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Panorama Ein Wort zum Sport
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19:55 06.05.2016
Von Imre Grimm
Das Nichtstun ist eine Kunst, die in hektischen Zeiten gern vernachlässigt wird. Dabei spricht viel dafür, das stilvolle Rumhängen zu zelebrieren. Quelle: Rene Mensen / CC BY 2.0
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Ich bin ein genügsamer Mensch. Von den meisten Dingen brauche ich nicht viel. Ich kann zum Beispiel monatelang auf Rote Bete, Fenchel und Helene-Fischer-Lieder verzichten, ohne mich zu beklagen. Fünf Stunden Schlaf genügen mir vollkommen (nachts brauche ich allerdings mehr).

Auch, was Sport angeht, bin ich außerordentlich bescheiden. Ich verfüge über außergewöhnliche Stagnationsfähigkeiten. Mein Körper und ich haben eine solide, sachorientierte Arbeitsbeziehung: Ich überanstrenge ihn nicht, und er lässt mich dafür mit übertriebenen Aktionismusanfällen in Ruhe.

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Unterschätzte Kulturtechnik

Wir beide wissen, dass Sport sehr gefährlich sein kann (die letzten Worte des Sportlehrers: "Alle Speere zu mir!"). Manchmal klatschen mein Körper und ich uns heimlich im Geiste ab, weil wir es wieder geschafft haben, die Regenerationsphase nach drei Minuten sportähnlicher Betätigung auf eine Woche auszudehnen.

Mir ist es ein Rätsel, warum es für die Kulturtechnik der stilvollen Reglosigkeit noch keine eigene Zeitschrift gibt. Für jeden Mist gibt es Magazine – vom Grillen ("Im Trend: blutige, haarige Steaks") bis zum Modellbau ("Bauen Sie die 'Titanic'! Teil eins jetzt für 9,80 Euro im Zeitschriftenhandel: das erste Glied der Ankerkette"). Warum gibt es noch nicht "Schlafen – Magazin für Tatenlose"? Oder "Dolcefarniente – arbeitsfrei und Spaß dabei"?

Currywurstverbrennung im Sitzen

Natürlich mache ich Sport. Aber nicht zu oft. Es soll ja etwas Besonderes bleiben. Das Problem ist: Bei mir sitzt Fett in Körperecken, da würde Sport gar nicht hinfinden. Ich habe gelesen, dass der Durchschnittsamerikaner höchstens 180 Meter zu Fuß geht, ohne das Auto zu benutzen. Irgendwann wird jemand eine 180 Meter lange Stretchlimousine bauen, und das Problem wäre auch gelöst.

Jedenfalls würde Udo Bölts bei mir nicht weit kommen mit "Quäl dich, du Sau!" – eher mit "Da hinten gibt's Schoki, du Sau!". Wussten Sie, dass eine Stunde ruhiges Sitzen 73 Kalorien verbraucht? Um eine Currywurst mit Pommes zu verbrennen, müssen Sie also nichts weiter tun, als elf Stunden tatenlos herumzusitzen.

Für mich kein Problem. Eine Stunde fernsehen verbraucht sogar 80 Kalorien. Deshalb Schluss für heute. Ich bin mit Kevin Spacey zum Fitness verabredet. Schönes Wochenende!

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Uwe Janssen 06.05.2016
Deutsche Presse-Agentur dpa 06.05.2016
Deutsche Presse-Agentur dpa 06.05.2016