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Medien & TV “Veep“ und mehr DVD-Tipps
Nachrichten Medien & TV “Veep“ und mehr DVD-Tipps
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19:51 26.05.2017
Quelle: Fotolia
Hannover


The Frankenstein Chronicles, Staffel 1: Es bedurfte nur einer Staffel von “Game of Thrones“, um Sean Bean, den unglücklichen Boromir aus Peter JacksonsHerr der Ringe“-Verfilmungen zu einem Comeback zu verhelfen. Als Fürst Eddard Stark von Winterfell fiel er dann seiner Aufrichtigkeit und Tugendhaftigkeit an einem moralisch verkommenen Königshof zum Opfer. Jetzt kehrt Bean mit einer präviktorianischen Geschichte vom Mensch als Lebensschöpfer und der erschaffenen, ungeliebten Kreatur zurück.

Die Serie “The Frankenstein Chronicles“ erzählt vom Polizisten John Marlott (Bean), dem im London des Jahres 1827 ein aus Leichenteilen von acht Kindern zusammengenähtes Mädchen ans Themseufer gespült wird. Marlott kommt Londoner Leichenräubern auf die Spur, die Tote von Galgen und aus Gräbern holen, um sie den Totenaufschneidern in den Krankenhäusern bringen, und so ihre knappen Kassen aufzubessern. Die Räuber sind in Aufruhr, in Sorge um ihr Geschäft, da die Politik beabsichtigt, den Chirurgen die Toten aus den Armenhäusern umsonst zur Verfügung zu stellen. Und ein Monster geht um, so raunt man in den Gassen der Stadt, eine “Bestie mit dem Menschengesicht“. Marlott stößt auf eine Mauer des Schweigens und auf Mary Wollstonecraft Shelley, die Autorin des Romans “Frankenstein oder Der moderne Prometheus“, die in den unseligen Vorgängen Auswirkungen ihres Buchs sieht.

Die Serienmacher Benjamin Ross und Barry Langford führen die düstere Welt der frühen industriellen Revolution eindrucksvoll vor Augen, alte und neue Zeit stoßen hart aufeinander und neben Shelleys Story wird auch Robert Louis Stevensons Erzählung “Der Leichenräuber“ eingewoben. Bean ist gewohnt souverän und –so viel Spoilerei sei erlaubt – überlebt die erste Staffel. Hat er sich redlich verdient.

The Frankenstein Chronicles, Staffel 1 Quelle: WVG Medien

Veep, Staffel 5: Außenpolitische Problemstellungen aus US-Sicht: „Das Leben gibt dir Jemen. Also mach Jemenade draus!“, so sieht das Selina Meyer, die Veep (alias Vizepräsidentin) war, in Staffel 4 unter Beibehaltung des Seriennamens unverhofft ins höchste Amt nachrücken musste/durfte und nun während einer atemberaubenden Präsidentenwahl unbedingt gewählt werden will.

Die Herrschenden im Washington dieser Serie sind boshaft, wenn sie unter sich sind, sie sind voller Geringschätzung allen gegenüber, selbst den engsten Angehörigen. Nur wenn sie offiziell werden, wenn die Kameras laufen, das Volk vor dem Fernseher sitzt, werden sie gute Menschen, platzen sie vor Würde und drohen, auf dem triefenden Pathos ihrer geschwollenen Reden auszurutschen.

“Veep“ lässt einen auch bei der fünften Staffel noch gnickern und schaudern zugleich, lässt einen unermüdlich glauben, man habe es immer gewusst, wie Politiker ticken. Julia Louis-Dreyfus spielt ihre Rolle ruchlos, und wird das wohl auch in der nächsten Season tun, wenn sie Ex-Präsidentin ist. Serien wie “Veep“ sind in ihrer Gemeinheit höchst ergötzlich, vertiefen freilich unter Umständen die Aversion der Geführten gegenüber den Führern und Führungswilligen und lassen Neulinge im Politgeschäft als authentisch wirken, auch wenn sie –wie der aktuelle Potus - konfusen Klartext direkt in die Mikrofone sprechen oder in die Welt twittern.

Veep, Staffel 5 Quelle: Warner

Ripper Street, Staffel 4: Zu Königin Victorias späten Zeiten entfaltet sich ein muslimisches Selbstbewusstsein in London. Die Einwanderer aus den Kolonien begegnen einem weißen Rassismus, der zum einen aus purem Hass allem Fremden gegenüber, zum anderen aus Angst vor billiger Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, Aushebelung der Gewerkschaften und Angst vor Lohnminderung gespeist wird. Ein toter junger Inder wird 1897 im Hafen angespült, eine junge Frau stürzt sich von der Hafenmauer in den Tod und Inspektor Drake (Jerome Flynn) könnte jetzt gut die helfende Hand seines Freundes und Ex-Vorgesetzten Reid (Matthew Macfadyen) gebrauchen, der dann auch just aus privaten Gründen nach London und zu Scotland Yard zurückkehrt- jetzt als Untergebener Drakes.

