Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Medien & TV „Lights Out“ und mehr DVD-Tipps
Nachrichten Medien & TV „Lights Out“ und mehr DVD-Tipps
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:30 04.02.2017
Ist das Licht aus, geht das Böse auf Tuchfühlung. Szene aus dem Gruselfilm „Lights Out“. Quelle: Warner
Anzeige
...

Lights Out: Sich vor der Dunkelheit zu fürchten, geht ganz schnell. Sie macht Dinge unsichtbar, lässt die Konturen von Harmlosem zuweilen extrem unheimlich erscheinen und erschwert oder verunmöglicht auch noch die Zuordnung von Geräuschen. Was da ist in der Schwärze unterwegs? David F. Sandbergs „Lights Out“ ist ein Film, der achluophobe Zeitgenossen richtig beuteln kann. Licht an: nichts. Licht aus: eine Monstersilhouette im Türrahmen. Licht an: nichts. Licht aus: die Monstersilhouette auf Armeslänge. Undsoweiter. Weil Sandberg seine Figuren einigermaßen ernst nimmt, sie entwickelt und sie nicht nur Kokolores reden lässt, ist der Boden für Zuschauers Empathie recht gut bereitet, als das unerklärliche Gezücht aus Schattenlanden sein Gruselspiel mit ihnen beginnt. Teresa Palmer, Gabriel Bateman und Alexander DiPersia sind im Griff des Bösen, wir Zuschauer auch, sehr zu unserem Unbehagen. Ab und an blicken wir auf zur Wohnzimmerlampe. Dass uns hier jetzt bloß nicht die Birne durchbrennt!

Anzeige
Lights Out Quelle: privat

Operation Avalanche: „Zum Mond!“ gab John F. Kennedy während seiner Präsidentschaft Anfang der Sechzigerjahre die Parole aus, und fortan lebte Amerika in Furcht, die Russen könnten vor ihnen auf dem alten, fahlen Trabanten sein. Eine Katastrophe wäre das gewesen, zumal das gelobte Land der unbegrenzten Möglichkeiten nach Kennedys Ermordung schon einiges an Strahlkraft eingebüßt hatte. Ein paar euphorische Jungspunde in Diensten der CIA infiltrieren in dem Film „Operation Avalanche“ nun die Raumfahrtbehörde Nasa, um einem sowjetischen Maulwurf auf die Schliche zu kommen. Dabei belauschen sie ein Gespräch, aus dem hervorgeht, dass die Apollo-11-Mission gar nicht landen kann. Der Coup der CIA-Frischlinge: Vorab gedrehtes Filmmaterial – sie besuchen zu Lernzwecken die Dreharbeiten von Kubricks „2001“ – mit auf die Reise zu schicken sie und aus dem All zur Ground Control zu schicken. Die Verschwörungstheorie fingierter amerikanischer Weltraumfahrten ist nicht neu: Matt Johnsons „Avalanche“ ist thematisch nahe an Antoine Bardou-Jacquets „Moonwalkers“ (2015) und Peter Hyams‘ „Unternehmen Capricorn“ (1977). Indem der Kanadier das Mittel der Pseudodoku, des „found footage“ wählt, ist sein Streifen, der zunächst viele komische Elemente birgt, sich dann zum Thriller wandelt, der mit Abstand Gelungenste.

Operation Avalanche Quelle: privat

Happy Valley – Season 2: Mit jugendlichen Nichtsnutzen, die – zugedröhnt und nur so zum Spaß – ein Schaf stehlen, um es von ihren Hunden quer durchs Städtchen zu Tode hetzen zu lassen, fängt die zweite Staffel der britischen Drama-Krimi-Serie an. So kommt die Polizistin Catherine Cawood in ihrem „Happy Valley“ mit seinen muckelig geduckten Bruchsteinhäusern einem Mord auf die Spur. Das Opfer ist grausam zugerichtet, es ist die Mutter des Mörders aus der ersten Staffel, der lebenslang einsitzt, und alle Möglichkeiten nutzt, seiner Häscherin Catherine auch aus den Gefängnismauern heraus zu schaden. Die Bluttat ist dann allerdings nur Auftakt einer Serie von Frauenmorden, die ein fremdgehender Polizist dazu nutzt, eine erpresserische Geliebte loszuwerden und dies dem Unbekannten in die Schuhe zu schieben. Wichtiger als der bis zur buchstäblich letzten Minute spannende Fall sind die persönlichen Dramen in dieser Geschichte. Die Leute, die das Happy Valley erschaffen, wissen, wie echtes Leben geht. Die Figuren sind elaboriert, die Schauspieler, voran Sarah Lancashire als Catherine Cawood, exzellent.

