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Panorama Hass, Schizophrenie und Hartz IV: Das ist über den Attentäter von Bottrop bekannt
Nachrichten Panorama Hass, Schizophrenie und Hartz IV: Das ist über den Attentäter von Bottrop bekannt
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09:07 02.01.2019
Absperrband der Polizei am Tatort in Bottrop. Quelle: Marcel Kusch/dpa
Bottrop

Aus Fremdenhass ist ein Autofahrer in der Silvesternacht im Ruhrgebiet mehrmals gezielt in Menschengruppen gefahren und hat dabei mindestens acht Personen verletzt. „Es gab die klare Absicht von diesem Mann, Ausländer zu töten“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) nach den ersten Vernehmungen.

Der später Festgenommene habe das Auto in Bottrop und Essen bewusst in Menschengruppen gesteuert, die überwiegend aus Ausländern bestanden. Unter den Verletzten sind Syrer und Afghanen. Staatsanwaltschaft und Polizei sprachen von einem „gezielten Anschlag“.

Die Ermittler haben sich schnell auf ein fremdenfeindliches Motiv des Täters festgelegt. Offenbar ließ der Täter in den Vernehmungen keinen Zweifel an seiner Gesinnung.

Tat wird als terroristischer Anschlag eingestuft

Nach Informationen des „Tagesspiegel prüft die Bundesanwaltschaft, ob sie die Ermittlungen übernimmt. Die Fahrt werde als terroristischer Anschlag eingestuft, zitiert er aus Ermittlerkreisen. Der Täter sei vergleichbar mit radikalisierten Islamisten, die auf eigene Faust angreifen.

Möglicherweise liege bei N. eine Kombination aus rassistischem Hass und psychischer Störung vor. Das sei „ein besonders gefährliches Täterbild“. Gerade labile und psychisch angegriffene Menschen seien für extremistische Hetze besonders empfänglich.

Reul: Täter war psychisch krank

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach davon, dass der 50 Jahre alte Deutsche eine psychiatrische Vorgeschichte habe. Dem WDR sagte Reul aber auch, dass der Tat „fremdenfeindliches Denken“ zugrunde liege.

Informationen des „Spiegel“ zufolge sagte der Täter der Polizei, die vielen Ausländer seien ein Problem für Deutschland, das er lösen wolle. Der Mann sei in der Vergangenheit mindestens einmal in eine geschlossene Einrichtung eingewiesen worden. Demzufolge gehen die Ermittler davon aus, dass der Mann eine schizophrene Erkrankung hatte.

Unklar sei, ob er derzeit noch in psychologischer Behandlung ist. Möglicherweise liege bei N. eine Kombination aus rassistischem Hass und psychischer Störung vor. Das sei „ein besonders gefährliches Täterbild“, schreibt der „Tagesspiegel“.

Täter seit Jahren arbeitslos

Bisher spreche nichts dafür, dass der Täter in ein größeres Netzwerk eingebunden sei, während der Tat habe er „gut orientiert“ gewirkt, zitiert der „Spiegel“ aus Ermittlerkreisen. Der Mann sei weder der Polizei noch dem Verfassungsschutz als Extremist bekannt gewesen. Unklar ist aber, ob die Tat schon länger geplant war oder aus einem Impuls heraus entstand.

Offenbar lebt der Mann allein, ist seit Jahren arbeitslos und bezieht Hartz IV. In seiner Vernehmung soll er Unzufriedenheit darüber geäußert haben, dass der Staat Ausländer finanziell unterstütze.

Das für die Einsatzführung zuständige Polizeipräsidium in Münster bat via Twitter darum, Bilder und Videos von den Ereignissen nicht im Internet zu verbreiten. Alle Aufnahmen sollten stattdessen auf ein spezielles Portal vom Bundeskriminalamt hochgeladen werden. Außerdem wurden Zeugen gebeten, sich unter der Hotline 0800 3040303 zu melden. Die Ermittler halten sich zum Tatablauf bislang bedeckt, dieser müsse erst mithilfe von Zeugenaussagen rekonstruiert werden.

Meisten Opfer in Bottrop

Die schlimmsten Folgen hatte die Tat in Bottrop, wo der 50-Jährige kurz nach Mitternacht auf dem zentralen Berliner Platz in die Menge fuhr, die gerade mit Böllern und Raketen das neue Jahr begrüßte. Eine 46-Jährige wurde schwer verletzt und schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Zwei andere Versuche des Mannes, in Bottrop und Essen Passanten anzufahren, schlugen fehl. Hier kamen die Menschen mit dem Schrecken davon.

Lesen Sie hier:
Täter hatte klare Absicht, Ausländer zu töten

Von pach/dpa/RND

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