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Medien & TV Tüll Aviv – Das ESC-Tagebuch aus Tel Aviv: Teil drei – Auf einen Kaffee mit Uri Geller
Nachrichten Medien & TV Tüll Aviv – Das ESC-Tagebuch aus Tel Aviv: Teil drei – Auf einen Kaffee mit Uri Geller
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07:30 16.05.2019
Uri Geller lebt seit 2016 wieder in Tel Aviv. Quelle: Imre Grimm
Tel Aviv

Ein Café im alten Jaffa. Die Sonne sticht, draußen steht das Steindenkmal eines sehr dicken Walfisches. Genau hier war es der biblischen Legende nach, wo Jonah gegen Gottes Rat in See stach – und zur Strafe im Walfisch landete. Eine konspirative E-Mail führt mich hierher. „Wir treffen uns bei Farouz“, hatte Uri Geller geschrieben, der bekannteste Mentalmagier der Welt. „Ich zeige dir etwas, das die Welt schockieren wird.“

Nun ja. Das klingt ganz nach Geller. Ein Charismatiker, ein Magier, ein Mann, dessen außergewöhnliches Talent vor allem darin besteht, die Welt von seinem außergewöhnlichen Talent zu überzeugen. Und da kommt er, einen Schlapphut tief im Gesicht, eine Sonnenbrille, federnder Gang. „Hi, I’m Uri Geller“, sagt er. Und beginnt ansatzlos zu erzählen.

Geller kennt sie alle, sie alle kennen Geller

Er spricht keine acht Minuten, da hat er schon den israelischen Geheimdienst Mossad, die CIA, Wim Thoelke, Thomas Gottschalk, George Clooney, Jimmy Page, John Lennon, David Bowie, Michael Jackson, Salvador Dàli und mehrere britische Premierminister erwähnt. Geller kennt sie alle, sie alle kennen oder kannten Geller, er ist ein Virtuose des Namedropping. Damals, als Dáli ihm die Original-Kristallglaskugel von Leonardo Da Vinci schenkte, die auf der Motorhaube seines Cadillacs prangt, neben 2000 Löffeln. Damals, als David Bowie ihm ein Designertelefon präsentierte.

„Gerade hat die CIA einen Bericht über die Tests veröffentlicht, die sie in den Siebzigerjahren mit mir machten. Da steht drin: Was ich tue, ist echt. Punkt.“ In London lebte er zuletzt, erst vor drei Jahren ist er nach 48 Jahren im Ausland zurückgezogen in seine Geburtsstadt, wo er 1946 zur Welt kam. Warum? „Israel ist wie ein kosmischer, magnetischer, spiritueller Pol“, sagt Geller. „Jeder Israeli, der Israel je verlässt, trägt in seinem Herzen den Wunsch, eines Tages zurückzukommen.“ Also verließ er seine 23-Zimmer-Villa in London. Nun wohnt er mit seiner Frau Hanna mitten im alten Jaffa.

Der ESC als Beitrag zum Frieden

Der Eurovision Song Contest sei ein Geschenk für Israel, sagt er. „Es ist ein Beitrag zum Frieden. Es liegt eine Energie in diesem Ereignis, die über die Kraft der Musik hinausgeht.“ Überhaupt Musik: Als er damals Michael Jacksons letztes Album designt habe, habe er gespürt: „Michael glaubte auch an die Friedenswirkung von Musik.“ Mick Jagger genauso. „Den kenne ich auch.“ Und Israel sei sicherer als die meisten Orte der Welt. „Wir sind sehr gut darin, Cyberattacken und reale Attacken abzuwehren.“

Uri Geller und Imre Grimm trafen sich in Tel Aviv. Quelle: Imre Grimm

Er wirbt, er wirbelt, er lobt und preist. Israel, sagt er, sei ein Kraftquell für Erfindungen, für Innovation. Okay, die israelische Mondlandemission neulich ist gescheitert, die Sonde ist auf der Mondoberfläche zerschellt. „Aber wir kriegen das hin!“, sagt er. „In Tel Aviv liegt eine starke Energie in der Luft, ein seltsamer, uralter Buzz.“

