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Medien & TV Programm von ARD und ZDF: So viel besser als ein Ruf – man muss es nur finden
Nachrichten Medien & TV Programm von ARD und ZDF: So viel besser als ein Ruf – man muss es nur finden
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19:42 23.06.2019
Lagerfeuer-Fernsehen mit der Familie: Die öffentlich-rechtlichen Sender zeigen durchaus spannendes Programm – der Zuschauer muss aber wissen, wo er suchen kann. Quelle: Getty Images
Berlin

Das Fernsehen ist kein Wunschkonzert. Wenn man das Angebot nicht zeitversetzt via Mediathek wahrnehmen will, muss man sich an die vorgegebenen Programmabläufe halten. Natürlich gibt es auch Alternativen, zum Beispiel einen Streamingdienst wie Netflix, bei dem man rund um die Uhr die Folgen seiner Lieblingsserien abrufen kann. Doch kosten außerdem Netflix, Amazon und Co. Geld – und manchmal ruckelt die Bildübertragung via Internet. Für ARD und ZDF gilt das allerdings natürlich auch: 17,50 Euro pro Monat und Haushalt. Weil der Deutsche eine gewisse Neigung zum Nörgeln hat, wird vermutlich allenfalls noch über das Wetter und die Bahn so oft geschimpft wie über das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Das wiederum ist keine Überraschung, denn die Sender wollen es jedem recht machen und erfüllen deshalb nie alle Wünsche. Praktisch jede Programmform polarisiert: Die einen hätten gern noch mehr Talkshows, die anderen würden am liebsten alle Quasselbuden schließen. Die einen wollen mehr Fußball, die anderen überhaupt keinen. Die einen stöhnen über die Krimischwemme, die anderen befürchten, weniger Krimi hieße womöglich mehr Schnulzen à la „Rosamunde Pilcher“. Serienfreunde fragen sich, warum die ARD nicht öfter so aufwendige Produktionen wie „Babylon Berlin“ hervorbringt und stattdessen jahrein, jahraus „Um Himmels Willen“ und „In aller Freundschaft“ zeigt.

Langweiliges Programm? Nicht bei den Spartensendern

Sämtliche Behauptungen gelten allerdings in erster Linie für die Hauptprogramme, also das Erste und das Zweite. Wer zur besten Sendezeit anspruchsvolle Dokumentationen, Filme oder Serien will, den bedienen ARD und ZDF in ihren Spartenkanälen. 3sat und Arte sind zwar fast allen Zuschauern ein Begriff, aber längst nicht jeder weiß, dass beide zur großen öffentlich-rechtlichen Senderfamilie gehören. Und da gibt es auch so manches Juwel zu entdecken: Beim deutsch-französischen Sender Arte läuft derzeit die Dokumentarreihe „Ohne Grenzen“, die eine Woche lang die eigenen Dokuproduktionen des Senders zeigt. So zum Beispiel am Mittwoch „Zentralflughafen THF“ über den Flughafen Tegel in Berlin, der für 1500 Geflüchtete eine neue Heimat bietet. Der Film feierte bei der Berlinale 2018 Premiere.

Bei ZDFNeo steht der Bezug schon im Namen, und hat innovative Formate wie das „Neo Magazin Royale“ von Jan Böhmermann hervorgebracht oder bietet spannenden europäischen Serien wie „Undercover“einen Platz. Bei One muss man schon ein bisschen mitdenken, um die ARD-Verwandtschaft zu erkennen. Und dann sind da noch die reinen Informations- und Dokumentationskanäle Phoenix, ARD alpha, Tagesschau24 und ZDFinfo. Im Einzelfall lässt sich über das Angebot sicher streiten, weil beispielsweise Adolf Hitler und der Zweite Weltkrieg bei ZDFinfo genauso oft rauf und runter dekliniert werden wie bei n-tv, und selbst Ereignis­sender Phoenix verirrt sich mitunter ins Ausflugsfernsehen.

Bei den Dritten gibt es manchmal doch nur „Tatort“

Wer jedoch das öffentlich-rechtliche Fernsehen pauschal kritisiert und damit in erster Linie die beiden Hauptprogramme meint, ist im Grunde bloß zu faul zum Suchen, wie die Marktanteile der Beiboote belegen: Sie bewegen sich allesamt im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Mehr zum Thema: Quatsch mit Quote? Warum die Zuschauerzahlen wichtig bleiben

Jede Menge Anlass für substanzielle Kritik böten dagegen die Dritten, die ihr Angebot nicht zuletzt aus Sparsamkeitsgründen zu großen Teilen mit ARD-Wiederholungen bestreiten. Im Grunde könnte man die sieben Programme auch zusammenlegen, denn an manchen Tagen besteht die Vielfalt zu bestimmten Uhrzeiten allein darin, dass in verschiedenen Sendern ein jeweils anderer „Tatort“ läuft.

Das Hauptprogramm von ARD und ZDF hat trotzdem gute Einschaltquoten

Die Marktanteile der Dritten werden gern mit ihrem Gesamtwert ausgewiesen, weil sie das meiste Publikum im jeweiligen Sendegebiet erreichen und WDR, NDR oder SWR in absoluten Zahlen natürlich viel mehr Menschen ansprechen als zum Beispiel der Rundfunk Berlin-Brandenburg. In kumulierter Form liegen die dritten Programme regelmäßig ganz vorn. Im Mai zum Beispiel mit 13,1 Prozent noch vor Dauermarktführer ZDF (12,7 Prozent) und dem Ersten (11 Prozent), von den abgeschlagenen Privatsendern ganz zu schweigen.

Das von Kritikern wegen Anspruchs- und Einfallslosigkeit beharrlich geschmähte Angebot scheint also bei vielen Menschen gut anzukommen – zufrieden sind sie natürlich trotzdem nicht. Dennoch lässt sich unterm Strich resümieren: ARD, ZDF und ihre vielen Ableger zeigen mit das beste Fernsehen der Welt. Dafür muss man aber etwas tun und es sich selbst zusammenstellen.

Von Tilmann P. Gangloff/RND

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