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Panorama Chef-Architekt warnt: Notre-Dame könnte noch einstürzen
Nachrichten Panorama Chef-Architekt warnt: Notre-Dame könnte noch einstürzen
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12:47 04.06.2019
Ein Kran steht neben der Pariser Kathedrale Notre-Dame. Quelle: Marcel Kusch/dpa
Paris

Der Abend des 15. April 2019 wird allen Liebhabern von Paris in Erinnerung bleiben. Jener Abend, an dem die Kathedrale Notre-Dame in Flammen stand, ihr Spitzturm schließlich in die Tiefe stürzte und gebangt wurde, ob das Kirchenhaus dem Feuer standhalten würde. Noch suchen die Ermittler nach der Ursache der Katastrophe und gehen dabei weiterhin von einem Unfall aus. Hätte der Brand oder zumindest die Ausbreitung der Flammen aber verhindert werden können? In der Zeitung „Le Monde“ benannten nun ehemalige und aktuelle Angestellte der Firma Elytis, die seit 2014 mit der Überwachung der Kathedrale beauftragt ist, klare Mängel im System, die meisten von ihnen anonym.

Aufhorchen lassen auch Aussagen des Chef-Architekt für historische Bauwerke in Frankreich, Philippe Villeneuve. Der sagte der Zeitung „Le Figaro“: „Heute kann man nicht absolut garantieren, dass das Baudenkmal stehenbleibt.“ Bisher habe man Glück gehabt, weil das Gebäude stabil sei. „Aber das Gewölbe könnte nächste Woche genausogut einstürzen.“

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Notre-Dame: Mitarbeiter wiesen angeblich auf fehlerhafte Brandwarnvorrichtungen hin

Laut dem Bericht von „Le Monde“ hatte einer von ihnen seine Vorgesetzten und die Regionaldirektion für kulturelle Angelegenheiten mehrmals auf eine schlechte Arbeitsorganisation und fehlerhafte Brandwarnvorrichtungen hingewiesen, doch stets dieselbe beschwichtigende Antwort erhalten: „Die Kathedrale steht seit 800 Jahren, sie wird nicht einfach so abbrennen.“

Von den beiden Posten, die 2014 zunächst für das Brandsicherheitssystem vorgesehen waren, wurde bald einer eingespart, sodass sich ein Angestellter die Überwachung mit einem nur minimal ausgebildeten Aufseher teilte. Der Elytis-Mitarbeiter am Computersystem, der am 15. April im Dienst war, hatte diesen bereits um 7.30 Uhr begonnen, doch da keine Ablösung kam, ging seine Schicht bis 23 Uhr. Erst drei Tage hatte er in der Kathedrale gearbeitet und noch nie einen kompletten Rundgang durch das Gebäudes gemacht. Als um 18.18 Uhr ein erster Feueralarm ausbrach mit der Angabe „Dachboden Kirchenschiff/Sakristei“ und einem Zahlencode, warnte er den zuständigen Wachmann, welcher bei einem ersten Check nichts entdeckte. Trotzdem wurden die 600 bis 800 Besucher in der Kathedrale über Lautsprecher dazu aufgefordert, diese zu verlassen.

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Schließlich rief der neue Mitarbeiter seinen Vorgesetzten an, um den Zahlencode zu entschlüsseln. Dieser schickte den Wachmann in den Dachstuhl – wo die Flammen bereits loderten. Um 18.48 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert, von der eine erste Einheit innerhalb von zehn Minuten eintraf. Eine wertvolle halbe Stunde war verloren gegangen.

Notre-Dame: Spenden belaufen sich auf 850 Millionen Euro

Darüber hinaus gaben Ex-Mitarbeiter der Sicherheitsfirma an, ihre Warnungen vor Zigarettenstummeln im Dachstuhl sowie vor dem Herumliegen wärmeerzeugender Materialien seien nie ernst genommen worden. „Anders als behauptet gab es niemanden, der nach Arbeitsende die Baustelle überprüfte“, sagte ein Mann aus.

Die Anschuldigungen wirken umso explosiver, da Zigtausende Menschen nach dem Brand für den Wiederaufbau der Kathedrale gespendet haben. Kultusminister Franck Riester zufolge belaufen sich die Spenden derzeit auf 850 Millionen Euro, wobei zwischen bereits überwiesenem Geld und Versprechen zu unterscheiden sei. Die Regeln zum Bewahren von Kulturerbe und zum Umweltschutz würden beim Wiederaufbau nicht umgangen, versicherte er zudem.

Tatsächlich plant die Regierung ein umstrittenes Gesetz, das dem Staat das Aussetzen verschiedener vorgeschriebener Untersuchungen ermöglicht, um die Arbeiten zu beschleunigen. Präsident Emmanuel Macron hatte unmittelbar nach dem Brand verkündet, Notre-Dame werde innerhalb von nur fünf Jahren „noch schöner als zuvor“ wieder aufgebaut. Die Architektin des mit der Aufgabe betrauten Teams, Charlotte Hubert, ließ durchscheinen, dass die Frist von fünf Jahren das Balkenwerk betreffe, nicht aber den Spitzturm.

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Von Birgit Holzer/RND/dpa

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