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Panorama Brütende Vögel lebendig eingemauert – Küken tot, Polizei ermittelt
Nachrichten Panorama Brütende Vögel lebendig eingemauert – Küken tot, Polizei ermittelt
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08:44 04.06.2019
Ein verzweifelter Vogel neben seinem verschlossenen Nistplatz. Quelle: Nabu Leipzig
Leipzig

Aus Sicht von Karsten Peterlein handelt es sich eindeutig um Tierquälerei. Der Vogelschutzexperte des Leipziger Naturschutzbundes (Nabu) war vergangene Woche selbst mit vor Ort, als sich im Stadtteil Grünau dramatische Szenen abspielten. „Eine Anwohnerin hatte uns über den Verschluss von Nisthöhlen informiert.“ Nabu-Mitglieder eilten zu dem riesigen Wohnhaus und konnten beobachten, wie ein Star und ein Haussperling immer wieder versuchten, an die Nistplätze hinter den Verschlüssen zu kommen. Noch am Vormittag sei dort viel gefüttert worden, erzählte eine Nachbarin.

Hausbesitzer ist eine Wohnungsgenossenschaft. Welche, will Peterlein nicht sagen, um einen Shitstorm im Internet zu vermeiden. „Uns ist wichtig, dass bei den Eigentümern ein Umdenken einsetzt.“ In diesem Fall erklärte schließlich ein Hausmeisterservice, dass ein schnelles Eingreifen nicht möglich sei. Daraufhin alarmierte der Nabu Polizei und Feuerwehr. Von einer Hubbühne aus wurden acht verschlossene Löcher entdeckt und nacheinander geöffnet. Da die Verschlüsse aus Leitungsdämmpolstern und einer „klebrigen Substanz“ bestanden, deren Einsatz rechtswidrig sei, vermuteten die Fachleute eine vorsätzliche Tötung der Tiere.

Star und Spatz lebendig eingesperrt

Vier der acht Löcher waren leer. Im fünften befand sich ein frisch gebautes Nest. Im sechsten ein Gelege jenes Stars, der zuvor versucht hatte, dort hineinzukommen: Er kann nun weiterbrüten. Im siebten Loch war ein Star eingemauert worden – und zwar so, dass er an sein Nest mit vier Küken in derselben Höhle nicht mehr herankam. Keines der Küken hat überlebt, berichtete Peterlein. „In der achten Höhle waren ein brütender Spatz und sein Gelege aus drei Eiern eingemauert.“ Zudem habe sich ein streng geschützter Grünspecht beim Picken an den neuen Verschlüssen seinen Schnabel verklebt.

Wie der Nabu mitteilte, sei bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeigen wegen Verstößen gegen das Bundesnaturschutzgesetz und Tierschutzgesetz eingereicht. „Es kann sein, dass die Verantwortlichen Nistplätze übersehen und aus Unkenntnis handeln“, sagte Peterlein. „Dennoch ist es in der Brutsaison rechtswidrig und Quälerei gegenüber den Tieren.“

Von Jens Rometsch/RND

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