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Panorama Kenianischer Autor und Schwulenaktivist Wainaina gestorben
Nachrichten Panorama Kenianischer Autor und Schwulenaktivist Wainaina gestorben
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18:12 22.05.2019
Binyavanga Wainaina gehörte zu den einflussreichsten Afrikaner. Quelle: Dai Kurokawa/EPA/dpa
Maputo, Nairobi

Der kenianische Autor, Verleger und Schwulenaktivist Binyavanga Wainaina ist tot. Der 48-Jährige sei nach einem Schlaganfall am Dienstagabend in einer Klinik der Hauptstadt Nairobi gestorben, berichtete die Tageszeitung „Daily Nation“ am Mittwoch unter Berufung auf seine Familie.

Wainaina war eine der prominentesten Persönlichkeiten Afrikas, die ihre Homosexualität öffentlich machten und für die Rechte von Schwulen und Lesben eintraten. Homosexuelle Beziehungen sind in Kenia derzeit noch verboten. Am Freitag entscheidet ein Gericht über die Legalisierung.

Gericht urteilt am Freitag über Legalisierung von Homosexualität

Petitionen von drei LGBT-Organisationen hatten zu einer Verhandlung geführt, seit Februar wird debattiert. Die Initiatoren argumentieren, das Verbot verstoße gegen den Verfassungsgrundsatz, wonach niemand diskriminiert werden darf. Kenia wäre das erste Land im östlichen Afrika, das Homosexualität erlaubt, allerdings glauben selbst die Initiatoren nicht wirklich an einen Erfolg, wie „VOA News“ berichtet.

Derzeit stehen fünf Jahre Haft auf Homosexualität in dem mehrheitlich streng christlichen Land, das Nachbarland Uganda kann sogar die Todesstrafe für Homosexualität aussprechen. Auch innerhalb der Gesellschaft ist Homosexualität verpönt, immer wieder kommt es zu Angriffen auf Schwule und Lesben. Im vergangenen Jahr wurde gar die Ausstrahlung des international gefeierten kenianischen Films „Rafiki“ verboten, wegen Darstellung von und Werbung für Homosexualität.

Wainaina zählte zu den 100 einflussreichsten Personen der Welt

Binyavanga Wainaina gehörte zu den wichtigsten zeitgenössischen Autoren Afrikas. 2002 gewann er den Caine-Preis für afrikanische Literatur und gründete den Verlag Kwani, um jungen Autorinnen und Autoren in Kenia ein Forum zu geben.

2014 veröffentlichte Wainaina den Artikel „Ich bin ein Homosexueller, Mama“. Das „Time Magazine“ zählte ihn deshalb 2014 zu den 100 einflussreichsten Personen der Welt. Seit 2016 sprach er auch offen über seine HIV-Infektion. Zuvor hatte er einen Schlaganfall erlitten. Seinen Traum, in Südafrika seinen Lebenspartner zu heiraten, konnte er nicht mehr verwirklichen.

Abrechnung mit Klischees der Afrika-Korrespondenten

In Deutschland wurde Wainaina durch den bissigen Aufsatz „Schreiben Sie so über Afrika! Eine Anleitung“ in der „Süddeutschen Zeitung“ bekannt, in dem er mit den Klischees und der Oberflächlichkeit der Krisenkorrespondenten und westlichen Autoren abrechnete. 2013 erschien sein biografisch gefärbter Roman „Irgendwann schreib ich drüber“ auf Deutsch. Als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes beklagte er 2016 einen tätlichen Übergriff durch einen Berliner Taxifahrer.

In seinen Werken machte der Autor auf die Vielsprachigkeit und den kulturellen Reichtum seiner Generation aufmerksam. Sie müsse sich in mehreren Ländern, auf dem Land wie in der Stadt, zwischen Alten und Jungen, in armen wie reichen Staaten mit kaum überbrückbaren Widersprüchen auseinandersetzen, sagte er.

Von RND/dpa/msk