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Medien & TV „Ich esse gerne Kaviar“ – Heino Ferch und seine Rolle des Dandy-Detektivs Johann Friedrich von Allmen
Nachrichten Medien & TV „Ich esse gerne Kaviar“ – Heino Ferch und seine Rolle des Dandy-Detektivs Johann Friedrich von Allmen
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08:57 12.07.2019
Hang zum Luxus und zum Abenteuer: Johann Friedrich von Allmen (Heino Ferch) gerät im neuesten Allmen-Film höchste Gefahr. Quelle: Foto: Julie Vrábelová/ARD

Herr Ferch, in Ihrem neuen Film verkörpern Sie wieder den Schweizer Lebenskünstler Johann Friedrich von Allmen. Hat es Ihnen Spaß gemacht, zum dritten Mal den Dandy-Detektiv zu spielen?

Natürlich, ich liebe diese Rolle. Allmen ist ein moderner Dandy mit einem Händchen für das Schöne im Leben, ein aus der Zeit gefallener Geselle, das macht einen Riesenspaß. Er liebt edle Stoffe, Kunst, schöne Frauen, den richtigen Wein zum guten Essen – ein echter Lebemann. Ich genieße es, dass ich in der Rolle diese wilde Haartolle habe und maßgeschneiderte Garderobe tragen darf.

Dürfen Sie die Garderobe nach dem Dreh behalten?

Nein, das bleibt alles in einem speziellen Allmen-Fundus. Wir werden ja auf jeden Fall weiterdrehen, und dabei wird auf die Garderobe zurückgegriffen – deshalb muss ich übrigens auch meine Figur halten, daran arbeite ich jeden Tag (lacht). Ich verfüge als Allmen über 30, 40 Anzüge mit den dazugehörigen Mänteln und Accessoires, da werden zum Teil Stoffe aus Italien und England verarbeitet. Sie können sich denken, dass das sehr teuer ist, und die Kostümbildnerin hegt und pflegt das alles wie ihren Augapfel.

Es wird bei der Verfilmung der Romane also nicht gespart?

Wenn man in diese Welt eintaucht, so wie Martin Suter sie geschrieben hat, kann man nicht sparen. Wenn man spart, kriegt man diesen Look nicht hin, und dann braucht man gar nicht erst anzufangen. Die Kamera ist außerdem auch unerbittlich. Die sieht es, wenn das Material nicht wirklich hochwertig ist.

Ist denn auch echter Schampus in den Champagnergläsern, die Allmen regelmäßig leert?

Leider nein, das ist alkoholfreier Sekt. Das Prickeln in den Gläsern wird mit einer Prise Salz hergestellt, die hineingetan wird, damit das schön perlt wie der beste Champagner. Beim Rotwein ist Johannisbeerschorle in den Gläsern, und der Weißwein ist Apfelsaft in unterschiedlicher Verdünnung – ein Chablis zum Beispiel ist dunkler als ein Sancerre. Aber die Austern waren immerhin echt (lacht).

Lieben Sie Luxus auch so sehr wie Allmen, der etwa für weißen Kaviar schwärmt, eine der teuersten Delikatessen der Welt?

Davon hatte ich vorher noch nie gehört. Aber ich esse auch gern mal Kaviar, und ich weiß auch, welche Weine ich mag. Bei der Garderobe bin ich eher ein klassischer Jeans-und-T-Shirt-Typ. Ich habe auch Anzüge zu Hause, klar, und zu einem entsprechenden Anlass ziehe ich mir auch gern was Tolles an. Aber jeden Tag so exquisit – nein, ich bin da moderner. Wo Allmen und ich uns berühren, ist die Kunst. Ich liebe Kunst und beschäftige mich intensiv damit. Ich liebe Expressionisten, ich liebe Fotografie, ich gehe in Ausstellungen und zu Galeristen. Ich kaufe manchmal auch Kunst, und das hängt bei mir daheim auch an der Wand.

Im neuen Allmen-Film wird in einem Züricher Luxushotel ein Gemälde geklaut. In welcher Nobelherberge haben Sie gedreht?

In einem alten Grand Hotel in Karlsbad. Sie müssen wissen, dass mehr als 95 Prozent der Filme gar nicht in Zürich entstehen, sondern in Tschechien. Das ist viel günstiger als das unglaublich teure Zürich, außerdem bieten Prag und Tschechien an Gebäuden und Räumen sensationell viel Jugendstil und Art déco. Wir sind exakt einen Drehtag in Zürich, und an dem drehen wir die ganzen Szenen, die im Boot auf dem Zürichsee spielen.