Die vierte Staffel der Serie “Ripper Street“ thrillt so sauber wie die drei vorherigen, beginnt mit einem(unschuldig) gehängten Juden und entdeckt die Anfänge des heutigen von Misstrauen geprägten Verhältnisses zwischen Muslimen und Christen begründet in Demütigung, Unterdrückung, Ausgrenzung und Intoleranz. Die modernen Zeiten kündigen sich auch sonst an mit Bluttransfusionen, Fußball als Unterhaltungssport und einem neuen Antisemitismus, der in London Gestalt annimmt in einem Menschenbeißer, den der Volksmund White Chapel Golem nennt.

Die tolle Ausstattung schafft herrliches Zeitkolorit, man kann die alte Mutter Themse förmlich riechen. Erstklassig wird diese Serie aber weiterhin durch das Spannungsfeld, das die Charaktere erzeugen. Schade, dass alles so grottenfinster endet, schade, dass man mit einem hundsgemeinen Cliffhanger vertröstet wird, und noch einmal schade, dass die nächste Staffel wohl unwiderruflich die letzte sein wird.

Ripper Street, Staffel 4 Quelle: Polyband

The Missing, Staffel 1: Sie wollen den Mann so schnell es geht wieder aus Chalons Du Bois heraushaben. Tony (James Nesbitt – “Babylon“, “Der Hobbitt“) stolpert angetrunken über den Marktplatz und reibt den Leuten ein Foto unter die Nase. Ein Junge mit einem gelben Schal ist darauf zu sehen, in den das Monogramm von Tonys vor acht Jahren hier verschwundenen Sohn Oliver eingestickt ist. Aber die damals so hilfsbereiten Einwohner wollen nichts mehr mit neuen Spuren in diesem alten Fall zu tun haben, am Ende blieben nach dem unerklärten Verschwinden des fünfjährigen Olly und diversen Rückkehren der Hughes-Eltern nur schlechte Schlagzeilen, der Ruch der Kindesentführungsstadt. Nur der im Ruhestand imkernde Ermittler von damals, Julien Baptiste (Tcheky Karyo), lässt sich von dem neuen Indiz zu Nachforschungen bewegen.

Ungemein spannungsreich gestaltet Regisseur Tom Shankland sowohl die Gegenwart als auch die Rückblenden zum Tag der Entführung. Und ab Tonys und Juliens fürchterlicher Entdeckung am Ende der ersten Episode hält dieser leise, langsame britische Thriller mit seiner vorzüglichen Schauspielern und seiner suggestiven Musik den Zuschauer bis zur bösen Auflösung in seinem Sessel als wär der ein Schraubstock.

The Missing Quelle: Edel

Zimmer 108 – Serie: In “Zimmer 108“ ist die junge Kato Hoeven gestorben. Ihr Geist braucht eine Weile um zu begreifen, dass sie selbst das blutüberströmte tote Mädchen da in der Badewanne ist. Was am Abend zuvor passiert ist, weiß sie nicht – da war Schützenfest, nicht zum ersten Mal hatte sie viel zu viel Alkohol intus. Bewegend ist die Szene, in der sie ihre verzweifelte Mutter umarmt, die nichts von ihrer Präsenz sieht, hört oder spürt. Kato will das Geheimnis ihrer Ermordung lüften, den Mörder finden, die ganze Wahrheit. Fünf Menschen, unter ihnen ihr Vater, eine Freundin und ihre Stiefschwester haben den sechsten Sinn, können sie wahrnehmen und alle fünf scheinen irgendwie mit ihrem Ableben zu tun gehabt zu haben.

Kato deckt Dinge auf, findet hinter den Türen und Vorhängen eine Welt voller Geheimnisse und Gewalt. Bis zum völlig überraschenden Ende ist diese düstere belgische Serie ein Juwel, Stoff für die Fans langsam sich entfaltender Thriller, trotz der abstrus wirkenden Prämisse der spukenden Toten niemals auch nur in Nähe des Lächerlichen und weit vom Horrorgenre entfernt. Lynn Van Royen ist als Kato eine der Schauspielentdeckungen des Jahres.

Zimmer 108 Quelle: Universum

Sully: Clint Eastwood, der am 31. Mai 87 Jahre alt wird, erzählt in seinem bislang letzten Film (derzeit bereitet er das Antiterror-Drama “The 15:17 to Paris“ vor) die Geschichte von Chesley Sullenberger, des Piloten, der am 15. Januar 2009 seinen mit 155 Personen besetzten Airbus A 320 in den eiskalten Wassern des Hudson River landete, ohne dass jemand ums Leben kam. Nach der Begegnung mit einem Schwarm von Wildgänsen waren beide Triebwerke des US Airways-Flug 1549 ausgefallen und „Sully“ beschloss – statt zum New Yorker Flughafen LaGuardia zurückzukehren – eine Notwasserung auf dem gut befahrenen Fluss zu wagen.

