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Panorama Deutsches Paar zieht in New York ein Jahr lang jeden Monat um
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21:00 23.06.2019
Christina Horsten und Felix Zeltner sind mit Tochter Emma ein Jahr jeden Monat umgezogen. Quelle: Foto: Louisa Summer
New York

Für die meisten Menschen bedeutet ein Umzug vor allem eines – Stress. Christina Horsten und Felix Zeltner (beide 36) haben sich diesen Stress ein Jahr lang freiwillig angetan. Weil eine Mieterhöhung sie zum Auszug zwang, zogen sie mit ihrer zwei Jahre alten Tochter Emma in New York ein Jahr lang jeden Monat um. Bei ihrer Odyssee durch den Big Apple lernten die abenteuerlustigen Eltern alle New Yorker Bezirke, hunderte interessante Menschen und sich selbst besser kennen.

Als Horsten und Zeltner mit ihrer drei Tage alten Tochter aus dem Krankenhaus kamen, fanden sie im Briefkasten die Kündigung für ihre kleine Wohnung in Manhattan. Ihre Vermieterin mochte keine Babys. In ihrer nächsten Wohnung gab es bald eine Mieterhöhung, die sie sich nicht leisten konnten. „Mit Baby in einer der teuersten Städte der Welt ohne Wohnung – zunächst war es für uns eine Katastrophe. Doch im Nachhinein war die Mieterhöhung für uns ein Geschenk. Ohne sie wären wir wohl nie zu Stadtnomaden geworden“, erinnert Horsten sich.

Paar wohnte in allen fünf New Yorker Bezirken

Denn als die in New York geborene und in Bonn, Berlin und Prag aufgewachsene Journalistin und der Journalist aus Nürnberg sich nicht entscheiden konnten, in welchem New Yorker Bezirk sie nach einer bezahlbaren Wohnung suchen sollten, beschlossen sie: Dann wohnen wir eben in allen. „Uns war zwar gleich klar, dass das eine Schnapsidee war, aber sie ging uns nicht mehr aus dem Kopf“, erzählt Zeltner. Manhattan, Brooklyn, Bronx, Queens, Staten Island – in allen fünf Bezirken wohnte die Familie im darauffolgenden Jahr. 14 Wohnungen in 13 Monaten.

Christina Horsten und Felix Zeltner haben mit Tochter Emma ein Experiment gewagt: Ein Jahr lang sind sie in New York jeden Monat umgezogen. Quelle: Roderick Aichinger

Klingt nach Stress? Ist es auch. „Wenn man ein kleines Kind, zwei Fulltime-Jobs, keine Wohnung, dafür aber überzogene Kreditkarten hat und am 25. eines Monats nicht weiß, wo man am 1. des nächsten Monats schlafen soll, macht einen das fertig“, gibt Zeltner zu. Ehestreit gab es deshalb trotzdem nur selten. „Wir sind ein gutes Team und sind viel zusammen gereist. Wenn man den Everest besteigt, hält man auch auf Gedeih und Verderb zusammen“, so Zeltner.

Umzüge liefen immer besser – Familie trennte sich von vielem

Dass die Umzüge mit der Zeit immer besser liefen, lag auch daran, dass die junge Familie sich von immer mehr trennte. „Am Ende hatten wir jeder nur noch einen Koffer und eine Kiste für Emmas Spielzeug“, sagt Horsten. Über ihre Umzugserfahrungen hat sie mit ihrem Mann jetzt das Buch „Stadtnomaden. Wie wir in New York eine Wohnung suchten und ein neues Leben fanden“ geschrieben.

Und Tochter Emma? Sie war knapp zwei Jahre alt, als der Umzugsmarathon begann. „Was tut ihr dem Kind bloß an?“, mussten die jungen Eltern sich immer wieder fragen lassen. Doch der kleinen Emma schienen die viele Umzüge nichts anzuhaben – im Gegenteil: „Ich glaube, ihr hat es am meisten Spaß gemacht. Für sie war jede Wohnung wie ein neu entdeckter Spielplatz“, sagt ihre Mutter.

New York ist einer der teuersten Mietmärkte der Welt

Und von den amerikanischen Freunden, gab es fast ausschließlich Zuspruch. Das liegt auch daran, dass viele New Yorker selbst ständig on the move sind. Kein Wunder, denn die Stadt am Hudson River ist einer der teuersten und unübersichtlichsten Mietmärkte der Welt. Für ein Ein-Zimmer-Apartment müssen umgerechnet durchschnittlich über 2500 Euro pro Monat gezahlt werden und die meisten Mietverträge sind befristet.

Trotzdem entstehen in der Stadt, in der auch US-Präsident Donald Trump ein Vermögen mit Immobilien machte, immer neue Luxusapartments. Unter dem gnadenlosen Immobilienmarkt leiden vor allem Geringverdiener, die mit ihren Familien in winzigen Wohnungen hausen, stundenlange Pendelei in Kauf nehmen müssen oder sogar Räumungsklagen erhalten. Wie auch in deutschen Großstädten, ist Wohnen in New York längst zur sozialen Frage geworden.

Stadtnomaden sind erneut Eltern geworden – und halbwegs sesshaft

Vor zwei Monaten wurden die Stadtnomaden erneut Eltern und sind mittlerweile in Manhattan halbwegs sesshaft geworden. Gerade haben sie einen Mietvertrag für zwei Jahre unterschrieben. Als Christina Horsten ihre Tochter fragte, wie sie es fände, dass sie in nächster Zeit erst mal nicht mehr umziehen müsse, war Emmas Antwort: „Langweilig!“

Von Philipp Hedemann/RND

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