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Medien & TV Tatort heute: Kommissar Murot in der Zeitschleife
Nachrichten Medien & TV Tatort heute: Kommissar Murot in der Zeitschleife
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13:34 17.02.2019
Des einen Wonne, des anderen Lärm: Der Nachbar (Jens Wawrczeck) kann Murots (Ulrich Tukur, links) Kettensägenkrach nicht ab. Quelle: Foto: Bettina Müller/HR
Saarbrücken

Auf eines ist bei der ARD Verlass: Alle ein, zwei Jahre läuft seit 2010 mit Ulrich Tukur ein „Tatort“, der die Zuschauer verstört, verärgert oder eben auch begeistert.

Das Sci-Fi-Thema Zeitschleife hat gerade Konjunktur

Auch Tukurs siebter Fall, den Dietrich Brüggemann („Tatort: Stau“) geschrieben und inszeniert hat, ist wieder ein experimentierfreudiger Kunstfilm, der bestimmt für Diskussionen sorgen wird. Dessen Vorbild, der Bill-Murray-Klassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“, ist allerdings schon 26 Jahre alt. Und ähnlich Murrays Figur ist auch Tukurs Wiesbadener LKA-Beamter Felix Murot in einer Zeitschleife gefangen.

Erstaunlich ist, dass diese Filmidee plötzlich wieder eine kleine Renaissance erlebt. So hat vor gut zwei Jahren Bjarne Mädel als Handelsvertreter Lohmann in der ARD-Produktion „Wer aufgibt, ist tot“ in einer Zeitschleife gesteckt und gerade läuft auf Netflix die Serie „Matrjoschka“, in der die Hauptfigur immer wieder dieselbe Geburtstagsparty feiert, an deren Ende sie stets aufs Neue stirbt. Und dann beginnt alles wieder von vorn – ausgerechnet auf dem Damenklo.

Solch ein Spiel muss man als Zuschauer mögen und auf so etwas muss man bereit sein, sich einzulassen. Dann erlebt man jetzt mit „Murot und das Murmeltier“ einen überraschend unterhaltsamen Fernsehabend mit einem Film, der seinem Hauptdarsteller wahnsinnig viel abfordert. Eine darstellerische Herausforderung, die Tukur mit Bravour bewältigt.

Der Tukur-„Tatort“ hat schon einen Filmkunstpreis eingefahren

Und noch vor seiner Erstausstrahlung ist dieser Krimi, der eigentlich ein Anti-Krimi ist, mit dem Filmkunstpreis beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen ausgezeichnet worden und inzwischen auch für den Fernsehkrimipreis nominiert worden.

Weitere Auszeichnungen werden bestimmt folgen, da Kritiker und Juroren nun mal Produktionen lieben, die den Rahmen des Fernsehüblichen originell sprengen. Los geht die Handlung des Films um genau 7.30 Uhr: Felix Murot wird vom Anruf seiner Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp) geweckt. Eine Bank ist überfallen worden. Die Gangster haben Geiseln genommen und sich im Haus verschanzt.

„Wer überfällt heute noch eine Bank“, murmelt Murot ziemlich gelangweilt. Er steht dann auf, putzt sich die Zähne, zieht sich an, ist genervt von der laut wummernden Musik seines Nachbarn, trifft kurz danach im Hausflur eine Joggerin, auf der Straße eine Mutter mit ihrem Sohn. Unterwegs dann an einer Ampel will ein Punk seine Windschutzscheibe gegen ein paar Cent putzen, und schließlich kommt er bei der Bank an.

Im Verlauf des Krimis wird das Spiel mit der Zeit immer witziger

Das alles ist bisher irgendwie reine Routine, auch der dann folgende Ablauf am Tatort, den Murot schon dutzendmal so ähnlich erlebt hat. Jedenfalls betritt er irgendwann die Bank, um mit den Geiselnehmern zu verhandeln. Doch dann läuft plötzlich irgendetwas schief. Murot wird von einem Gangster erschossen. Und kurz darauf klingelt sein Handy. Es ist wieder 7.30 Uhr, er liegt noch im Bett, seine Assistentin meldet einen Banküberfall. Und die Geschichte wiederholt sich.

Anfangs wirken diese Wiederholungen zwar etwas bemüht, aber im Verlauf des Films wird das Spiel immer witziger – dank kleiner Variationen im Ablauf der insgesamt elf Episoden und des jeweiligen Gemütszustandes des Kommissars. Er verzweifelt nämlich zunehmend an der Situation und sucht einen Ausweg aus der Zeitschleife.

Ob und wie das überhaupt möglich ist, dieses Rätsel versucht er schließlich durch seinen detektivischen Spürsinn zu lösen. Genau an diesem Punkt wird dieser ungewöhnliche Film dann fast zu einem gewöhnlichen Krimi – aber nur fast.

Auch die Fernsehzuschauer stecken in einer Schleife

Was der Film gleichzeitig mehr als deutlich macht, ist, dass wir Fernsehkonsumenten gleichsam auch in einer Schleife stecken – verursacht durch ein Überangebot von TV-Krimis, die bis in die Dialoge hinein beinahe stets nach dem gleichen Muster ablaufen. Vieles wiederholt sich sogar und ganz selten geschieht wirklich Überraschendes.

Und selbst das vermeintlich spontane Lästern über den „Tatort“ auf Twitter, Facebook und Co. verläuft längst routiniert und absehbar. Als Ausweg aus dieser Zeitschleife bleibt uns eigentlich nur der Ausschaltknopf auf der Fernbedienung oder eben ein wunderbarer Film wie „Murot und das Murmeltier“.

Von Ernst Corinth/RND

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