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Medien & TV Serie „City on a Hill“: Kevin Bacon wurschtelt sich durch das Boston der Neunziger-Jahre
Nachrichten Medien & TV Serie „City on a Hill“: Kevin Bacon wurschtelt sich durch das Boston der Neunziger-Jahre
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15:40 04.08.2019
Kaffee bitte sehr: FBI-Hartholz Jackie Rohr (Kevin Bacon, links) und Staatsanwalt Decourcy Ward (Aldis Hodge) müssen sich zusammenraufen. Quelle: Foto: Claire Folger/Showtime
Boston

Schwarz-Weiß-Denken mag ein Todfeind jeder freiheitlich gleichen, brüder- und schwesterlich gerechten Gesellschaft sein. An fiktives Entertainment mit sozialkritischem Anspruch allerdings gehört es wie Chili ans Chili. Alles eine Frage der richtigen Dosierung. Zwischen überwürzt und bekömmlich liegt schließlich oft bloß ein mikroskopisch kleines Stück Schote. Bei „City on a Hill“ darf man daher sagen: Die Dosis ist nahezu perfekt, denn in der neuen Showtime-Serie geht es zwar permanent um systematisches Schwarz-Weiß-Denken, aber mit so großer, historisch verbürgter, wunderbar gespielter Wahrhaftigkeit, dass der brennende Schmerz im Magen meist erträglich bleibt. Trotz allem.

Den Handlungsrahmen bildet nämlich die Ostküste der frühen Neunziger. Kurz bevor Bill Clinton liberalen Wind durch die USA bläst, ist die konservative Ordnungspolitik seiner zwei Vorgänger krachend gescheitert. „Reagonomics“ und „Bushianism“ hatten das Land drastischer in schwarz und weiß, arm und reich, oben und unten geteilt als alle Nachkriegspräsidenten vor ihnen. Auch Boston ist seinerzeit eine Stadt, in der – so das Setting – Fäulnis und Verbrechen im Gleichschritt mit Ungleichheit und Überfluss gedeihen. Während die (weiße) Oberschicht an Macht, Geld, Einfluss gewinnt, steigt am (schwarz besiedelten) Rand der Metropole die Todesrate krimineller Gangmitglieder auf Rekordniveau.

Ungleiches Ermittlerquartett wühlt sich durchs städtische Gestrüpp aus Kriminalität und Korruption

An dieser Abbruchkante soll der ehrgeizige Staatsanwalt Decourcy Ward (Aldis Hodge) mit dem abgebrühten FBI-Fossil Jackie Rohr (Kevin Bacon) brutale Geldtransporter-Überfälle aufklären. Was jedoch schon deshalb kompliziert ist, weil ersterer zugleich gegen die Vorbehalte eines rassistischen Kollegiums kämpfen muss. „Oh“, meint Rohr im Angesicht einer Latina im Team zum dunkelhäutigen Ward, „jetzt hast du alle Hautfarben beisammen“.

So wühlt sich ein ungleiches Ermittlerquartett zehn Teile lang mehr gegen- als miteinander durchs städtische Gestrüpp aus Kriminalität und Korruption, in dem so oft das englische Schimpfwort „Fuck“ durch dekliniert wird, dass die deutsche Übersetzung Furchtbares befürchten lässt.

Der abgehalfterte Cop scheint Kevin Bacon auf den Leib geschneidert zu sein

Befremdlicher ist aber die Tatsache, dass Showrunner Joe Fontana nach einer Idee seiner Bostoner Co-Produzenten und Hollywoodstars Ben Affleck und Matt Damon das abgegriffene Gegensatzpaar vom rechtsgläubigen Afroamerikaner im Clinch mit rechtsbeugendem White Trash inszeniert. Und dieses Männerduell wird auch dadurch nicht klischeefreier, dass Frauen dabei vor allem als bildschönes Beiwerk diverser Kerle vorkommen. Die allerdings sind in ihrer virilen Abgründigkeit grandios genug, um ein paar Stereotype dieser Art hinzunehmen. Allen voran Jackie Rohr. Dem nämlich verleiht Kevin Bacon eine Schmierigkeit von so tristem Zynismus, dass man sich kaum satt an ihm sehen kann.

Seit seiner Rolle als sadistischer Knastaufseher im Justizdrama „Sleepers“ vor 23 Jahren, scheint ihm jeder noch so windige Charakter auf den Leib geschneidert zu sein. Wie sich dieser abgehalfterte Cop ketterauchend im Dickicht der eigenen Intriganz verirrt. Wie sein zähnebleckendes Grinsen unterm Oberlippenbart jede Wesensregung in Selbstgerechtigkeit erstickt. Wie er erst mit der Freundin völlig zugekokst Sex hat und der Mutter seiner Tochter danach angewidert Zärtlichkeit verweigert – das ist nicht nur im Kontrast zum tugendhaften Emporkömmling Ward (Aldis Hodge) mit Bilderbuchfrau im Bilderbuchheim sehenswert. Zumal auch der natürlich peu à peu das Recht zu beugen bereit ist, um im Sperrfeuer diverser Vorurteile Gerechtigkeit zu schaffen.

Die Serie steht ganz im Zeichen realer Ereignisse der späten Bush-Jahre

Die Serie steht schließlich ab Montag auf Sky ganz im Zeichen realer Ereignisse der späten Bush-Jahre, als ein bis dahin beispielloses Zusammenspiel aller vier Gewalten zum „Boston-Miracle“ geführt hat. Das sind massiv sinkende Kriminalitätsraten, die zwar oft am Rande des Erlaubten zustande kamen, aber zumindest so lange vorhielten, bis mit der Rückkehr zum Konservativen unter der Regierung von Bush junior der Graben wieder vertieft wurde. Auch deshalb verliert Showtime den epidemischen Rassismus jener Zeit nie vom Radar, ohne am Testosteron klassischen Gangsterfernsehens zu sparen. Ergebnis: eine Krimiserie ganz ohne lästigen Kostümzwang, von der selbst der krimiversessene Standort Deutschland viel lernen kann.

Von Jan Freitag/RND

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