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Panorama Dieser Arzt befreite „Berliner Patient“ von HIV
Nachrichten Panorama Dieser Arzt befreite „Berliner Patient“ von HIV
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12:41 09.03.2019
Der Hämatologe Gero Hütter setzte die Stammzellen-Behandlung schon 2009 erfolgreich an der Berliner Charité ein. Quelle: Sonja Fröhlich
Berlin

Die Nachricht war eine Sensation: Zwei Patienten aus Düsseldorf und London, die sich mit HIV infiziert hatten, gelten nach einer Transplantation spezieller Stammzellen als geheilt. Pionier dieses Verfahrens ist der deutsche Arzt Gero Hütter.

Herr Hütter, zwei Patienten aus Düsseldorf und London, die sich mit HIV infiziert hatten, gelten nach einer Transplantation spezieller Stammzellen als geheilt. Welche Bedeutung haben diese Heilungserfolge für Sie?

Gero Hütter: Die Fälle waren natürlich nicht neu für mich, ich war auch involviert. Vor fünf Jahren haben wir mit mehreren Universitäten und Instituten ein Konsortium gebildet, in dem wir Fälle sammeln, die für eine solche Transplantation infrage kommen. Ich selbst hatte den Ehrgeiz, die erfolgreiche Behandlung von damals zu wiederholen – das ist aber bisher nicht gelungen. Leider sind einige der Patienten, die die gleiche Behandlung erhalten hatten, früh an Komplikationen oder Rückfällen ihrer Krebserkrankung verstorben. Jetzt hat sich aber gezeigt, dass der Fall reproduzierbar ist.

Kritiker mutmaßten lange, dass die HIV-Heilung Ihres Patienten eher Zufall war.

Es gab tatsächlich viele Buhrufe und die absurdesten Dinge, die über den Fall gesagt wurden. Die Zweifler stellten Timothy Brown (Hütters erster Patient, Anm. der Redaktion) als Patienten hin, der so speziell war, dass eben nur er geheilt werden konnte.

Sind Sie jetzt rehabilitiert?

Es gibt jetzt starke Argumente dafür, dass die Transplantation entscheidend für das Ausbleiben der Viren ist. Die neuerlichen Patienten hatten zum Beispiel eine ganz andere Art von Krebs, auch der Grad der Behandlung unterscheidet sich deutlich voneinander – dennoch kommen wir zu dem gleichen Ergebnis.

Als Sie 2009 als erster Arzt weltweit die Transplantation der genmutierten Stammzellen am Berliner Patienten durchführten, war das eine Revolution.

Ja, da gehörte viel Mut zu. Das hatte noch kein anderer vor uns gemacht, nicht einmal Experimente mit Tieren gab es. Es war also ein Sprung ins Ungewisse, wohl getrieben von jugendlichem Leichtsinn. Ich war Hämatologe und Onkologe – aber eben kein HIV-Experte. Nach dem, was ich heute über HIV alles weiß, bin ich mir nicht sicher, ob ich mich das noch getraut hätte. Aber für unseren Patienten Timothy Brown war es die letzte Chance – und er hat uns vertraut.

Ist die Behandlung heute einfacher geworden?

Auf jeden Fall ist sie das. Es war damals schon schwierig, den richtigen Spender zu finden. Wir hatten 200 Spender, zu denen die Gewebemerkmale passten, die es für die Transplantation brauchte. Aber wir brauchten ja auch die entsprechende CCR5-Mutation, die nur etwa ein Prozent der Menschen aufweisen. Der 65. Spender hatte sie dann. Das heißt, wir haben 64 Spender umsonst aufwendig getestet. Seitdem werden alle neuen Spender auch auf die Mutation getestet und in der weltweiten Spenderdatei DKMS registriert. Es dauert heute zehn Sekunden, dass uns potenzielle Spender angezeigt werden.

Aufgrund des Risikos kommt eine Stammzellentransplantation nur für eine kleine Anzahl von HIV-Patienten infrage, die auch an Krebs erkrankt sind. Welche Rolle spielt die Therapie im Kampf gegen den Aidserreger?

Sie ist ein Puzzlestück zur Heilung von HIV. Bisher ist es zwar nicht gelungen, daraus eine Gentherapie abzuleiten. Aber ich glaube, dass das eine Frage der Zeit ist. Für die Forscher, die sich damit beschäftigen, sind die aktuellen Erfolge auf jeden Fall ein Glücksfall.

Wie geht es Timothy Brown, Ihrem Berliner Patienten?

Er lebt in Palm Springs und reist viel als Botschafter für eine HIV-Stiftung herum, die er gegründet hat. Er postet ständig auf Facebook und versucht, den betroffenen Menschen Mut zu machen. Er weiß, dass es keine Verrücktheit gibt, die es nicht gibt.

Von Sonja Fröhlich/RND

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