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Panorama Flying with Öppe
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19:55 29.04.2016
Von Imre Grimm
Französisch ist sicher eine der schönsten und romantikumwehtesten Sprachen, doch der Sprachanfänger sollte trotzdem einen kühlen Kopf behalten. Quelle: Richard Akerman / CC BY 2.0
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Kürzlich weilte ich ein paar Tage in Frankreich. Eigentlich war ich bloß in Frankreich, aber ich finde, "weilte" klingt schöner, mehr nach flatternden Tischtüchtern in der Provence und lilafarbenen Lavendelfeldern.

Mein Französisch ist etwas eingerostet, also bemühte ich mich bereits auf dem Hinflug, den Grad meiner Weltläufigkeit durch die gehäufte Verwendung landesüblichen Idioms zu erhöhen, und zwar mit größtmöglicher Nonchalance. Durch den Mittelgang näherte sich die Air-France-Stewardess wie ein Wesen aus einem Jaques-Tati-Film in Schwarzweiß und fragte, meiner angesichtig, nach meinem Getränkewunsch.

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Unter Aufbietung meiner gesamten kosmopolitischen Überzeugungskraft warf ich ihr einen Blick zu, den ich für den eines professionellen Reisenden hielt, und bestellte in bestem Französisch Apfelsaft: "Bonjour! Jus de pommes de terre, per favore."

Konsequent romanisch

Danach lehnte ich mich stolz zurück. Das war zwar nicht durchgehend Französisch gewesen, aber immerhin hatte ich mich konsequent im Bereich der romanischen Sprachen aufgehalten. Die Stewardess gab mir ohne mit der getuschten Wimper zu zucken Apfelsaft und zuckelte weiter.

Nur mein Nebenmann sah mich etwas unterzuckert an. Er wirkte wie jemand, der in Flugzeugen wohnt. Ich fühlte mich wie ein Autofahrer, dessen Hintermann auf der Autobahn aus rätselhaften Gründen die Lichthupe betätigt, und du weißt nicht, was los ist. Es war unwahrscheinlich, dass mein Tankdeckel offenstand.

Dann plötzlich überkam mich die Erkenntnis, dass ich keinen Apfelsaft bestellt hatte. Kartoffelsaft. Ich hatte Kartoffelsaft bestellt.

Singapore Airlines als Vorbild

Es spricht für die Imaginationsfähigkeiten des Air-France-Personals, dass man mir, statt meinen Wunsch abschlägig zu bescheiden, das Richtige kredenzte. Ich bin allerdings fast sicher, dass Singapore Airlines auch Kartoffelsaft an Bord gehabt hätte. Ich finde, da muss Air France nachbessern. In Flugzeugen wird zu wenig Kartoffelsaft getrunken.

Als wir landeten, sagte der Pilot durchs Mikrofon: "Senk ju for flaying wis Öppe!". Erst draußen verstand ich, was er meinte: Die Air-France-Regionalgesellschaft heißt "Hop!". Es tröstete mich, dass sich die sprachlichen Unzulänglichkeiten auf diesem Flug nicht auf die Fluggäste beschränkten. Darauf einen Kartoffelsaft. Schönes Wochenende.

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