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Medien & TV „Lotte am Bauhaus“ – eine müde Moderne
Nachrichten Medien & TV „Lotte am Bauhaus“ – eine müde Moderne
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06:00 13.02.2019
Lotte (Alicia von Rittberg) wartet im Meisterhaus in Dessau auf die Ankunft von Paul und ihrer Tochter Marie. Quelle: Stanislav Honzik/ARD
Hannover

Wenn ein Film moderne, unkonventionelle Menschen zeigen will, dann springen sie häufig zu Beginn nackt durch die Landschaft. Nacktheit, das steht für Tabubruch, Unabhängigkeit, Skandal. Also beginnt auch der Fernsehfilm „Lotte am Bauhaus“ über die moderne, unkonventionelle Design- und Architekturschule in Weimar und später Dessau und Berlin so: Junge Studenten springen nackt durch den Wald und einen flachen Fluss. Am Ufer steht Bürgertochter Lotte und fühlt sich angezogen. Sie beobachtet die ausgelassene Stimmung, kurz davor, ebenfalls die Kleider und mit ihnen die Konventionen der bürgerlichen Welt abzuwerfen. Da zieht Lottes Schwester sie weg vom Fluss, nicht ohne mahnend zu raunen: „Das sind Bauhäusler!“

Kreative Künstlerinnen wie Anni Albers oder Friedl Dicker

Das Bauhaus feiert in diesem Jahr 100. Geburtstag, und im Mittelpunkt vieler derzeitiger Darstellungen stehen die Frauen, die dort studiert oder gelehrt haben. Sie sind im Gegensatz zu den Bauhaus-Männern wie Walter Gropius, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Ludwig Mies van der Rohe weitestgehend vergessen. Erst langsam erinnert man sich an kreative Künstlerinnen wie Anni Albers, Friedl Dicker, Ré Soupault und Ilse Fehling.

Auch „Lotte am Bauhaus“ stellt eine Frau in den Mittelpunkt seiner historischen Erzählung. Lotte (Alicia von Rittberg, bekannt aus der Fernsehserie „Charité“) zeichnet in ihrer Freizeit gern und mit Talent, muss dies aber ihrem Vater verheimlichen. Sie soll lieber im väterlichen Tischlerbetrieb arbeiten. Durch einen Zufall lernt sie den Bauhaus-Studenten Paul Seligmann (Noah Saavedra) kennen, der ihr die von vielen misstrauisch beäugte Werkstattschule zeigt.

Spannende Dokumentation „Bauhausfrauen“

Die Dinge nehmen – wenig modern und sehr konventionell erzählt – ihren Lauf: Lotte bewirbt sich gegen den Wunsch ihres Vaters am Bauhaus, wird angenommen, zeigt enorm viel Talent und setzt sich letztlich gegen alle Widerstände durch. Auch die Liebesgeschichte wird mit bekannten Zutaten zusammengerührt: Lotte und Paul verlieben sich ineinander, werden ein Paar, bekommen ein Kind, er betrügt sie, Trennung und – das Ende soll nicht vorweggenommen werden.

Der von Ufa Fiction mit Benjamin Benedict und Nico Hofmann zusammen mit MDR, SWR sowie der ARD-Tochter Degeto produzierte Film, dem um 22 Uhr die spannende 30-minütige Dokumentation „Bauhausfrauen“ folgt, will den Zuschauern das Bauhaus und vor allem die dortige Situation der Frauen möglichst detailliert und maßstabsgetreu nahebringen. Gedreht wurde an Originalschauplätzen, die meisten Charaktere sind historische Figuren: Walter Gropius (Jörg Hartmann), Friedl Dicker (Nina Gummich), Josef Albers (Ulrich Brandhoff), Dörte Helm (Julia Riedler), Johannes Itten (Christoph Letkowski).

Unentschiedene Mischung aus Fakten und Fiktion

Lotte Brendel hingegen ist eine fiktive Figur. Mit ihrer Erfindung, dem Holzspielzeugset „Kleines Schiffbauspiel“, und ihrem Kinderzimmer, das sie für das Musterhaus Am Horn entworfen hat, kann sie aber eindeutig als Alma Buscher identifiziert werden. Buscher gehörte – wie die Film-Lotte – zu den wenigen Studentinnen, denen es gelang, aus der sogenannten Frauenklasse in der Weberei zu entkommen und in einer der Männerdomänen, der Holzbildhauerei, zu arbeiten.

Warum sich die Verantwortlichen nicht für ein reines Dokudrama, sondern eine unentschiedene Mischung aus Fakten und Fiktion entschieden haben, kann nur vermutet werden. Vielleicht, um sich erzählerische Freiheiten zu lassen. Vielleicht fand aber auch irgendjemand den gedanklichen Dreisprung von Thomas MannsLotte in Weimar“ über das Bauhaus in Weimar hin zu „Lotte am Bauhaus“ so toll, dass die Hauptfigur halt Lotte heißen musste. So bleibt leider vieles zu konventionell und schematisch. Mit ein bisschen mehr erzählerischem Mut und weniger Zwang zur historischen Vollständigkeit hätte der Film dem avantgardistischen Bauhaus näherkommen können.

Von Kristian Teetz / RND

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