigts erster Frau. Quelle: NDR/Christine Schroeder
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Kiel

„Ihr wollt alle einander beschützen, und dann passiert es“, sagt der Kommissar, als er seinen alten Freund Frank Voigt (Thomas Loibl) verhört. Es ist im 32. Kieler Tatort „Borowski und das Haus der Geister“ (Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste) der Showdown zweier Männer, die um zwei Frauen buhlten und beide verloren. Franks Frau Heike verschwand vor vier Jahren. Borowski (Axel Milberg), der Frank für ihren Mörder hält, wurde geschieden. Beide verbindet der innige Drang, offene Rechnungen zu begleichen. Eben noch triumphierend, fällt „Fränkie“ im Verhör plötzlich um, gesteht zwei Morde. Doch Borowski glaubt ihm nicht.

Schon das Fundament dieses „Tatort“ ist wacklig. Hätte Borowski, den Franks Töchter "Onkel Klaus" nennen, gerade diesen Fall damals mit Leidenschaft verfolgt, man hätte es verstanden, aber vier Jahre später? Seine neue Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) hingegen macht mit der Energie einer Kickboxerin die Sache klar, ein junger Staatsanwalt drückt beide Augen zu, und los geht’s mit einer von Borowski damals vergeblich beantragten Gelände-Durchsuchung.

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Ist es Kiel?

Die Plausibilitätsprüfung hat an mehreren Stellen versagt. Schade für ein trainiertes Krimi-Publikum, das stattdessen psychologische Prozesse bekommt, in denen Borowski auch schon mal weiter war. Sogar eine Séance hält er ab („Wir rufen dich, großer Geist!“). Ja, so ermittelt man in Kiel. Ist es Kiel? Ja, doch, da sind die großen Portal-Kräne der Gaardener Werften, und Mila kaut einmal ein Fischbrötchen. Eingeführt wird die zurzeit jüngste „Tatort“-Kommissarin in Paarungspose an ihrem „Kumpel Walter“, einem Boxsack, den sie – selbst ist die Frau – soeben an die Decke ihres Amtszimmers montiert hat, als Kriminalrat Roland Schladitz (Thomas Kügel) und Borowski eintreten. Während sie dastehen wie lüsterne, alte Schulbuben, rekapituliert sie zack-zack den Fall, smart und wohl in jeder Hinsicht schlagfertig. Sonst ist da noch nichts.

Mit Sorgfalt gestaltet und glaubwürdig dargestellt sind vor allen anderen die beiden Töchter: Sinja (Mercedes Müller) mit ihren zwei Gesichtern, die in einer lasziven Szene am See mit ihren maliziösen Bemerkungen endlich mal ein paar Facetten mehr aus Milbergs Mimik-Repertoire lockt, und Grete (Emma Mathilde Floßmann), die Gerade, die Muffelige, die ihre Reize wie ihr Herz lieber verbirgt und mit trockenen Sätzen trifft.