Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Medien & TV NSA-Whistleblowerin zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilt
Nachrichten Medien & TV NSA-Whistleblowerin zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:16 24.08.2018
Die Whistleblowerin Reality Winner wurde zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilt. Quelle: Michael Holahan/AP
Anzeige
Washington

Eine frühere Mitarbeiterin eines Dienstleisters des US-Geheimdienstes NSA ist laut Medienberichten am Donnerstag in Augusta (US-Staat Georgia) zu 63 Monaten Haft verurteilt worden. Die 26-jährige Reality Leigh Winner hatte der Online-Enthüllungsplattform „The Intercept“ im Mai 2017 als Whistleblowerin anonym ein mehrseitiges Dokument des NSA geschickt. Das Geheimpapier beschrieb Versuche des russischen Geheimdienstes, US-Wahlen zu manipulieren. „The Intercept“ veröffentlichte den Artikel dazu am 5. Juni 2017.

Am selben Tage machte das US-Justizministerium Winners Festnahme bekannt. Die Anklage warf ihr einen Verstoß gegen das Spionagegesetz vor. Winner gestand vor Gericht die „unautorisierte Weitergabe“ von Sicherheitsdokumenten. Staatsanwalt Bobby Christine erklärte, Winner habe „die Sicherheit unsere Nation riskiert“.

Anzeige

„Katastrophales Versagen beim Quellenschutz“

Kritiker des Urteils verteidigten Winner als Whistleblowerin. Der Direktor für bürgerliche Freiheiten im Verband „Electronic Freedom Foundation“, David Greene, kritisierte die Anwendung des Spionagegesetzes. Das im Ersten Weltkrieg beschlossene Gesetz richte sich gegen Spione, die militärische Geheimnisse an das Ausland verraten. Mehrmals hätten US-Regierungen das Gesetz jedoch missbraucht gegen Whistleblower wie Daniel Ellsberg und Edward Snowden. Ellsberg hat 1971 die Pentagon-Papiere über den Vietnamkrieg an Medien weitergegeben, Snowden 2013 Dokumente zu Überwachungen durch den NSA.

Nach Winners Festnahme hatten Enthüllungsjournalisten Kritik an „The Intercept“ geäußert. Die Redaktion sei nicht sorgsam genug vorgegangen. Der Geheimdienstexperte und frühere „Washington Post“-Journalist Barton Gellman sprach von „katastrophalem Versagen beim Quellenschutz“. Die „The Intercept“-Chefredakteurin Betsy Reed bedauerte, dass ihre Publikation eigene Schutzstandards nicht beachtet habe. Ein Vertreter von „The Intercept“ soll einer Quelle mit Kontakten zum NSA eine Kopie des geleakten Papiers zum Verifizieren vorgelegt haben. Ein FBI-Dokument zur Begründung einer Hausdurchsuchung bei Winner beschreibt, wie die Analyse der Kopie zu Winner geführt hat.

Von epd/RND