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Panorama Brettsport ist im Kommen
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19:56 25.11.2016
Von Uwe Janssen
Es ist wieder Schach-WM, die Zeit, in der man Menschen bei der konzentrierten Regungslosigkeit zuschauen kann und trotzdem halbwegs intellektuell wirkt. Doch Schach ist stiltechnisch noch gar nichts gegen andere Brettsportarten. Quelle: Ruocaled / CC BY 2.0
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Endlich wieder Schach-WM! Man hatte schon fast das Gefühl, es wird langweilig in der weltweiten Brettspielszene. Doch dann hockten sie wieder da, Carlsen und Karjakin, Weltmeister und Herausforderer. Dieses Action-Hocken, das nur Menschen beherrschen, die in Wettkampfsituationen ihre körperliche Energie ausschließlich in Hirn und Hintern kanalisieren können und den Rest von sich für die Dauer der Partie stilllegen.

Was waren das für Momente, als bereits im fünften Spiel Carlsen die italienische Variante wählte und ambitioniert über den Damenflügel attackierte! Und wer behauptet, zwischen zwei Zügen sei beim Schach nichts los, dem fehlt schlicht Inspiration. Man kann eine oder zehn rauchen gehen, den Rasen mähen oder die Garage endlich fertig bauen. Ach, es ist was los in der Brettsportwelt. Ob beim Surfen oder beim Schach.

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Vollprofis in Wiesloch

Kürzlich war auch Mensch-ärgere-Dich-nicht-WM im baden-württembergischen Wiesloch. Auch da: Vollprofis, in gewisser Hinsicht. Die deutsche Mannschaft konnte nicht geschlossen antreten, weil einer der Spieler sich am Vorabend des Turniers zu sehr mit dem Hauptsponsor Gaudibräu identifiziert hatte.

Wiesloch, das Leistungszentrum des Weltmenschärgeredichnichts, kürt jedes Jahr die Deutschen Meister, in der vergangenen Dekade waren es unter anderem die Teams "Die Doofen", "Briggehossler Dance Company" und "Altersabteilung Feuerwehr Baiertal". Eine beachtliche Entwicklung, wenn man bedenkt, dass Erfinder Josef Friedrich Schmidt das Spiel 1907 entwickelt hat, um seine Kinder ruhigzustellen.

Bauernomelett und Springer Urvater

Auch Schach ist ein Sport, um Leute ruhigzustellen. Gaudibräu ist bei der Schach-WM zwar nicht Hauptsponsor, aber die Sportart ist ja noch jung, man kann noch viel in Wiesloch lernen. Ohnehin bastelt Schach an der Medienwirksamkeit.

Zwei Twentysomethings spielen die WM 2016, der Norweger ist mit Schach groß geworden, mit Bauernomelett, König Pilsener und Springer Urvater, der Russe war mit zwölf Jahren internationaler Großmeister, verschwendete seine Jugend und zog danach mit seiner Freundin von c3 nach e5. Der Brett Pitt der Schachwelt. Wer braucht da noch Bradley Cooper oder Justin Bieber?

Und weiter geht's: Nach "Bravo Girl" und "Bravo Sport" ist "Bravo Schach" in Arbeit. Mit Riesenposter, Dr. Sommers intimen Tipps für Probleme mit dem eigenen Turm sowie Drogenthemen wie "Matt nach drei Zügen". Klar ist: Schach ist auf dem Vormarsch. Vornehmlich über den Damenflügel.

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