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Medien & TV „Frankfurt, Dezember 17“ in der ARD – Gewalt ohne Erklärung
Nachrichten Medien & TV „Frankfurt, Dezember 17“ in der ARD – Gewalt ohne Erklärung
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09:46 17.10.2018
Gewalt gegen die Schwächsten der Gesellschaft: Der schwer verletzte Obdachlose Lennard (Christoph Luser) und Sam (Ada Philine Stappenbeck). Quelle: Foto: Bettina Müller/HR
Frankfurt/Main

Die erste Viertelstunde dieser traurigen Großstadtballade macht es dem Zuschauer schwer, ja richtig schwer: So realistisch schmutzig wirken die Bilder, die eine brutale Gewalttat am Mainufer mitten in Frankfurt zeigen. Opfer ist der Obdachlose Lennard (Christoph Luser), der von drei Jugendlichen nachts krankenhausreif geprügelt wird.

Diese Tat wird von einem Liebespaar im Auto beobachtet, dem verheirateten Arzt Carl (Barnaby Metschurat) und der Krankenschwester Irina. Sie will zwar eingreifen, er aber nicht. Es ist halt, wie er sagt, „nur ein Obdachloser“. Und zudem darf seine Frau natürlich nichts von seinem Seitensprung erfahren. Dennoch ruft Irina nach diesem Schäferstündchen die Polizei an und berichtet ihr anonym von dem Zwischenfall.

Frankfurt, Dezember 17: Menschliche Wärme? Fehlanzeige

Nach diesem harten Auftakt macht der Film „Frankfurt, Dezember 17“, der am Mittwochabend im ARD gezeigt wird, einen Zeitsprung und begleitet eine junge Frau, Sam (Ada Philine Stappenbeck), die irgendwie in Frankfurt gestrandet ist. Auch sie ist obdachlos, streift ziellos durch die unwirtliche Stadt. Sie friert, hungert, und wird, als sie vor einem Supermarkt im Müll wühlt, vertrieben und schließlich von anderen Obdachlosen verprügelt. Doch im letzten Moment geht der plötzlich aufgetauchte Lennard dazwischen, kann Sam vor noch Schlimmerem bewahren.

Er nimmt sie danach mit in seine „Residenz“, ein im Rohbau befindliches Hochhaus, in dem er in diesen kalten Dezembertagen 2017 haust. Dort pflegt er sie, besorgt ihr Kleidung, und langsam entwickelt sich eine fast zärtliche Freundschaft zwischen den beiden, die jäh unterbrochen wird, als eines Tages Lennard scheinbar spurlos verschwindet. Sie sucht ihn daraufhin und findet ihn schließlich auf der Intensivstation eines Krankenhauses.

Hochemotionales Drama – doch mit zu vielen Kunstgriffen

Dass Regisseurin und Drehbuchautorin Petra K. Wagner diese tragische Geschichte nicht chronologisch erzählt, irritiert zwar anfangs ein wenig, erschließt sich dann zum Glück jedoch. Und diese Erzählweise bleibt nicht das einzige Unkonventionelle an diesem Fernsehfilm. So treten bisweilen die Hauptfiguren aus dem fiktiven Spiel heraus und wenden sich direkt an den Zuschauer, mit Worten, aber auch mit eindringlichen Blicken. Ein dramaturgischer Kniff – das Durchbrechen der „vierten Wand“ –, den man vom Theater her kennt, der das im Film Erzählte erläutern oder verstärken soll, hier allerdings recht überflüssig wirkt, ja sogar zuweilen penetrant didaktisch. Und das ist leider nicht die einzige Schwäche dieses ansonsten hochemotionalen Dramas.

Der Film konzentriert sich im weiteren Verlauf nämlich ganz auf seine weiblichen Figuren, während die männlichen – mit Ausnahme von Lennard – wie hilflose Hanswurste erscheinen. Außerdem erfährt man rein gar nichts über die Vorgeschichte der Personen, auch nicht über Sam und Lennard, den emotionalen Mittelpunkt dieses Dramas. Was ziemlich schade ist. Trotzdem ist es sehenswert, wie Ada Philine Stappenbeck diese junge Frau spielt. Allein ihretwegen berührt der Film, wirkt lange nach.

Opfer von Gewalt sind – wie im Film „Frankfurt, Dezember 17“ meist die Schwächsten

Gut unterstützt wird sie dabei von Lana Cooper, die die von Gewissensbissen geplagte Krankenschwester gibt. Und die dritte starke Frau im Bunde ist Anne (Katja Flint), die Mutter des jugendlichen Schlägers, die über die Skrupellosigkeit und die totale Gefühlskälte ihres Sohnes so schockiert ist, dass sie im Unterschied zu ihrem Mann dessen Bestrafung fordert.

Auch die Tat selbst wird im Film nicht erklärt, weil sie vermutlich einfach nur ein unerklärbarer Gewaltakt ist und bleibt, wie er leider viel zu oft in unseren Städten geschieht. Die Opfer sind dann meist die Schwächsten der Schwachen, Menschen eben wie Lennard und Sam. Um das zu verhindern oder wenigstens abzumildern, plädiert der Film daher – eben auch in direkter Ansprache – an die Zivilcourage der Zuschauer.

Von Ernst Corinth / RND

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