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11:48 07.05.2019
Aus acht Tonnen Papiermüll besteht dieser Kubus im Eingangsbereich der re:publica, die vom 6. bis 8. Mai 2019 in Berlin stattfindet. Quelle: Britta Pedersen/dpa
Berlin

Im Eingangsbereich steht ein wuchtiger Kubus aus acht Tonnen Papiermüll. Hinten im Community-Garden können Besucher Insekten-Hotels bauen. In einer anderen Ecke wird altes Plastik geschreddert, eingeschmolzen und zu kreativen Design-Objekten verarbeitet. Auf der Digitalkonferenz re:publica in Berlin wird schnell klar, wo die Macher in diesem Jahr einen ihrer Schwerpunkte setzen. „Der Klimawandel ist da, er steht nicht mehr vor der Tür“, sagt re:publica-Mitgründer Markus Beckedahl. „Wir müssen jetzt Lösungen finden und umsetzen.“ Um sich aus verschiedenen Perspektiven dem Thema zu nähern, wurden ganz unterschiedliche Experten eingeladen, aus Politik, Tech-Szene, Wissenschaft und Gesellschaft.

Klima-Experte: Bald sollten wir „sehr nervös“ werden

Anruf bei Johan Röckström, Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung, der am Mittwoch auf der re:publica erwartet wird. „Die wissenschaftlichen Beweise sind überwältigend, dass wir bei ungebremstem Klimawandel enormen globalen Risiken entgegenblicken und auf eine sehr bedrohliche Zukunft zusteuern“, sagt er. Sei es der steigende Meeresspiegel, der Verlust der Biodiversität, die Verschlechterung der Luftqualität oder seien es Risiken für Trinkwasserreserven und Klima-Extreme wie Dürren und Fluten. „Bewegen wir uns weiter auf dem gegenwärtigen Pfad, gibt es einen wirklichen Grund, sehr nervös zu werden.“

Der schwedische Wissenschaftler sagt aber auch: „Das Zeitfenster, um verheerende Risiken abzuwenden, ist noch offen – entscheidend sind die nächsten zehn, zwanzig Jahre.“ Und: „Lösungsoptionen sind bereits vorhanden.“ Die beiden wichtigsten Transformationen sind ihm zufolge die Energiewende und die Frage, wie wir künftig Lebensmittel produzieren und konsumieren. „Es ist kein Science-Fiction zu behaupten, dass wir bis 2050 eine Weltwirtschaft ohne fossile Brennstoffe erreichen können“, so Rockström.

Fridays for Future“ ebenfalls ein Thema

Dass eine Großveranstaltung wie die re:publica mit Tausenden Besuchern selbst nicht die beste Klimabilanz aufweist, ist klar. Aber die Organisatoren bekräftigen, stetig an einer Verbesserung zu arbeiten. „Von wiederverwertbarem Standdesign über Müllvermeidung, recycelbare Kaffeebecher und Reduzierung von CO2-Ausstoß bei der Logistik gibt es viele Schrauben, an denen wir drehen“, heißt es.

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In dem Getümmel der Netzkonferenz ist auch Luisa Neubauer unterwegs. Die 22-Jährige gilt als deutsches Gesicht von „Fridays for Future“. Was können Digitalszene und Umweltbewegung voneinander lernen? „Ich würde das gar nicht so zweigeteilt sehen“, sagt sie. Die „Fridays for Future“-Bewegung sei dafür das beste Beispiel. „Wir sind die digitalste Generation, die es je gab. Es ist selbstverständlich, dass wir uns online organisieren und dass wir mit allen technischen Hilfsmitteln, die uns zur Verfügung stehen, unsere Schlagkraft erhöhen.“

Digitalisierung: Falsch eingesetzt bringt sie nichts

Neubauer ist überzeugt, dass Digitalisierung und Künstliche Intelligenz massiv zum Umweltschutz beitragen können. Technologien müssten allerdings so genutzt werden, dass es die Gesellschaft voranbringe. Beispiele gebe es viele, ob in der Kommunikation oder im Verkehr. „Indem wir uns digital vernetzen und nur mit einem Auto in die gleiche Richtung fahren, statt mit dreien, oder indem wir Wege sparen, weil wir uns digital unterhalten oder konferieren.“ Die Studentin warnte aber auch: „Technologie hat ihren Preis.“ Man denke nur an die Problematik des Elektroschrotts. Zudem sei da natürlich die Frage, „woher die ganze Energie kommt, wenn unsere Zukunft immer digitaler und elektronischer wird“.

Auch Forscher Rockström sagt: „Ich denke, digitale Technologien sind ein wichtiger Bestandteil, um die richtigen Lösungen für die Zukunft zu finden. Falsch eingesetzt können sie uns aber auch in die falsche Richtung bringen.“ Er appellierte an die Tech-Branche, den Planeten zu respektieren. „Sonst entstehen sogenannte „Rebound-Effekte“, wodurch negative Entwicklungen verstärkt werden.“

Umweltministerin fordert Trendwende

Umweltministerin Svenja Schulze will am Dienstag auf der re:publica Eckpunkte für eine „umweltpolitische Digitalagenda“ vorstellen. Die Digitalisierung biete viele Chancen, schrieb sie vorab im „Handelsblatt“: Sie vernetze erneuerbare Energiequellen und unterstütze die Energiewende. Sie verbinde Verkehrsmittel und helfe, Äcker präzise zu düngen und Arten zu schützen.

Aber: „Wenn wir die Digitalisierung nicht nachhaltig gestalten, sondern unverändert fortsetzen, dann wird sie zum Brandbeschleuniger für die ökologischen und sozialen Krisen unseres Planeten, führt sie zu mehr Energie- und Rohstoffverbrauch, mehr Konsum und mehr Verkehr“. Es brauche eine Trendwende. Und: „Jedem Algorithmus muss Umweltschutz eingepflanzt werden.“

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Von RND/dpa

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