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Medien & TV „Deutschland 89“-Setbesuch: Tür an Tür mit dem Klassenfeind
Nachrichten Medien & TV „Deutschland 89“-Setbesuch: Tür an Tür mit dem Klassenfeind
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09:08 02.10.2019
Die Schauspieler von „Deutschland 89“: (von links) Svenja Jung, Sylvester Groth, Uwe Preuss, Jonas Nay und Maria Schrader bei den Dreharbeiten. Quelle: Jörg Carstensen/dpa
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Berlin

Zwischen der Stasi-Zentrale und der Vertretung der amerikanischen Botschaft verläuft nur ein dunkler, fensterloser Gang. Tür an Tür mit dem Klassenfeind. Hier die Computer der DDR-Firma Robotron, drüben US-Flagge und ein Portrait des damaligen Präsidenten George Bush senior.

„Unser Anspruch war es, die Räume so detailliert wie möglich nachzubilden“, sagt Szenenbildner Lars Lange zum RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Im mehrstöckigen Gebäude 18 des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Berlin-Lichtenberg wurden rund 20 Sets aufgebaut. Neben Stasi-Zentrale und US-Botschaft unter anderem noch eine Abhörstation der Amerikaner, die Hauptpost von Leipzig sowie ein geheimer Folterkeller der CIA.

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Noch bis Anfang Dezember finden hier die Dreharbeiten für die preisgekrönte „Deutschland“-Serie statt. Nach den Jahren 1983 und 1986 schicken die Serienerfinder Anna und Jörg Winger ihren Hauptprotagonisten Martin Rauch (gespielt von Jonas Nay) nun in das Jahr 1989.

Gegen seinen Willen wurde der einstige ostdeutsche Grenzsoldat Rauch als Spion in den Westen geschickt. Am Anfang der dritten Staffel, die ab Herbst 2020 bei Amazon Prime laufen soll, steht Rauch nach dem Mauerfall – nicht nur beruflich – vor den Trümmern seiner Existenz. „Martin wurde gegen seinen Willen in die Spionagetätigkeit reingezogen“, sagt Nay. „Aber gibt es für ihn überhaupt noch ein normales Leben? Das ist die große Frage!“ Dabei wird Rauch als Ex-Spion der DDR von vielen Seiten immer wieder mit einem Satz konfrontiert. „Du hast jetzt drei Optionen: Entweder du wirst umgebracht, du landest vor Gericht, oder du wirst wieder irgendwo bei einem Geheimdienst angestellt.“ Für welche der drei Möglichkeiten er sich entscheiden wird, davon handelt die dritte „Deutschland“-Staffel.

Zu Beginn der acht neuen Folgen ist Rauch mittlerweile alleinerziehender Vater eines sechsjährigen Sohnes. Im Kindergarten lernt er die Erzieherin Nicole Zangen (neu dabei: Svenja Jung) kennen und lieben.

Nay (Jahrgang 1990) und Jung (Jahrgang 1993) waren beide noch nicht geboren, als die Mauer fiel. „Ich konnte immerhin schon im Bauch meiner Mutter mitblubbern“, erzählt Nay und lacht. „Filmisch wurde schon sehr viel über den Mauerfall erzählt, aber tatsächlich fasziniert mich die friedliche Revolution in der DDR. Die hat so eine Magie, Dynamik und Kraft gehabt. Dass ein gesamtes Volk es friedlich geschafft hat, ein Regime zu stürzen. Wenn ich einmal mit einer Zeitmaschine zurückreisen dürfte und bei diesen Montagsdemonstrationen mitlaufen könnte, wäre das was. Für mich ist es so selbstverständlich, in einem vereinten Land aufzuwachsen, und dafür bin ich wahnsinnig dankbar.“

Svenja Jung ergänzt: „Was ich während der Recherche zur DDR und dem ganzen Osten so überraschend fand, war, welche Kraft der Kommunismus geben kann. Natürlich war die DDR ein Gefängnis und die Menschen waren eingesperrt. Aber ich würde sehr gern mal dieses Gefühl, in der DDR zu leben, als Erfahrung für eine Woche mitmachen.“

Eine vierte „Deutschland“-Staffel ist denkbar

Neben Nay und Jung sind auch wieder Maria Schrader, Sylvester Groth und Uwe Preuss mit von der Partie. Doch wie die beiden jungen Hauptdarsteller sind sie angehalten, nichts Wichtiges über die Handlung zu verraten. „Schweppenstette bleibt Schweppenstette“, gibt sich Groth geheimnisvoll, als er nach seiner Figur gefragt wird. Als Walter Schweppenstette spielt er den einstigen Chef der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) und war zu Zeiten der DDR für Auslandseinsätze zuständig.

Nicht weniger geheimnisvoll gibt sich Serienerfinder Jörg Winger, wenn man ihn fragt, ob auch noch eine vierte Staffel denkbar ist. „In gewisser Weise findet die Serie, die wir immer als Trilogie gedacht hatten, einen Endpunkt mit dem Ende der DDR, dem Ende der HVA und der Herausforderung für unsere Figuren, sich neu zu erfinden“, so Winger. „Auf der anderen Seite soll man nie nie sagen.“ Die erste Staffel „Deutschland 83“ wurde unter anderem mit einem Emmy, dem Grimme-Preis und einer Goldenen Kamera ausgezeichnet.

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Von Thomas Kielhorn/RND