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Panorama Es ist Jazz, Baby!
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19:56 12.08.2016
Von Uwe Janssen
Lassen Sie sich von einem fehlenden Musikstudium oder suboptimaler Stimmausbildung nicht abhalten – teilen Sie ihre Liebe zum gesungenen und gesprochenen Wort mit ihrer Umgebung. Eine Ode an das Freisprechen. Quelle: Sergio Enciso / CC BY-SA 2.0
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An gewisse Formen des öffentlichen Zumhorstmachens hat man sich ja schon gewöhnt. Wichtige Menschen, die telefonieren, ohne sich irgendetwas ans Ohr zu halten, und dabei mehr dämlich als wichtig aussehen, beachtet man schon gar nicht mehr.

Die Freisprecher gehören zum Stadtbild, je näher an einer Schlipsträgeranstalt, desto häufiger. Sie haben beim Telefonieren beide Hände frei und können mit ihnen tolle Sachen machen, schnell noch was an der Börse checken, einen Biojoghurt löffeln, egal, irgendwas multitasken halt.

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Profiteure dieser Entwicklung sind Menschen, die wirklich Selbstgespräche führen. Sie sind nun gesellschaftlich integriert, ohne dass sie was dafür können. Sie müssen sich nur ein Kabel ans Ohr hängen, schon passt es.

Improvisation und Hingabe

Die Urheber der öffentlichen Kommunikation mit dem Nichts tangiert das nicht. Menschen, die – überwältigt von der Musik, die auf ihrem Kopfhörer läuft – anfangen mitzusingen, laut, beseelt und im perfekten Duett mit Elton John oder Bruce Springsteen, gibt es länger als Mobiltelefone und Freisprechanlage.

Für Menschen in Hörweite entstehen aus dieser Trance oft interessante, nie gehörte monofone A-cappella-Stücke mit mutigen Variationen in Intonation und Klangfarbe, bei englischen Liedern auch mit neuen, in Fantasiesprachen verfassten Textstellen.

Einfach mal applaudieren

Besonders spannend sind dabei Gesangsdarbietungen zu Songs von Herbert Grönemeyer oder Prince, auch männliche Begleitung zu Liedern von Whitney Houston oder Rihanna können die Aufmerksamkeit ganzer Stadtbahnen mühelos auf sich ziehen. Da wird so mancher Singer/Songwriter neidisch. Und Jazzfreunde oder Anhänger Neuer Musik zücken das Handy oder fragen gleich nach der Telefonnummer.

Ein Tipp für Umstehende: Wenn der Sänger aus seinem Popstar-Traum erwacht – nicht verstohlen weggucken! Er weiß in dem Moment genau, was er getan hat. Auch nicht lachen! Er weiß nicht, dass er gesungen hat wie eine Karre Mist. Das Beste: applaudieren. Das kann man auch ruhig mal beim Freisprecher versuchen!

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