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Panorama Im Namen der Kinder - Die Lehren aus dem Fall Lügde
Nachrichten Panorama Im Namen der Kinder - Die Lehren aus dem Fall Lügde
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15:43 05.09.2019
Johannes Salmen, Rechtsanwalt des Angeklagten V. gibt nach der Urteilsverkündung vor dem Gerichtssaal des Landgerichts Interviews. Quelle: Bernd Thissen/dpa
Lügde

Die Richter am Landgericht Detmold haben zwei Männern, die über Jahre hinweg dutzende Kinder sexuell missbraucht haben, einen kurzen Prozess gemacht. 298 Straftaten gegen den Hauptangeklagten wurden in zweieinhalb Monaten abgehandelt, den Opfern blieb eine Aussage vor Gericht erspart. Und das Urteil fällt so hart aus, wie es die Gesetze eben ermöglichen: Die Täter werden in ihrem Leben nicht mehr auf freien Fuß kommen. Die Justiz also hat funktioniert im Missbrauchsfall von Lügde.

Das sollte selbstverständlich sein in einem Rechtsstaat – aber die immer neuen Horrorgeschichten vom Wohnwagen mit Bretterverschlag, in dem Kinder gequält wurden, haben viele Selbstverständlichkeiten zerstört. Dem Staat und seinen Organen möchte man nur gern vertrauen. Man kann es aber nicht immer, sie haben ausgerechnet dann versagt, als es um den Schutz der wehrlosesten Mitglieder der Gesellschaft ging. Mit Lügde wird daher immer eine tiefe Verstörung und Fassungslosigkeit verbunden sein. Daran kann auch ein noch so hartes Urteil gegen die Täter nichts ändern.

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Der Kinderschutz in Deutschland wird künftig in eine Zeit vor und nach Lügde eingeteilt werden. Auf den Behörden, der Polizei und allen, die mit Kindern zu tun haben, ruht jetzt eine neue Last: Ist künftig wirklich ausgeschlossen, dass Jugendamtsmitarbeiter schutzbefohlene Kinder in falsche Hände geben? Ist ausgeschlossen, dass sie alle Hinweise auf Missbrauch ignorieren? Ist wirklich ausgeschlossen, dass die Polizei Hinweise auf solch grauenvolle Taten auf die leichte Schulter nimmt und am Ende sogar bei der Beweissicherung schlampt? Versprechen kann dies niemand. Aber Politik und Behörden sollten sicher sein, dass sie alles dafür tun, dass sich ein solcher Fall von Staatsversagen nicht wiederholt.

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Dafür braucht es keine neuen Kommissionen, die Ursachenforschung nach Lügde ist weitgehend abgeschlossen. Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, die beiden direkt betroffenen Bundesländer, haben ihre Landtage Forderungskataloge aufstellen lassen, die nun umzusetzen sind. Es braucht ohne Zweifel mehr Personal in den Jugendämtern. Nötig ist aber eben auch mehr Professionalität im Umgang mit einem Verbrechen an Kindern, das in Deutschland noch immer gern verschämt an den Rand gedrückt wird. Leid lässt sich nur dann verhindern, wenn Netzwerke von Erziehern, Lehrern, Behördenmitarbeitern und Polizeibeamten funktionieren.

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Es geht um Aufmerksamkeit, um Wachsamkeit. Nicht um Krisen-PR. Das Jugendamt Hameln-Pyrmont, das ein Pflegekind in den Wohnwagen des Haupttäters schickte, möchte nach eigenem Bekunden künftig „Vorbild für andere Behörden“ sein. Es würde schon reichen, die anvertraute Arbeit ordentlich zu machen. Und mit gesundem Menschenverstand.

Von Jörg Kallmeyer/RND

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