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Medien Werbestopper.de gibt Nutzerdaten weiter
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22:51 31.10.2016
Oliver Kahn wirbt für die Kampagne „Werbestopper“. Doch nun droht Ärger – nicht nur mit Wettbewerbszentrale. Quelle: Werbestopper.de
Berlin

Auf den ersten Blick wirkt alles einleuchtend. Wer unter werbestopper.de seinen Namen mitsamt Wohnanschrift und E-Mail-Adresse eingibt, hilft Papier zu sparen, schont damit Energieressourcen und schützt die Umwelt, er verhindert, dass der Briefkasten mit unerwünschter Werbung zugemüllt wird – und obendrein unterstützt er auf diese Weise ein Aufforstungsprojekt der WWF. Für jeden registrierten Nutzer verspricht die Umweltorganisation, in den Regenwaldgebieten Virungas und Boliviens einen Baum zu pflanzen. Eine rundherum gute Sache also. Oder etwa nicht?

Kampagne wird von privatwirtschaftliches Unternehmen betrieben

Hinter Werbestopper steht die Gesellschaft zur Durchsetzung von Verbraucherinteressen (GDVI). Der sperrige Name täuscht. Es handelt sich um ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Bisher bietet es unter flugrecht.de Hilfe an, um bei verspäteten oder ausgefallenen Flügen Entschädigungen zu erhalten.

GDVI plant aber mehr, für die unterschiedlichsten Lebensbereiche. Noch führen die Links von „EasyAnwalt“, „BilligerKredit“ oder „Kitaanspruch24“ allerdings ins Leere. Anders bei Werbestopper. Seit Mitte September wirbt Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn für das Angebot. Die Kampagne kostet einen siebenstelligen Betrag. Inzwischen haben sich mehr als 20.000 Menschen unter werbestopper.de registriert. Von herkömmlichen Aufklebern mit „Werbung, nein danke“ auf dem Briefkasten unterscheidet sich Werbestopper, weil die Nutzer auf Wunsch gezielt angeben können, von welchen Unternehmen sie weiterhin Werbung erhalten wollen, in Papierform oder lieber digital.

Ob das alles mit rechten Dingen zugeht, bezweifeln Verlage und werbungtreibende Unternehmen ebenso wie Verbraucherschützer und die Wettbewerbszentrale: Sie berufen sich auf Rechtsgutachten und haben Anwälte mobilisiert. Werbestopper behindert ihre Geschäfte. Unternehmen wollen möglichst ungehindert werben dürfen, und Verlage leben auch von der Zustellung von Prospekten für Dritte. Würden sie Zustellern zumuten, anhand von Listen zu prüfen, wem sie welches oder gar kein Prospekt in den Briefkasten werfen dürfen, wäre das sehr aufwendig. Aber GDVI hat für diesen Fall schon vorgesorgt.

Nutzerdaten werden an Schweizer Firma weitergegeben

Was keiner weiß, der die Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht studiert: Der Nutzer willigt mit seiner Registrierung ein, dass GDVI seine Daten „an die Reachsome AG weitergibt“. Die Reachsome AG sitzt in der Schweiz, einem Nicht-EU-Land. Ihrem Verwaltungsrat gehört Christian Geltenpoth an. Geltenpoth ist Geschäftsführer der GDVI.

Der 46-Jährige verdiente einst Millionen damit, Computerzeitschriften Programmdisketten beizulegen. 1989 gründete er den Computec-Verlag, ging damit an die Börse, scheiterte aber mit Expansionsplänen in den USA. Vor zehn Jahren gründete er das Luxusmagazin „Rich“, das er dank seiner Adressdatei Vermögenden direkt nach Hause liefern wollte. Das Projekt endete in der Insolvenz.

Nun baut der einstige New-Economy-Star ein Portal auf, das sich angeblich dem Verbraucherschutz verschreibt. Worin das Geschäftsmodell besteht? Geltenpoth sagt: „Sofern der Nutzer dies will und die Firmen ihre digitale Werbung über uns ausliefern möchten, generieren wir Umsätze mit Digitalwerbung.“ Die Weitergabe der Daten an die Reachsome AG „dient dem Zweck, sie in eine App einzubinden“, dank der die Zusteller beim Austragen der Prospekte „Warnungen vor Werbeverboten erhalten“. Tatsächlich verschickt Reachsome bereits entsprechende Angebote und verweist auf eine Lizenzvereinbarung mit GDVI.

Abgemahnt:

Die Wettbewerbszentrale teilte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland mit, GDVI inzwischen abgemahnt zu haben. Der eine Grund sei, dass dem Nutzer ein wenig aussichtsreiches Versprechen gegeben wird. Der andere Grund betreffe den Umgang mit dem Datenschutz, da vom Nutzer sehr weitreichende Einwilligungen abverlangt würden. Am 3. November läuft die Frist ab. Bis dahin hat die GDVI Zeit, die Unterlassungserklärung zu unterzeichnen.

Von RND/Ulrike Simon

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