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Panorama Abschiebung während der Geburt: Polizei holt Vater aus Krankenhaus
Nachrichten Panorama Abschiebung während der Geburt: Polizei holt Vater aus Krankenhaus
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14:56 15.04.2019
Ein Asylbewerber wurde in Thüringen in einem Krankenhaus festgenommen, um abgeschoben zu werden. Quelle: picture alliance/dpa/ Symbolbild
Saalfeld

Er wollte seiner Frau bei der Geburt ihres gemeinsamen Kindes beistehen, als plötzlich acht uniformierte Polizeibeamte in der Geburtsstation auftauchten und den werdenden Vater abführten, um ihn abzuschieben, wie die „Thüringer Allgemeine“ berichtet. Vom Flughafen Frankfurt sollte der Mann, der von der Elfenbeinküste stammt, nach Italien abgeschoben werden. Mitten in der Nacht. Während seine Frau mit Wehen im Krankenhaus liegt.

„Dass so etwas in Thüringen möglich ist, schockiert mich. Den Behörden war bekannt, dass das junge, traditionell verheiratete Paar ein gemeinsames Baby erwartet und es lag sogar eine vorgeburtliche Vaterschaftsanerkennung vor“, erklärt Gertraud Jermutus von der Caritas Sozialberatung in Saalfeld gegenüber der Internetseite „Migazin“.

Hebammen verhindern nächtliche Abschiebung

Nach Angaben des Flüchtlingsrates sei es allein dem Einsatz der Hebammen zu verdanken, dass die Abschiebung verhindert werden konnte. Der Mann konnte ins Krankenhaus zurückkehren.

„Dass in diesem Fall der Termin der Abschiebung auf den konkreten Termin der Niederkunft der Frau fiel, war nicht abzusehen. Die Mitarbeiter der Ausländerbehörde stehen bei Abschiebungen und Überstellungen unter erheblichem Druck,“ heißt es in einer Stellungnahme der zuständigen Ausländerbehörde gegenüber der „Thüringer Allgemeinen“. Ein Wort des Bedauerns finde sich in der Stellungnahme nicht.

Bereits der zweite Versuch einer Abschiebung aus einem Krankenhaus

Es ist bereits der zweite Versuch in diesem Jahr, einen Asylbewerber direkt aus einem Krankenhaus abschieben zu lassen. Im Mai sollte eine Nigerianerin, die wegen einer Risikoschwangerschaft in Arnstadt im Krankenhaus lag, abgeschoben werden. Ein Arzt konnte dies verhindern, so die „Thüringer Allgemeine“.

Für die frisch gebackenen Eltern soll die Abschiebung inzwischen ausgesetzt worden sein, für ihr Kind sei ein Asylantrag gestellt worden.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde gegenüber einer früheren Fassung geändert. Darin hatte es geheißen, dass die Abschiebung aus dem Kreißsaal erfolgt war. Dies ist nicht zutreffend.

Von RND/mat