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21:05 08.04.2016
Von Imre Grimm
In diesem Jahr feiert das Reinheitsgebot seinen 500. Geburtstag. Quelle: Spiegelau/dpa
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Männer sind genügsam. Vier Grundnahrungsmittel reichen ihnen: Wasser, Gerste, Hopfen und Hefe. Daraus werden allein in Deutschland 5000 trinkbare Biersorten gebraut, dazu noch Kölsch. Und Rauchbier, was schmeckt, als hätte jemand drei Bifis in einer Tasse Buttermilch vergessen. Die Mehrheit der deutschen Biererzeugnisse gilt als konsumabel, zumindest im Notfall. Das liegt am Reinheitsgebot von 1516, dessen 500. Geburtstag wir nun feiern. Viele Männer denken: „Reinheitsgebot? Wenn ich trinke, trinke ich. Interessiert mich doch nicht, ob mein Unterhemd obergärig ist oder untergärig riecht.“

Ein Liter Bier deckt 40 Prozent des Tagesbedarfs an Phosphorsäure, 41 Prozent des Tagesbedarfs an Magnesium und 0 Prozent des Tagesbedarfs an Liebe und Zuneigung – einer der häufigsten Gründe zum Weitertrinken. Biertrinker haben eine um 42 Prozent geringere Herzinfarktsterberate als Nichttrinker. Dafür sterben sie häufiger an im Weg herumstehenden Laternenpfählen und plötzlich auftauchenden 16-Tonnern, beim heiligen Gambrinus!

Alkoholismus unter dem Deckmantel der Handwerkskunst

Derzeit laufen Feldversuche, dem Alkoholismus unter dem Deckmantel der Handwerkskunst seinen Schrecken zu nehmen. Stichwort: Craft Beer. Craft Beer ist im Prinzip Bier mit Schuss. Meistens hat der Craft-Beer-Produzent einen Schuss. Craft Beer gibt’s mit Bananen-, Zimt-, Holunder- und Schokoladengeschmack, außerdem als Austernbier, Pils mit geröstetem Seetang und Bier mit Tomaten und Sellerie – für Veganoholiker. Außerdem gibt’s Craft Beer mit Champignons, sogenanntes Pilz-Pils. Craft-Beer erkennt man überwiegend an albernen Etiketten und pseudohandwerklicher Marketing-Lyrik wie „Braufactum“ oder „Craftwerk“. Nicht mehr lang, und auf Bieretiketten steht derselbe Quatsch wie auf Poloshirts. Käsebier und Bananenbier sind im Handel, Fisch im Bierteig ebenfalls. Bier im Fischteig ist in Arbeit. Zwischenlösung: Glas Kölsch in Matjes einschlagen, mit Wurstwasser abschmecken. Mieser wird’s dadurch auch nicht.

Zu den erfolgreichsten Alkoholikern zählen übrigens Schriftsteller. Davon künden bis heute Trinksprüche wie „Na, denn Proust!“, „Zwischen Schiller und Goethe passt immer noch ‘ne Flöte“ oder auch „Nüchtern bin ich schüchtern, aber völl bin ich Böll!“ Schönes Wochenende.

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