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Panorama Campingplatz-Missbrauch: Datenspürhund „Artus“ erschnüffelt USB-Stick
Nachrichten Panorama Campingplatz-Missbrauch: Datenspürhund „Artus“ erschnüffelt USB-Stick
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15:23 28.02.2019
Der belgische Schäferhund Artus kann auch Handys erschnüffeln, wie hier in der Justizvollzugsanstalt Dresden. Quelle: Matthias Hiekel/dpa-Zentralbild
Lügde

Dieser Sonderermittler auf vier Pfoten ist etwas ganz Besonderes: Als erster und einziger Datenspürhund ist der belgische Schäferhund Artus in Deutschland für Polizei und Justiz im Einsatz. Seinen jüngsten Erfolg verzeichnete der speziell ausgebildete Hund am Mittwoch auf dem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde.

Im Zuge der Ermittlungen zu den zahlreichen Missbrauchsfällen erschnüffelte der achtjährige Rüde einen USB-Stick mit Beweismaterial. Der Datenträger war in einer Sesselritze in dem Verschlag des Hauptverdächtigen Andreas V. verborgen. Neben dem Stick wurden in der vermüllten Behausung weitere Speichermedien gefunden, teilten Polizei Bielefeld und die Staatsanwaltschaft Detmold mit.

Hunde reagieren viel sensibler auf Gerüche

Der belgische Schäferhund ist eine Leihgabe der Justiz Sachsen. Artus wurde in der JVA Zeithain ein Jahr lang speziell ausgebildet, um Datenträger und elektrische Geräte zu erschnüffeln. Er wurde auf Bestandteile wie Lithium in Akkus, Plastik und Goldlegierungen in Speichermedien trainiert. Die Ausbildung unterscheidet sich im Grunde nicht von der für Drogen- und Sprengstoffhunde. In der Justizvollzugsanstalt Dresden wird Artus etwa eingesetzt, um versteckte Handys zu finden.

Wie funktioniert der Spürsinn der Hunde?

Wenn wir etwas riechen, dann docken Geruchsmoleküle aus der Luft an den Riechrezeptoren in unserer Nase an. Das erzeugt ein Signal, das unser Gehirn zu einem Geruch macht. Wir denken dann zum Beispiel: „Mmh, Erdbeeren.“ Doch im Vergleich zu uns Menschen riechen Hunde sehr viel besser. „Das liegt daran, dass sie eine größere sensorische Fläche haben“, erklärt Peter-Michael Kaul von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Hunde haben beispielsweise hundertmal mehr Rezeptoren als Menschen. Deshalb sind sie gegenüber Gerüchen viel empfindlicher – und können Gerüche auch viel besser unterscheiden.

Wie erfolgt die Ausbildung der Spürhunde?

Um einen Hund zu trainieren, nutzt man seinen Spieltrieb. Ähnlich wie wenn man ihm das Kommando „Sitz“ beibringt, wird ein Erfolg dann zum Beispiel mit einem Leckerli belohnt. Mit der Zeit können die Aufgaben schwieriger werden. „Wenn man will, dass der Hund ganz spezifische Substanzen erkennen soll, ist sehr viel Training notwendig“, sagt Kaul.

Für Spürhunde gibt es klassische und bekannte Einsatzgebiete wie die Jagd, die Drogen- oder Sprengstoffsuche. Dabei werden die Tiere zu Experten. Sie sind auf bestimmte Substanzen trainiert und wissen zum Beispiel ganz genau, wie der Sprengstoff TNT riecht. Der Geruch ist fest in ihnen verankert, hat sich quasi eingebrannt.

Hunde können auch Schädlinge erschnüffeln

Ein anderes bekanntes Einsatzgebiet ist die Suche nach Menschen. Für das sogenannte Mantrailing muss der Hund anders ausgebildet werden. Denn um einen Menschen zu finden, der sich vielleicht verlaufen hat oder auch versteckt, müssen die Hunde kurzfristig eine ganz spezifische Spur aufnehmen können.

Lügde: Der Diensthundeführer Jörg Siebert steht mit seinem Belgischen Schäferhund Artus, der auf Datenträger spezialisiert ist, an der abgesperrten Parzelle des mutmaßlichen Täters auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde. Quelle: Guido Kirchner/dpa

Anschließend können sie den Geruch aber auch wieder vergessen. „Man weiß bisher nicht genau, was der Hund in so einem Fall eigentlich riecht“, sagt Kaul. Welche spezifischen Komponenten den Geruch eines Menschen unverwechselbar machen, ist noch nicht ganz erforscht. Man weiß, dass ein Hund verschiedene Menschen auseinander halten kann – aber nicht warum.

Doch das Aufgabenprofil der Spürhunde ist noch vielfältiger. Kaul und seine Kollegen lassen zum Beispiel die Larven des asiatischen Laubholzbockkäfers von Spürhunden erschnüffeln. Die invasive Art wurde aus Asien eingeschleppt und schädigt Bäume. Andere Forscher prüfen gerade, ob sich Hunde auch für die Früherkennung von Krebs eignen. Erste Hinweise, die zeigen, dass das zum Beispiel bei Blasenkrebs funktionieren könnte, gibt es schon.

Artus geht 2020 in Rente

Diensthunde können in der Regel sechs bis sieben Jahre eingesetzt werden. Für „Artus“ bedeutet das, dass er sich wohl 2020 zur Ruhe setzen wird. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin soll dann seinen Job übernehmen, heißt es aus dem Justizministerium.

Von RND/as/mkr

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