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Medien & TV Wolfgang Stumph: „Ich will mitmachen und nicht mit mir machen lassen“
Nachrichten Medien & TV Wolfgang Stumph: „Ich will mitmachen und nicht mit mir machen lassen“
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17:00 21.12.2018
Müssen ihre Beziehung neu definieren: Stubbe (Wolfgang Stumph, l.) und Marlene (Heike Trinker, r.) in „Stubbe – Tod auf der Insel“. Quelle: ZDF/Nicolas Maack
Hannover

Es fängt mit Loriot an, und es hört mit Loriot auf. Ein Hotel in Hannover. 12 Uhr. Mittagessen. Die Tische im Restaurant sind noch leer, aber eingedeckt. Die Kellner noch unaufgeregt, aber aufmerksam. Wolfgang Stumph kämmt sich noch schnell die Haare. Die Karte wird gereicht, das Gespräch beginnt – Anreise, Zugverbindung, Wetter –, der Kellner kommt, unterbricht und fragt nach den Getränken. Die Karte wird gelesen, das Gespräch fortgeführt – Interviewinstruktion, nichts Privates, nur Arbeit –, der Kellner kommt zurück, unterbricht und nimmt die Bestellung auf. Das Gespräch geht weiter – aktueller Film, Weihnachten, Bratkartoffeln –, der Kellner kommt, unterbricht und tauscht das Besteck aus. „Ich fühle mich wie in einem Sketch von Loriot“, sagt Stumph prompt und schmunzelt.

Das Absurde in Alltagssituationen, die Komik und Tragik des Kleinbürgers sichtbar machen, das macht auch Wolfgang Stumph in seinen Rollen gern, etwa in seiner Paraderolle als TV-Kriminalist Wilfried Stubbe. Nicht so wie Loriot – aber immer mit derselben Perfektion und Detailversessenheit.

Stumph: „Beziehungsdrama mit Leiche“

So beendet Stumph die Rente seiner Paraderolle Wilfried Stubbe mit „Tod auf der Insel“ (22. Dezember, 20.15 Uhr, ZDF) nicht in der Tradition klassischer TV-Krimi-Erzählstruktur, erspart damit sich und dem Zuschauer den Mord am Anfang und steigt dafür dennoch gleich ein – „in die Menschengeschichte“, in Stubbes Herz-OP, seine Auszeit auf der Nordseeinsel Amrum, seine Beziehung zu der jüngeren Kollegin Marlene (Heike Trinker), die im Ruhestand neu definiert werden muss. Der Mord – eine Frau wird am Strand erschossen – spielt nur eine Nebenrolle in dem „Beziehungsdrama mit Leiche“, eine Fluchtmöglichkeit für Stubbe vor seinen Problemen.

In der Preview hat Stumph das Stubbe-Spezial anhand der Zuschauerreaktionen seziert und analysiert. Wie jeden seiner Filme. Wenn eine Szene, ein Ablauf nicht so ankommt wie gedacht, dann setzt er beim Sender durch, dass sie geändert wird. „Die Zusammenarbeit mit mir ist nicht leicht, aber man hat sich an mich gewöhnt“, sagt Stumph im Gespräch und erklärt seinen viel zitierten Stumphsinn sogleich: „Ich spiele die Hauptrolle, ich habe die Verantwortung gegenüber den Zuschauern, ich stehe mit meiner Moral für den Film, und ich will mitmachen und nicht mit mir machen lassen.“

Sich erklären, das mag er eigentlich nicht. Er tut es dennoch. Es ist ihm egal, ob man seinen Namen richtig schreibt. Es ist ihm aber wichtig, dass man weiß, was er denkt und wofür er steht. Die loriotsche Akribie bei Arbeit und Außendarstellung rührt dabei nicht nur von seiner Kabarettzeit, in der er seine Haltung zu aktuellen Problemen auf der Bühne direkt einer Öffentlichkeit preisgegeben und sich so umso mehr für seine Worte verantwortlich gefühlt habe. Prägend war auch sein Leben vor der Karriere. 1946 in Wünschelburg, heute Radków in Polen, geboren. Alleinstehende Mutter. Als Baby im Flüchtlingswagen. Rüber in die Sowjetzone. Das erste Mal in Sachsen etwas gesehen, gehört und gesprochen. Schlüsselkind geblieben. Keine Geschwister, kein Vater. Wie das Leben funktioniert, musste er selbst herausfinden. „Ich musste schon in der Milch ganz schön strampeln, dass daraus Quark wird.“

Wie ein Durchlauferhitzer zu Hause durchgerannt

Das Essen kommt. Ochsenschwanzsuppe mit akkurat drapiertem Gebäck daneben. Wieder so ein Loriot-Moment. Immerhin: Nudeln standen an diesem Tag nicht auf der Karte. Stumph greift das Bratkartoffelthema wieder auf, das der Kellner unterbrochen hatte. Seine Grenze zwischen Arbeit und Privatem hat er selbst längst überschritten. Er mache die besten Bratkartoffeln in der Familie, erzählt Stumph. Das habe sich in seinem „Unruhestand“ herausgestellt. Wo die Küche war, das wusste er zwar auch schon vorher, aber in den letzten 40 Jahren sei er doch eher wie ein Durchlauferhitzer zu Hause durchgerannt – zu viel Arbeit. Jetzt, mit 72 Jahren, lernt Stumph, „Nein“ zu sagen. „Ich arbeite nun weniger, aber kreativer.“

Das Analytische bleibt. In seinem aktuellen Bühnenprogramm „Höchstpersönlich“ führt er ein öffentliches Selbstgespräch. Warum denke ich so, wie ich denke? Warum bin ich so, wie ich bin? Wo komme ich her, und warum bin ich hier?

Fragen, die sich auch Stubbe auf Amrum stellen könnte. Regisseur Oliver Schmitz liefert dazu die passenden Stimmungsbilder: einsamer Strand, verlassene Dünenlandschaft, Essen ohne Gesellschaft. Bei Stubbe bleibt der Ausgang der Auszeit allerdings offen. Den Mörder macht er zwar dingfest, seine Freundin aber lässt er ziehen. Erst mal. „Ich bin ein Rückfalltäter“, sagt Stumph. Und: „Wenn mich ein Thema mitreißt, kann ich nicht loslassen.“ 2019 steht aber nun erst mal sein vierter Dokumentarfilm „GrenzenLos“ auf dem Unruhestandsplan. Dafür sucht er bereits Menschen, die sich auf Fotos vom 9. November wiedererkennen. „Ich will wissen, wie sie den Mauerfall erlebt haben und wie sie heute leben.“ Im Januar soll ein erstes Treffen stattfinden. Dann wird Stumph wieder analysieren, sezieren und perfektionieren. „Ein bisschen Loriot begleitet mich immer“, sagt er und zeigt beim Verlassen des Restaurants auf eine Tafel an der Wand. „Porträt eines Jahrhunderts“ steht darauf – und gleich darunter lugt auch schon die berühmte Knollennase aus der Unterschriftensammlung.

Von Amina Linke / RND

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