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Medien & TV Nintendo Labo: Toy-Con 03
Nachrichten Medien & TV Nintendo Labo: Toy-Con 03
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15:00 18.10.2018
Achtung, jetzt fährt ein Karton: Das dritte Nintendo Labo ist nur für Kinder geeignet, die auch wirklich lernen wollen, wie sie ein Auto oder Flugzeug steuern, und neugierig sind, was sich unter der Motorhaube verbirgt. Quelle: Foto: Nintendo
Hannover

Wie kaum eine andere Spielefirma steht Nintendo für familienfreundliche Unterhaltung. Aber diese Schachtel voller Pappe müssen Eltern erst einmal verstehen: Auto, Flugzeug und U-Boot sind auf der Packung abgebildet, die Folgendes verheißt: „Nintendo Labo: Toy-Con 03: Fahrzeug-Set“. Auch wenn der Name am Anfang ein wenig in die Irre führt, ist es am Ende doch recht einfach: Die Controller von Nintendos Spielkonsole Switch werden in Pappbausätze eingesteckt. Über Bewegungssensoren und Infrarotkameras können die kleinen Gamepads verstehen, ob gerade ein Lenkrad gedreht oder ein Gaspedal getreten wird. Doch bis es so weit ist, braucht es Geduld und Fingerfertigkeit. Denn im Karton ist kein Fahrzeug, sondern ein Stapel großer, vorgestanzter Pappscheiben, ein paar Gummibänder, Aufkleber, Schnüre und ein Spielmodul für die Switch. Gebastelt werden im neuen Set: ein Gaspedal, ein Autoschlüssel, ein Lenkrad, ein Steuerknüppel und eine zunächst etwas merkwürdig aussehende Steuerkonsole mit Drehschaltern. Auto, Flugzeug und U-Boot, so wie es der Karton verspricht, existieren nur auf dem Bildschirm.

Der Ansatz, den Nintendo hier verfolgt, ist neu. Bisher fühlten sich Labo-Bausätze mehr wie Spielzeuge an, die durch die Konsole nur erweitert werden. Jetzt hat sich der Fokus verlagert. Wer es mit dem neuen Bausatz aufnehmen will, der muss basteltechnisch schon ganz schön etwas draufhaben.

Eine Sechsjährige, großer Fan der ersten Sets, stößt da jedenfalls recht schnell an ihre Grenzen: Die erste Bauaufgabe ist ein Gaspedal. Das muss robust ausfallen angesichts des hohen Beanspruchungsgrades. Über eine Stunde dauert es, die mehrfach verstärkten und ineinander verschränkten Pappteile zusammenzusetzen.

Nintendo Labo: Falzorgie inbegriffen

Dem voraus geht eine regelrechte Falzorgie. Große Pappteile müssen aus den Bögen gelöst und entlang aller Kanten vorgefaltet werden. Es dauert nicht lange, bis sich die junge Mittesterin spannenderen Aufgaben zuwendet. Über weite Strecken sitze ich allein am Tisch und pfriemele die Pappe zusammen. Milde stimmt mich an dieser Stelle, dass die interaktive Anleitung auf dem Bildschirm der Konsole wieder liebevoll betextet, leicht zu nutzen und jederzeit eindeutig ist.

Das Aha-Erlebnis kommt, als endlich das Gummiband in das fast fertige Pedal gespannt wird. Plötzlich will doch wieder die ganze Familie mitmachen. Denn Nintendo hat sich das perfekte Spiel für ein Pedal ohne Lenkrad ausgedacht: eine Art Carrera-Rennen. Auf dem Fernseher fahren bis zu vier Autos gegeneinander. Es ist zwar nur ein Pedal da, aber hier zeigt das neue Labo eine besondere Stärke: Auf dem Bildschirm wird nicht nur erklärt, wie das Pedal funktioniert, sondern auch wie sich weitere Pedale im Handumdrehen basteln lassen. Mit einem Buch? Einem Schwamm? Oder einfach den Controller mit einem Gummiband an den Fuß spannen? Diverse Lösungen klappen wunderbar und lassen sich obendrein deutlich schneller realisieren als der mit knapp 60 Euro nicht ganz günstige Nintendo-Bausatz. Vorgefertigte Bauteile müssen bis auf den letzten Knick präzise vorbereitet sein – danach können sich die Spieler, dafür umso freier, überlegen, wie sie ihre Werke umbauen oder Neues schaffen.

Toy-Con 03: Das Lenkrad hat es in sich

Wie sich kurz darauf herausstellt, war das schon recht herausfordernde Gaspedal erst das Warm-up – vor allem das Autolenkrad hat es in sich. Das Bauprozedere erstreckt sich über sieben Bauabschnitte und dauert weitere drei Stunden. Meine kleine Mittesterin gibt entnervt auf, das „Spiel“ indes legt noch eins drauf und kündigt munter an: „Jetzt bauen wir den Motorraum!“ – Nun lehne auch ich dankend ab: Vielleicht doch lieber später.

So viel steht fest: Labo braucht Pausen. Obwohl für Kinder von sechs Jahren an empfohlen, ist es eine echte Herausforderung, wenn Kinder einen ganzen Nachmittag auf ein Bauprojekt verwenden und dann am Ende doch nichts Spielfertiges in der Hand halten. Da sind die Eltern gefragt – sowohl als Mitbastler als auch als Motivatoren. Denn dieses Labo-Set fordert im Gegensatz zu den Vorgängern von Kindern in der Tat viel Geduld, Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen.

Ist der Gerätepark endlich fertig gebastelt, hat das dritte Labo dafür viel mehr zu bieten als die Vorgänger. Denn es geht mit dem Auto, Flugzeug und U-Boot auf eine große Insel. Offene Welten voller kleiner, verteilter Aufgaben sind auf dem Gamingmarkt gerade weitverbreitet. Nintendo inszeniert hier eine bunte und konfliktfreie Version davon und stopft sie mit einfachen Missionen voll; so suchen Kühe etwa ihren Stall, Münzen gilt es aus dem Himmel zu angeln und ständig geht der Sprit aus. Die Steuerung der Fahrzeuge wirkt realistisch und ist damit für Kinder eine echte Herausforderung. So müssen sie zum Tanken etwa mit einem echten Lenkrad ganz nah an die Zapfsäule heranfahren; es soll auch Erwachsene geben, denen das schwerfällt. Bausatz und Spiel sind also komplexer als bisher. Labo Nummer drei ist nur für Kinder geeignet, die auch wirklich lernen wollen, wie sie ein Auto oder ein Flugzeug steuern, die es spannend finden, bei den Bausätzen unter die Motorhaube zu schauen. Und es ist nur für Eltern geeignet, die sich auch mal eine Stunde dazusetzen und mitbasteln wollen. Sonst tut es auch „Mario Kart“.

Von Jan Bojaryn

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