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Medien & TV Studieren mit Social Media: Macht Twitter dumm?
Nachrichten Medien & TV Studieren mit Social Media: Macht Twitter dumm?
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14:16 05.06.2019
1500 Studenten wurden für die Studie untersucht, diejenigen die mit Twitter lernten, schnitten deutlich schlechter ab.
1500 Studenten wurden für die Studie untersucht, diejenigen die mit Twitter lernten, schnitten deutlich schlechter ab. Quelle: imago images / PhotoAlto
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Hannover/Mailand

Erst vor kurzem ergab eine Studie, dass YouTube ein Leitmedium für Kinder und Jugendliche in Deutschland ist und über 70 Prozent der Schüler, nach Erklär-Videos mit Unterrichtsinhalten schauen. Soziale Medien sind also mittlerweile in Schulen und Universitäten fest etabliert, doch wie lernt es sich mit YouTube und Co.? Laut neuer Studie nicht sonderlich gut, das eigene Wissen würde sogar untergraben. Ein italienisches Forscherteam der Abteilung für Wirtschaft und Finanzen der Katholischen Universität vom Heiligen Herzen in Mailand untersuchte, wie sich das Netzwerk Twitter auf den Literaturunterricht auswirkt.

Um die Lese- und Verständnisfähigkeit der Studenten zu testen, wurden 1500 Studenten, die im Schuljahr 2016/17 italienische Gymnasien besuchten, in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe analysierte mit Hilfe von Twitter den Roman „The Lata Mattia“ des italienischen Nobelpreisträgers Luigi Pirandello, die andere Gruppe mit herkömmlichen Lernmethoden. Nach Abschluss der Unterrichtsstunde stand ein Test an, bei dem Verständnis und Auswendiglernen im Fokus standen.

Twitter-Gruppe schnitt deutlich schlechter ab

Die Auswertungen zeigten, dass die Twitter-Gruppe deutlich schlechter abschnitt, die Leistung nahm um 25 bis 40 Prozent gegenüber der anderen Gruppe ab. „Wir stellen fest, dass sich die Verwendung von Twitter zum Unterrichten von Literatur insgesamt negativ auf die durchschnittliche Leistung der Schüler auswirkt“, heißt es in der Studie.

Bei sonst leistungsstarken Studenten war der Rückgang am stärksten. Auffällig waren auch die schlechten Ergebnisse bei Frauen und Studenten, die in Italien geboren wurden. Für die schlechten Ergebnisse wurde die potenzielle Ablenkung und damit ein verringertes Fokussieren auf den Text ausgemacht. Vielmehr würden die Studenten den Text nur überfliegen und bei Unklarheiten online nach Lösungen suchen, statt sich selbst mit der jeweiligen Frage zu beschäftigen.

Immer häufiger Literaturunterricht mit Twitter

In Italien gibt es seit einiger Zeit die „TwLetteratura“ (TwL). Diese Unterrichtsform, die sich auf Literatur bezieht, wird derzeit von 250 Schulen durchgeführt. Die TwL wählt ein Buch aus, erstellt einen Hashtag und einen Leseplan, den die Schulen übernehmen. Die Schüler twittern und kommentieren dann ihre Lieblingssätze oder Zitate. Dieser Twitter basierte Unterricht soll die Teilnehme anregen. Die Studie „Let’s tweet again“ sollte erstmals die Auswirkungen der Nutzung von Twitter im Unterricht überprüfen.

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Von RND/ame