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Panorama Augen auf beim Essen
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19:59 19.01.2018
Delikatesse oder doch eher so appetitlich wie der Ötzi? Ganze Fische sorgen oft für geteilte Meinungen. Quelle: E+
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Hannover

Ich mag es grundsätzlich nicht, wenn an meinem Essen noch der Kopf dran ist. Wie bei Doraden. Schlimm. “Hach, ich hatte gestern eine schöne Dorade“, juchzte jüngst ein Kollege, ganz besoffen von Omega-3-Fettsäure. Er irrte. Eine gebratene Dorade ist nicht schön. Eine gebratene Dorade sieht aus wie der Ötzi.

Die guckt einen an mit diesen milchigen Augen, als wollte sie sagen: “Wirklich? Du ziehst mir jetzt gleich die Haut ab und prokelst in meinen gegarten Innereien herum wie das FBI in den Kassenbüchern von Donald Trump?“ Und sie hat ja recht, die Dorade. Mir ist das auch zu intim. So genau will ich mein Essen gar nicht kennenlernen, schon gar nicht von innen.

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Sechs Jahre ohne

Ich will keine persönliche Beziehung zu irgendwas, was auf meinem Teller liegt (Frage: Warum sterben Spanferkel eigentlich immer mit einem Apfel im Mund?). Die Dorade heißt auf Deutsch übrigens Goldbrasse. Sie hat ein goldenes Band auf der Stirn und einen goldenen Fleck auf jeder Wange. Die machen sich noch hübsch für den Heldentod in der Pfanne.

Es gibt aber auch fleischlose Todsünden. Zum Beispiel diesen in jeder Hinsicht fertigen Obstsalat im Supermarkt: Zwei Stückchen Ananas und zwei welke Weintrauben für 8,90 Euro. Und das schwimmt alles in altem Saft, der aussieht wie das, was man riecht, wenn man noch schnell ein Messer in die Spülmaschine tut. Und immer dieser Stolz von Vegetariern. “Ich habe seit sechs Jahren kein Fleisch gegessen!“ Na und? Ich habe seit sechs Jahren keinen Fenchel gegessen – und renn ich rum und erzähl’s jedem?

Das Prinzip Gesichtswurst

Natürlich finde ich es im Prinzip auch blöd, dass man Tiere töten muss, um sie zu essen. Mir wär’s auch lieber, nur Schweine zu essen, die vom Baum gefallen sind. Es ist mir bekannt, dass auch Fischstäbchen mal ein Gesicht hatten. Ich verstehe auch das Konzept von Gesichtswurst nicht.

Wir sollten alle mehr Körner essen, die ein peruanischer Unterholzschamane in Tüten gefüllt und für 18 Euro pro Kilo an Berliner Hipster verkauft hat. Schönes Wochenende!

Von Imre Grimm

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