Das Besondere an Israel sei unerklärlich

Religion? Vielleicht. „Aber ich respektiere alle Religionen.“ Das Besondere an Israel sei unerklärlich. Damals bei den Tests seiner mentalen Eigenschaften in den USA habe ihm Wernher von Braun, der deutsche Raketeningenieur der Nazis, dieselbe Frage gestellt: Was macht diesen Ort so besonders? „Ich war 27, ich traf als Jude, dessen Familie zum Teil im Holocaust gestorben war, diesen Mann bei der Nasa. Niemand weiß bisher, dass er mir damals auch diese Frage stellte. Dann nahm er seinen Ehering an, sah mir in die Augen und sagte: Wenn ich diesen Ring in meiner Faust halte und es Ihnen gelingt, ihn zu verbiegen, glaube ich an Ihre unerklärlichen Kräfte. Ich legte meine Hand auf seine – und der Ring verbog sich. Und Wernher von Braun war überzeugt.“

Und was war die Antwort auf die Frage? „Ich hatte keine wirkliche Antwort. Ich bezog mich auf die Bibel, auf Moses, auf das Alte Testament. Da kommt die uralte Kraft Israels her.“

Immer wieder biegt er Löffel für Touristen

Geller sitzt an einem keinen Holztisch, er trinkt nur Wasser. Er kennt fast jeden hier, es ist sein Kiez. „Die Israelis waren es, die das Phänomen Uri Geller kreiert haben“, sagt er. „Erst sie, dann die ganze Welt.“ Bis heute rufen deutsche Touristen seine „Catchphrase“, seinen typischen Slogan aus der Pro7-Show „The Next Uri Geller, wenn sie ihn auf der Straße treffen: „Achad, Shtaim, Shalosh!“, was auf Hebräisch schlicht „Eins, zwei, drei“ bedeutet. Immer wieder biegt er Löffel für Touristen, sagt er. Im Café kaufen sie alle paar Monate 250 neue Löffel, weil Stammgast Uri die alten an Besucher verschenkt hat.

Das historische Old Jaffa in Tel Aviv. Quelle: Imre Grimm

Die Löffel, immer wieder die Löffel. Uri Geller hat den verbogenen Löffel zum globalen Symbol für das Unerklärliche gemacht. Fünf Jahre alt war er, als ihn – so sagt er – im Garten eine Art Blitzschlag traf und er beim Mittagessen danach seinen ersten Löffel verbog. Ohne Kraft, ohne Gewalt. Aus Versehen. Sagt er. Das klingt absurd. Aber er habe auch unter Laborbedingungen gezeigt, was er könne, sagt er. Beobachtet von Hochleistungskameras des US-Geheimdienste. Sie hätten keinen Beweis für Manipulation gefunden. Und es macht halt auch verflixt Spaß, ihm zu glauben. Bis zum Beweis des Gegenteils ist Uri Geller der Mann, der, mit mentaler Kraft Löffel verbiegen kann.

Verblüfft mit mentalen Fähigkeiten

Das war aber auch ein gefundenes Fressen für die Weltpresse in den Sechzigerjahren: Da kommt ein junger Israeli, Sohn einer Österreicherin namens Freud und eines Ungarn, aus dem Land, in dem einst Jesus Christus wandelte, und verblüfft mit mentalen Fähigkeiten, die sich der Physik entziehen. Er wird TV-Star. Und tatsächlich ein globales Phänomen. In den Achtzigern verliert er die Kontrolle, leidet an Ruhmsucht, Angstzuständen und Bulimie. John Lennon und Yoko Ono schicken ihn nach Indien. Er lernt Meditieren. Er findet seinen Frieden.