Die Bootsszenen wirken ein bisschen ungemütlich …

Stimmt, wir haben im November letzten Jahres gedreht, und wir hatten nur einen Tag für alle fünf Szenen auf dem Boot. Das war ein harter Drehtag. Wir sind um 7 Uhr aufs Wasser, und es war bitterkalt. Wir saßen auf Wärmflaschen, mit Hitzepads in den Taschen und Hitzesohlen in den Schuhen. Die Szenen wurden nachsynchronisiert, weil man bei der Kälte und im Fahren keinen guten Sound hinkriegt.

Was sagt eigentlich Martin Suter, der bislang fünf Allmen-Romane geschrieben hat, zu Ihrer Verkörperung seines Helden?

Er war sehr begeistert. Er hat mir nach den ersten zwei Filmen persönlich geschrieben und das wunderschöne Kompliment gemacht, dass er jetzt mich im Kopf hat, wenn er die Figur schreibt. Das freut mich deshalb besonders, weil wir bei der Entwicklung Allmens lange mit der Frage gerungen haben, wie dieser Mann aussehen könnte. Wir haben uns frühere Dandys angeguckt wie Cary Grant oder Gary Cooper, sind aber vor allem auch bei Bryan Ferry hängen geblieben. Das hat dazu geführt, dass wir diesen Charakter in dieser Geradlinigkeit und Qualität hingestellt haben, das hat Suter sehr gefallen.

Wie geht es mit der TV-Reihe weiter? Unlängst ist der neueste Roman mit dem Titel „Allmen und die Erotik“ erschienen.

Unser nächster Film wird wahrscheinlich „Allmen und die Erotik“ sein, die ARD lässt gerade ein Drehbuch entwickeln. Wir hoffen, dass wir Martin Suter mit unseren Verfilmungen dazu animieren, noch weitere Romane zu schreiben und an den Figuren weiterzuarbeiten, damit wir für die nächsten Filme Geschichten haben, die aus seiner Feder kommen.

Allmen ist ein Hochstapler und Pleitier mit vollendeten Manieren. Er hasst es zum Beispiel, wenn Leute im Gespräch auf ihr Handy schielen. Kann man sich von ihm was abschauen?

Auf jeden Fall. Er ist gebildet, kennt sich mit Literatur aus, ist sehr höflich, speziell Frauen gegenüber, ein sehr eleganter Mann. Er genießt das Leben in vollen Zügen, auch wenn er es sich eigentlich längst nicht mehr leisten kann, lebt ganz im Jetzt und sorgt sich nicht um den nächsten Tag. Vor allem aber: Er verweigert sich diesem Lebensstil, dem wir alle jeden Tag ein Stück weit zum Opfer fallen, dieses Getriebene, Gehetzte, ständig Erreichbare.

Sie spielen noch eine weitere Ermittlerfigur regelmäßig, den mürrischen Psychiater Brock in der ZDF-Reihe „Spuren des Bösen“. Wer von beiden steht Ihnen näher?

Ich mag beide, auch wenn zwischen ihnen Welten liegen. Der fachlich brillante, aber privat völlig verkorkste Brock, der in all seiner Grantigkeit in Wien hockt und unglaublich reduziert spricht. Dagegen Allmen, der voluminöse Texte hat und Luxus liebt. In so gegensätzliche Welten einzutauchen ist für mich als Schauspieler großartig.

Zur Person

Früher markierte er im Film oft den starken Helden, den Retter der Witwen und Waisen – doch Heino Ferch ist längst zum viel gefragten Charakterdarsteller gereift. Im Krimi „Allmen und das Geheimnis der Dahlien“ (heute, 20.15 Uhr, ARD) nach einer Vorlage von Bestsellerautor Martin Suter ist der 55-Jährige erneut als eleganter Kunstdetektiv Johann Friedrich von Allmen zu sehen.

Heino Ferch kam 1963 in Bremerhaven als Sohn eines Kapitäns zur Welt und war in seiner Jugend erfolgreicher Kunstturner. Nach seinem Schauspielstudium am Salzburger Mozarteum hatte er seinen Durchbruch 1997 mit dem Kinodrama „Comedian Harmonists“, es folgten Rollen in Filmen wie „Der Tunnel“ oder „Das Adlon“. Ferch ist passionierter Polospieler und lebt mit seiner Ehefrau und den zwei gemeinsamen Kindern am Ammersee in Bayern.

Von Cornelia Wystrichowski

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