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Panorama Fisch gibt's
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19:56 17.06.2016
Von Imre Grimm
Erfreut sich bei Kindern und Freunden symmetrisch angerichteter Teller ungebrochen großer Beliebtheit: Das gemeine Fischstäbchen.  Quelle: Fotolia
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Mein Leben ist aus den Fugen. Ich habe an einem Dienstag Fisch gegessen. Man isst in diesem Land nicht dienstags Fisch. Man isst freitags Fisch. Da könnte ja jeder kommen. Man mäht ja auch nicht sonntags Rasen oder guckt mittwochs "Tatort".

Die deutsche Woche ist präzise verplant: Montag ist "Spiegel"-Tag (mir egal, ob der sonnabends erscheint, mein Körper verlangt montags danach), dienstags ist Champions League, mittwochs ist Bergfest, donnerstags ist Schlado ("scheißlanger Donnerstag"), freitags gibt's Fisch, sonnabends ist "Sportschau", sonntags ist "Tatort" – der Rest gehört der Familie. Bei Nichteinhaltung droht Staatsbürgerschaftsentzug.

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Pupsfisch mit Panna Knatter

Viele Menschen essen gerne Fisch. Kinder zum Beispiel. Er muss bloß eckig sein und nach nichts schmecken. Es ist mir ein Rätsel, warum die Industrie noch immer umständlich Großfische schockfrostet, in Stäbchen zersägt und paniert, statt gleich fertig präparierte Stäbchenfische ohne Innereien zu züchten, Panade und Verpackung inklusive.

Eigentlich ist es völlig unlogisch, dass Menschen Fisch essen und nicht umgekehrt. Der Seewolf zum Beispiel hat 30 000 Geschmacksknospen, der Mensch nur 7000. Es wäre also viel logischer, wenn der Seewolf Menschen äße. Er hätte einfach mehr davon.

Fische verfügen überhaupt über seltsame Talente. Der Europäische Schlammpeitzger verarbeitet Luft zum Beispiel durch den Darm. Man kennt ihn deshalb auch unter dem Namen "Pupsfisch". Bei schlechtem Wetter darmwindet der Schlammpeitzger, dass es kracht. Ich sehe hier Vermarktungspotenzial als Speisefisch, denn Kinder lieben alles, was flatuliert: "Was gibt's heute?" – "Pupsfisch mit Schwarzfurzeln" – "Und zum Nachtisch?" – "Café au Bläh mit Pana Knatter" – "Lecker!".

Alle an die frische Luft

Und er ist nicht der Einzige. Im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B" war zu lesen, dass das Tonspektrum des Pazifischen Herings beim Flatulieren Frequenzen von 1,7 bis 22 Kilohertz umfasst. Er kann also drei Oktaven pupsen und verhält sich damit zum Europäischen Schlammpeitzger wie Maria Callas zu Madonna.

Die Callas hinwiederum liebte das Kochen und aß ganzwöchig vor allem Fisch und – Kohlrouladen. Damit schließt sich ein Kreis, wenn auch auf äußerst verstörende Weise. Und jetzt alle an die frische Luft. Schönes Wochenende!

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Deutsche Presse-Agentur dpa 17.06.2016
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