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Panorama Entgegen aller Prognosen: Todkranker Junge überlebt bis zur Geburt seiner Schwester
Nachrichten Panorama Entgegen aller Prognosen: Todkranker Junge überlebt bis zur Geburt seiner Schwester
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21:50 10.01.2019
Ein Junge bekommt eine Infusion im Rahmen einer Chemotherapie (Symbolbild). Quelle: Matthias Balk/dpa
Bristol

Sein letztes Ziel konnte ihm der Krebs nicht nehmen: Entgegen aller Prognosen der Ärzte überlebte der todkranke Bailey Cooper bis zur Geburt seiner Schwester Millie und konnte sie noch kennenlernen. Das letzte Foto des Neunjährigen zeigt ihn stolz grinsend mit der kleinen Millie im Arm – nur wenige Tage vor seinem Tod.

Der Krebs kehrt immer wieder zurück

Bailey kämpfte 15 Monate lang gegen den Krebs. Immer mit einem Lachen im Gesicht, erzählen die Eltern Rachel (28) und Lee (39) gegenüber der „Bristol Post“. Alles begann im Sommer 2016: Nachdem Bailey über Unwohlsein klagte, brachten ihn die Eltern im September ins Krankenhaus.

Die Ärzte vermuteten zunächst eine Virusinfektion und verordneten Antibiotika. Doch Bailey fühlte sich immer schlechter. Schließlich ergab ein Bluttest die schreckliche Diagnose: Ein Non-Hodgkin-Lymphom im vorletzten Stadium. Diese seltene Krebsform verbreitet sich über die Gefäße und Drüsen im Körper.

Die Ärzte begannen sofort mit einer Chemotherapie und zeigten sich hoffnungsvoll – Bailey werde wieder gesund. Im Februar 2017 beendete Bailey die Therapie und es konnte kein Krebs mehr im Körper nachgewiesen werden. Die Familie konnte ihr Leben zu Hause fortführen, der Neunjährige ging sogar wieder zur Schule. Von da an sollten seine Werte aller drei Monate in der Klinik kontrolliert werden.

Bereits nach der ersten Kontrolle folgte der Schock: Der Krebs war zurückgekehrt. Diesmal war die Prognose schlechter, die Ärzte sprachen von einer 70-prozentigen Überlebenschance. Die Chemotherapie begann von vorn. „Die Ärzte sagten uns, auch wenn Bailey das überlebt, wird er sein Leben lang mit Folgeschäden zu kämpfen haben“, erinnert sich Vater Lee.

„Uns bleiben Tage, vielleicht Wochen“

Eine Stammzellentherapie schien die ersehnte Rettung zu sein. Und tatsächlich: Bei Bailey konnten abermals keine Krebszellen mehr nachgewiesen werden. Das war im Juli 2017. „Wir hatten sechs Wochen zu Hause mit ihm in diesem Sommer. Das war großartig“, erzählt seine Mutter Rachel der „Bristol Post“. Doch das Glück währte nicht lange. Im August kehrte der Krebs ein drittes Mal zurück und dieses Mal gab es keine Hoffnung für Bailey. Von da an war die Krankheit nicht mehr aufzuhalten und streute in Baileys Brust, Lungen, Leber und Magen.

„Sie sagten uns, dass uns nicht mehr viel Zeit bleibt – Tage, vielleicht Wochen“, erinnert sich der Vater. Zu diesem Zeitpunkt war Rachel bereits mit ihrem dritten Kind schwanger, doch der Entbindungstermin war erst im November. Die Eltern waren von Beginn an sehr offen mit ihrem Sohn: „Wir erzählten es ihm sofort. Bailey brach zusammen und sagte, er wolle nicht allein gehen.“ Wenige Stunden später lächelte er und sagte: „Lasst uns nach Hause gehen.“

Bailey ließ die Prognose der Ärzte hinter sich und lebte noch drei weitere Monate. Die Zeit nutzte er unter anderem, um seine Beerdigung zu planen: Alle sollen in Superheldenkostümen erscheinen. Doch sein Zustand verschlechterte sich zusehens. Die bevorstehende Geburt seiner Schwester ließ ihn weiterkämpfen. Ende November war es schließlich soweit und die kleine Millie wurde geboren. „Bailey tat alles, was ein großer Bruder eben so macht: Er wickelte sie, badete sie und sang ihr etwas vor“, erzählt Mutter Rachel. Kurz nach der Geburt verschlechterte sich Baileys zustand rasant.

Bailey stirbt an Heiligabend

Die Eltern ahnten, dass Bailey das erste gemeinsame Weihnachtsfest zu fünft nicht mehr erleben würde. Mit seinem sechsjährigen Bruder Riley hatte er ein sehr enges Verhältnis und das merkten die Eltern auch an Baileys Wunschzettel. Diesen sollte er nämlich trotz der schwindenden Hoffnung schreiben. Doch darauf fanden sich nur Wünsche für seinen kleinen Bruder.

Als die Familie ein letztes Mal zu Hause zusammenkommt, bricht Baileys Großmutter in Tränen aus und sagte ihm, sie wünschte, sie könne seinen Platz einnehmen. Dem widersprach der Neunjährige sofort: „Das wäre sehr egoistisch! Du hast noch andere Enkelkinder, um die du dich kümmern musst“.

Zwei Tage vor Weihnachten musste Bailey mit dem Rettungswagen ins Hospiz gebracht werden. Er war nicht mehr ansprechbar. Am Mittag des Heiligen Abends starb Bailey Cooper. „In dem Moment, als wir ihm sagten, er könne jetzt gehen, nahm er seinen letzten Atemzug. Eine Träne rann seine Wange herunter. Es war alles sehr friedlich“, erzählt Rachel. Auch wenn die Familie am Boden zerstört ist, einen letzten Wunsch ihres Sohnes versuchen sie zu befolgen: „Ihr dürft nicht länger als 20 Minuten weinen!“

Von RND/lml

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