Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Panorama Generation Propellazzi
Nachrichten Panorama Generation Propellazzi
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:56 02.12.2016
Von Uwe Janssen
Der Verkauf von Luftbildern war einst ein tendenziell unseriöses, aber einträgliches Geschäft. Dank der Digitalisierung und Drohnen für jedermann hat sich die Exklusivität einer Luftaufnahme des eigenen Vorgartens erledigt, doch es gibt neue Probleme. Quelle: McCullough / CC BY 2.0
Anzeige

Früher kamen Menschen an die Tür, die Luftaufnahmen von Haus und Grundstück verkauften. Sie lagen im Ranking unangemeldeter Hausbesucher ungefähr auf einer Stufe mit ehemaligen Häftlingen, die sich durch den Verkauf Zeitschriften an ländliche Haushalte zu resozialisieren versuchten und komischerweise alle aus dem gleichen Gefängnis in Duisburg kamen.

Die Seriösen von den Unseriösen konnten auch wir Kinder gut daran unterscheiden, wer seinen Text konnte und wer nicht. Die mit den Luftbildern aber machten aus anderen Gründen einen unseriösen Eindruck: Sie wollten für ein Bild 150 Mark haben. Das war viel Geld für ein Foto.

Anzeige

Pappel als Luftraumgrenze

Wir sahen sie überall in der Straße klingeln und errechneten, dass sie bei hundertprozentiger Verkaufsquote allein vom Erlös unseres Dorfes ein Flugzeug hätten kaufen können. Sie erzählten von Genehmigungen und dass nicht jeder Fotos aus der Luft machen dürfe.

Uns war das egal, wir hatten ja nicht mal ein Flugzeug, höchstens hohe Pappeln, und Bilder aus Pappeln galten vermutlich noch nicht als Luftaufnahme, wir hätten es dem Luftbildministerium auch gar nicht erzählt. Da hätten sie schon unangemeldet Wandbildkontrolleure schicken müssen.

Aber bei uns war eh alles sauber. Wir hatten ein Bodenbild unseres Hauses im Flur. Der Fotograf hatte mit beiden Beinen auf dem Rasen gestanden, er war der Familie bekannt und es hatte hinterher vermutlich einen Schnaps gegeben.

Ungezügelter Kleinflugverkehr

Die Luftbildfotografen kommen nicht mehr. Seit 25 Jahren brauchen sie keine Genehmigung mehr, wenn sie fotografieren wollen. Es sei denn, man wohnt in einer militärischen Sperranlage und fährt morgens mit dem Panzer zur Arbeit. Ansonsten darf schon Google Earth alles.

Und mittlerweile herrscht ungezügelter Kleinflugverkehr im Luftraum über der Pappel. Drohne statt Krone. Kauft man mittlerweile im Supermarkt. Brot, Milch, Blumenkohl und eine Drohne, bitte. Da ist jeder sein eigener Propellazzi. Nicht ausgeschlossen, dass einem irgendwann beim Rasenmähen ein Heli auf den Kopf fällt. Man sollte ihn fotografieren und das Foto beim Luftbildministerium zum Verkauf anbieten.  

Panorama Wissenslücken mit Imre Grimm - O, wie schön ist Paderborn
Imre Grimm 02.12.2016
02.12.2016
02.12.2016