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Medien „Der Name der Rose“: Sky lässt in der Neuverfilmung einen Sherlock mit Kutte die Verbrechen aufklären
Nachrichten Medien „Der Name der Rose“: Sky lässt in der Neuverfilmung einen Sherlock mit Kutte die Verbrechen aufklären
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09:31 24.05.2019
Ein Killer streift durchs Kloster: Adson von Melk (Damian Hardung, links) und William von Baskerville (John Turturro, Mitte) untersuchen den Körper von Adelmo. Quelle: Foto: Sky
Rom

Ein Buch, geschrieben aus Mordlust: „Ich hatte den Drang, einen Mönch zu vergiften …“ gab der Semiotiker und frisch gebackene Schriftsteller Umberto Eco 1982 über sein literarisches Debüt „Der Name der Rose“ zu Protokoll. Und er schuf den bis heute bekanntesten aller Mittelalterromane, einen feinst komponierten Thriller über die Ungeduld der Menschen und die Geduld des Papiers, über des Menschen Drang, zu wissen und über die Unterdrückung dieses Wissens.

Unbescheiden begann Ecos Buch wie die Bibel – mit dem Satz „Im Anfang war das Wort“. 1986 gab es auch das bewegte Bild dazu, einen Film von Jean-Jacques Annaud mit Sean Connery als detektivischem Mönch William von Baskerville. Den spielt im neuen TV-Remake John Turturro – was kein schlechtes Zeichen ist, zuletzt fesselte der Amerikaner in der Gerichtsserie„The Night Of“ zu sehen.

Der Name der Rose – ein Krieger streift das Kettenhemd ab

Es geht ins Europa der Zwanzigerjahre des 14. Jahrhunderts. Der römisch-deutsche König Ludwig propagiert die Trennung von Politik und Religion, der Papst hat ihn 1324 exkommuniziert. Mit der daraus zwangsläufig resultierenden Schlacht beginnen die acht Folgen der italienischen Serie von Giacomo Battiato (von der nur die ersten beiden vorab zur Sichtung bereitgestellt wurden).

„Es gibt keine gerechten Kriege. Man kann die Welt nicht durchs Töten ändern“, ist nach dem Gemetzel die Erkenntnis des blutjungen Kriegers Adson von Melk, der das Kettenhemd abstreift und die Kutte überzieht. Ein Pazifist in einer Welt des Schwerts.

Der Franziskaner William von Baskerville, ein Unterhändler, unterwegs in politischer Mission, spricht zu den Ärmsten, umarmt die Unreinen. Von seiner Güte und Menschenliebe fühlt sich Adson („Club der Roten Bänder“-Star Damian Hardung) angezogen wie einst die Jünger von Jesus.

Der Name der Rose – die Serie nimmt sich Zeit für ihr Zeitalter

Dann läuft alles wie gehabt: William und Adson treffen in einem italienischen Benediktinerkloster ein, in dem sich ein merkwürdiger Todesfall ereignet hat. Adelmo, ein Illustrator, ist zu Tode gestürzt. „Bitte helft mir, seinen Mörder zu finden“, fleht der Abt die Besucher an. William nimmt die Ermittlungen auf.

Und er tut das mit aller gebotenen Deduktionsbrillanz (die Namen Baskerville und Adson – statt Watson – nehmen nicht von ungefähr Bezug auf Sherlock Holmes). Noch ein Toter wird gefunden. Ein Gottesdiener geht offenbar mit der Sense um in den trutzigen Mauern

Der Blick wird geweitet. Die Serie hat naturgemäß mehr Zeit für ein gesamtes Zeitalter als der Film. Die Figur des bei Annaud zum fanatischen Ketzerhetzer simplifizierten Dominikaners Bernard Gui (Rupert Everett) etwa bekommt deutlich mehr Raum.

Der Name der Rose – den Ansprüchen heutiger Serienfans wird genügt

Der Inquisitor Gui soll hier – historisch ebenso unbewiesen wie seine Neigung zu Hexenverbrennungen – den papstkritischen Franziskanerorden im Auftrag von Johannes XXII. auslöschen. Die Romanze zwischen Adson und der schönen Streunerin, der namenlosen „Rose“ des Buchtitels (Nina Fotaras) erhält ebenfalls mehr Raum.

Battiato weiß, wie eine Serie aussehen muss, um den cineastischen Ansprüchen heutiger Serienfans zu genügen. Die Bilder des 26-Millionen-Euro-Projekts sind groß, farbentsaugt, die Architektur ist überwältigend, das Licht leuchtend. Anders als Annaud, der die Schwärze der Mauern noch verdunkelte, die Mönche als Horrorkabinett überzeichnete, fährt der italienische Regisseur das Groteske zurück und vertraut auf die Kraft von Ecos Buch.

Das Mittelalter per se ist nicht so viel finsterer als unsere Gegenwart. Zu der Battiato im Niederknüppeln einer Flüchtlingsgruppe durch Soldaten einen direkten Bezug herstellt. Der wirkt allerdings wie ein Wink mit dem Zaunpfahl: Seid nächstenlieb!

Der Name der Rose – Man kann Ecos Mordlust nachvollziehen

„Ihr mögt zwar hineinkommen, aber nie wieder hinaus“, warnt der Abt vor dem Labyrinth der Bibliothek, das William schon immer sehen wollte, das ihm zu betreten verweigert wird. Er wird sich in den kommenden Folgen Zutritt verschaffen, und dann wird sich im Kloster die Schöpfungsgeschichte im Kleinen umkehren. In sieben Tagen wird hier aus falsch verstandener Loyalität eine unermessliche Welt vernichtet werden, eine Welt aus Papier und Tinte. Danach kann man Ecos Mordlust nachvollziehen.

Von Matthias Halbig/RND

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