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Panorama Es folgt: Die große Depression
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18:00 03.01.2019
Erst feiern, dann Trübsal: Reste des Silvesterfeuerwerks am Rathenauufer in Bonn. Quelle: imago/Ralph Peters
Berlin

Einer aktuellen Studie zufolge schauen die Deutschen so pessimistisch in die Zukunft wie lange nicht mehr. Nur noch 17 Prozent stimmen der Aussage zu: „Dem Jahr 2019 sehe ich mit großer Zuversicht (…) entgegen.“ Man könnte einerseits sagen: Das ist Realitätsverzerrung – die Wirtschaft brummt, es gibt so wenig Arbeitslose wie seit Jahren nicht mehr und die Kriminalität sinkt. Andererseits: Wozu gute Laune, wenn eh alles den Bach runtergeht? Spätestens in fünf Milliarden Jahren ist dieser Planet am Ende – da ist jede Form guter Laune nur ein unreifer Ausbruch kurzfristiger, kindischer Hyperventilation. Optimismus ist für Anfänger und Amerikaner. Profis wissen: Wir sind Wurmfutter in Warteschleife. Fröhlichkeit ist ein Mangel an gründlicher Information. Und Hoffnung der Zement der Enttäuschung!

Daher halten es die Deutschen mit Buddha und seiner Botschaft: „Leben ist Leiden!“ Statt oberflächlicher Mittelmeerheiterkeit pflegen wir eine tief greifende nordische Depression. Der Pfad der Befreiung führt durchs tiefe Tal der Tränen. Sagt ein Mitbürger mies gelaunt: „Mann, ist das Wetter wieder sch...“ – dann verbirgt sich hinter der rauen Maske ein deutscher Zen-Mönch auf dem Highway ins Nirwana. Wahre Könner brauchen keine Zuversicht. Sondern nur gutes Bier. Oder ein, zwei Sekt. Zum Anstoßen. In der grimmigen Gewissheit: Es geht zu Ende. Aber vorher lassen wir die Korken knallen. In diesem Sinne: ein frohes Neues! Ohne Zuversicht. Aber mit Hingabe an die lächerlichen Dinge, die unser Leben ausmachen: Liebe, Freunde, Kooperation – und der vorvorletzte Tanz auf der „Titanic“.

Chin Meyer ist Kabarettist und Autor in Berlin.

Von Chin Meyer

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