Das Drama dieser Minuten samt der binnen kürzester Zeit erfolgten Rettung der unterkühlten Passagiere durch heranfahrende Fähren zeigt Eastwood in der Mitte seines Films. Hauptthema des empörten Regisseurs Eastwood sind aber die Versuche der Luftfahrtgesellschaft, dem Versicherungsschaden zu entgehen und die Schuld dem Piloten zuzuweisen, der die eingeschränkte Verfügbarkeit des linken Triebwerkes nicht erkannt haben soll und mit weit geringeren Schaden eine zugewiesene Landebahn hätte anfliegen können. Was man ihm mit Flugsimulationen nachzuweisen versucht.

Mit Tom Hanks hat Eastwood den integersten Schauspieler seit den Tagen von James Stewart im Cockpit seines Films. Sein Sully ist der Durchschnittsmann als Held, der sich seiner beruflichen Vernichtung erfolgreich widersetzt. Nicht Eastwoods bester Film, aber doch ein sehenswertes Plädoyer gegen Falschheit und für Zivilcourage. Aaron Eckhardt trägt hier freilich einen wirklich unvorteilhaften Schnauzbart.

Sully Quelle: Warner

Vice Principals, Staffel 1: Wer Vize ist, will auch irgendwann richtig Boss sein – außer vielleicht Prince Charles. Dass sich der alte Prinzipal (Bill Murray) von der Highschool-Leitung zurückzieht, um seine krebskranke Frau zu pflegen, begreift der Stellvertreter Neal Gamby als seine Chance aufzusteigen. Leider schläft seine Konkurrenz nicht, sein Kollege und Erzfeind Lee Russell versteht sich weit besser auf Verstellung und kann bei Bedarf falschen Charme zuhauf ausschütten. Die “Vice Principals“ rücken zusammen, als ihr Traum platzt und ihnen eine neue Schuldirektorin vor die Nase gesetzt wird.

Gemeinsam ekelt es sich besser raus, dabei schlagen die beiden düpierten Deppen in ihrem Kampf gegen Dr. Brown gern nach Kräften über die Stränge. So verwüsten sie gleich mal das Haus der neuen Vorgesetzten und fackeln es hinterher auch noch ab. Danny McBride erinnert als Gamby, der Mann der nicht hinterm Berg hält mit seinen oft unkorrekten Meinungen optisch an Gino Cervi, den Peppone aus den “Don Camillo“-Filmen. Walton Goggins als psychopathischer Russell in seinen bunten Clownshosen ist ein Abbild von Jim Carrey in beinahe allen Jim-Carrey-Filmen.

Vice Principals, Staffel 1 Quelle: Warner

The Void: Ein altes Haus im Wald, eine Hinrichtung. Zwei Männer erschießen eine junge Frau und verbrennen die Tote. Ein Mann kann fliehen, wird von einem Streifenpolizisten in ein Krankenhaus gebracht. In dessen Fluren setzt in dieser Nacht ein Ungeheuer sein blutiges Werk in Gang, während das Hospital von seltsamen Kuttenträgern umstellt wird, die alle Fluchtversuche vereiteln.

Jeremy Gillespie und Steven Kostanski sind ganz offenkundig Fans von John Carpenter, dem König der (blutigen) Horrorfilmer der späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre. Ihr Film “The Void“ über einen irren Kult,einen durchgeknallten, um seine Tochter trauernden Mediziner, greuliche Kreaturen und ein paar Leute, die hoffnungslos in der Falle sitzen, hat viel von “Halloween 2“. Die Monster mit der wilden Morphe erinnern an Carpenters Remake vom “Ding aus einer anderen Welt“. Und die mäßige Begabtheit in der Kunst, eine schlüssige Geschichte zu erzählen, hat der Streifen mit allen späteren Werken des Regisseurs aus Carthage/New York gemein.

Das Personal ist reduziert auf Kampf und Überleben, mehr als Skizzen von Figuren, die mit nicht allzu begabten Schauspielern besetzt wurden, werden nicht gereicht. Abstrus, verschwafelt, mit einer anachronistischen Tricktechnik ausgestattet, vermag “The Void“ nur abgebrühte Gore-Fans zu erfreuen, die Trash lieben und die altmodischer Schminke und Latex den Vorzug vor CGI-Effekten geben.

The Void Quelle: Ascot Elite

Von Matthias Halbig

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