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Und was ist es nun, was „die Welt schockieren wird“? Es ist – Tusch! - ein Löffel. Zehn Tonnen schwer, der größte Löffel der Welt. Geller wird ihn am Sonntag vor seinem neuen „Uri Geller Museum“ platzieren, das im Frühjahr 2020 eröffnet wird, gleich gegenüber dem Café, in einem 1000 Jahre alten Gewölbe in Jaffas Altstadt. Ein Blickfang, ein Fotospot. Gerade haben sie bei der Renovierung eine uralte muslimische Olivenöl-Seifensiederei entdeckt. „Ich stand auf dem Fußboden und sagte zu meinem Schwager: Ich glaube, ich spüre etwas da unten“, sagt Geller. Man grub. Und so ist das, wenn man im Heiligen Land gräbt: überall Geschichte. „Hier kommt das Café hin“, sagt er. „Hier hat übrigens Napoleon damals die Mauer des alten Jaffa durchbrochen.“

Er half bei den Abrüstungsverhandlungen zwischen USA und Russland

Das Museum wird Artefakte aus seinem Leben zeigen: den Cadillac, die Kristallkugel, die Shows, das Leben. Aber es ist nicht Uri Geller, den er feiern will. Es ist Israel. „Es ist mein Land, ich habe dafür gekämpft.“ Die große Narbe an seinem linken Arm stammt von einer Verletzung als Fallschirmjäger im Sechstagekrieg 1967.

2016 kehrte Uri Geller in seine Geburtsstadt Tel Aviv zurück. Quelle: Imre Grimm

Hat er Hoffnung, was den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern angeht? „Ja“, sagt er schlicht. „Es wird Frieden geben.“ In 15 bis 20 Jahren, „vielleicht auch eher“. Mit zwei Staaten? „Darüber möchte ich lieber nicht sprechen.“ Stattdessen erzählt er, wie er damals in den Abrüstungsverhandlungen zwischen USA und Russland half. Wie die schweizerische Bundespräsidentin einst lobte, der Weg zur Versöhnung zwischen Israel und Palästina sei „gepflastert mit verbogenen Löffeln“. Wie er Donald Trumps Wahlsieg bei Facebook hervorgesagt hat. Wie Theresa May ihn zu Hause besuchte, drei Jahre vor ihrem Amtsantritt. „Ich habe ihr Winston Churchills Löffel auf meinem Cadillac gezeigt und gesagt: Eines Tages werden Sie Premierministerin sein. Sie hat gelacht.“

Nächstes Projekt: Die Bundeslade finden

Napoleon, Abrüstung, Trump. Sein nächstes Projekt: Er will die Bundeslade suchen. „Die existiert. Ich glaube fest, dass ich sie finden kann.“ Er sagt solche Sachen ganz ernsthaft. Er glaubt das wirklich. „Es sind die Zweifler, die den Mythos um mich geschaffen haben. Oscar Wilde hat mal gesagt: Nur eines ist schlimmer, als wenn jemand über dich spricht: Wenn niemand über dich spricht.“ Übrigens habe ihn die „New York Times“ gerade erwähnt, in einem Stück über Trump, ob ich das gelesen habe? Nein, leider. „Trump biege Menschen wie Uri Geller, stand da.“

Oscar Wilde. Napoleon. Da Vinci. John Lennon. Churchill. Michael Jackson. Er hat das drauf. Er spult die Großen der Geschichte herunter wie Ralph Siegel seine Platzierungen beim Eurovision Song Contest. Man möchte ihm gern glauben. Das ist das eigentlich erstaunlichste Talent des Uri Geller: genau das zu tun und zu sagen, was die Menschen sehen, hören und glauben wollen. Man kann zum Multimillionär werden mit diesem Talent. „Alles Gute“, sagt er zum Schluss. Natürlich hat er einen Löffel verbogen und signiert. Er kann nicht anders.

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