Happy Valley – Staffel 2 Quelle: privat

Elliot, der Drache: Der kleine Pete (Oakes Fegley) wird durch einen Wildunfall mitten in unendlich scheinenden, amerikanischen Wäldern zum Waisenkind. Gerade als ihn sich ein hungriges Wolfsrudel einverleiben will, kommt „Elliot, der Drache“ des Wegs, ein heugrüner, flauschiger Gigant, der vor langer Zeit aus einer Parallelwelt zu uns herübergewechselt sein muss und der schon dem alten Mr. Meacham (Robert Redford) begegnet ist, als der noch ein Kind war. Elliot wird bei liebevoller Berührung leuchtend grün, kann sich in Farbe und Textur auf seine Umgebung einlassen und ist mit seiner freundlichen Art viel zu zutraulich für die dominante Spezies aus den Siedlungen. Das schadet ihm, weil es wie in allen moralischen Monsterfilmen seit „King Kong“ den Reichtum witternden Bösewicht (Karl Urban) gibt, der mit der Vermarktung des Biestes sein Glück machen möchte. Absehbar, dass ihm die Disneys zum Filmende hin einen Strich durch die Rechnung machen. Ein schlichtes Kinostück aus dem Haus der Maus, wie sein Zeichentrickvorfahr „Elliot, das Schmunzelmonster“ (1977) ist auch der Computertrick-Elliot so designt, dass sich niemand, auch kleine Kinder nicht, vor ihm fürchten kann. Vor den Wölfen dagegen schon.

Elliot, der Drache Quelle: privat

What We Become: In den lichten Sommertag bricht die Sinfonie des Untergangs, getragen von Ambulanzsirenen, Hubschrauberrotoren und einer elektronischen Filmmusik, die an John Carpenter, Vangelis und Tangerine Dream erinnert. Über das Städtchen mit dem schönen Namen Sorgenfri bricht eine Seuche herein, deren Resultate uns „What we become“ in das Horror-Unterfach „Zombiefilm“ einsortieren lassen. Die Schauspieler sind nicht alle so toll, die Zombies made in Denmark können ebenfalls nicht überzeugen, viele Dialoge sind aus dem „So nicht!“-Büchlein und Plausibilität sollte eben auch in den fantastischen Genres oberstes Gebot sein. Denn dass nach einem erst mausetoten, dann plötzlich verschwundenen Menschen niemand sucht, ist so seltsam, wie dass die Natur der Krankheit in Sorgenfri den Menschen so lange verborgen bleibt, bis Militär mit Gasmasken durch ihre Straßen patroulliert und Flüchtende erschossen werden. Man hat sich ähnlich hohe Qualität erhofft wie bei Tomas Alfredsons schwedischem Vampir-Meisterwerk „So finster die Nacht“, und wird von Bo Mikkelsens Beißertrash gelinde enttäuscht. Ende der Siebzigerjahre, als George A. Romero mit „Dawn of the Dead“ alias „Zombie“ einen Hit landete, wäre dieses filmische Wiederauferstehungsgrauen freilich als spektakulär gewertet worden.

What We Become Quelle: privat

Ben Hur: Das Scheitern war programmiert. „Ben Hur“ war nach 1959 ja noch mehrfach angegangen worden, aber niemand kam an das 11-Oscar-Cinemascope-Wunder heran, das William Wyler mit analogen Mitteln gestemmt hatte. Der Russe Timur Bekmambetov schafft das auch nicht. Die vier Stunden des Klassikers werden auf zwei geschrumpft, es geht auf vielen Abkürzungen direkt zur digitalen Variante des berühmten Wagenrennens, das 1959 noch mit unglaublichen Mühen inszeniert werden musste. Erzählerisch wird viel verändert, manches erscheint sogar plausibler, aber beim völlig unstatthaften, unglaubwürdigen Happy End ist man nahe daran, den Ausknopf zu drücken. Wenn hier Jack Huston als Judah Ben Hur (bekannt aus „Boardwalk Empire“) und Toby Kebbell als Messala Severus nach dem Rennen in neu erwachter Freundschaft auf ihren Rössern um die Wette galoppieren, denkt man wehmütig an den pathetischeren, weit tragischeren Klassiker mit den ungleich besseren Schauspielern Charlton Heston und Stephen Boyd. Und ist nahe dran das Erkennungslied der „Bibi & Tina“-Pferdefilme zu zitieren: „Ja das sind Messala und Judah …“

Ben Hur Quelle: privat

Von Matthias Halbig