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Panorama Kinder-Verbot im Café – ist das erlaubt?
Nachrichten Panorama Kinder-Verbot im Café – ist das erlaubt?
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08:21 19.03.2019
Eine Hamburger Café-Betreiberin möchte keine kleinen Kinder in ihrem Laden haben. Dafür erntet sie viel Kritik von Eltern. Quelle: dpa/Symbol
Hamburg

Für „Love Peace and Happiness“ wirbt das Hamburger Frühstückscafé „Moki’s Goodies“ auf seiner Website. Kinder gehören für Inhaberin Monika Ertl jedoch offenbar nicht zu ihrem Konzept von „Liebe, Frieden und Glück“ – denn in dem Café Kinder unter sechs Jahren unerwünscht. Und damit ist Erlt nicht die erste Gastronomin, die kleine Kinder von ihrem Angebot ausschließt.

„Immer mehr Betriebe fokussieren sich auf klar umrissene Gäste- und Stilgruppen und entwickeln spezielle Angebote für Gleichgesinnte“, erklärt dazu der Gaststättenverband Dehoga Bundesverband. Erst im vergangenen Sommer sorgte das Rügener Restaurant „Oma’s Küche“ für Schlagzeilen, als sich Inhaber Rudolf Markl dazu entschied, sein Restaurant am Abend nur noch für Gäste ab 14 Jahren zu öffnen. „Die Entscheidung war einfach nur brillant. Ich hätte nichts Besseres machen können“, so Markl rückblickend.

„Es geht nicht gegen die Kinder“

In seinem Restaurant sei es immer wilder geworden. Die Kinder hätten an fremden Tischdecken gezogen, seien zwischen den Beinen der Servicekräfte herumgerannt, hätten andere Gäste belästigt. „Es geht nicht gegen die Kinder“, stellt der 66-Jährige fest. Manche Eltern seien aber einfach unfähig, ihren Nachwuchs zu erziehen. „Ich ärgere mich nur, dass ich diesen Weg nicht schon früher gegangen bin“, so Markl, der viel Zuspruch von seinen Gästen bekomme.

Anders als Ertl, die für ihr Café-Verbot für Kinder unter sechs Jahren angefeindet wird. In den sozialen Medien ist ein regelrechter Shitstorm gegen die Café-Betreiberin ausgebrochen. „Boah, was für ein ekelhaftes Wesen“, ist nur einer der vielen negativen Kommentare, die Ertl erhält.

Café-Betreiberin ist selber Mutter

Unter dem Schlagwort #Schnullergate rechtfertigt sich Ertl für ihre Entscheidung bei Instagram mit den Worten: „Das moki’s goodies ist kein spendenfinanziertes demokratisches Mutter-Kind-Projekt, sondern ein Restaurant, für das ich mir ein Konzept überlegt und in das ich mein privates Geld investiert habe.“ Ertl sei selbst Mutter einer Tochter, habe ein süßes Patenkind, Nichten und Neffen. Ihr „Kinderfeindlichkeit zu unterstellen, ist also schon mal Blödsinn“.

Dennoch wird derzeit über #Schnullergate heftig diskutiert: Dürfen Restaurants einzelne Personengruppen ausschließen? Oder ist das Diskriminierung? „Zwar steht es Gastronomen grundsätzlich frei, im Rahmen ihres Hausrechts bestimmte Personen von der Nutzung ihrer Angebote auszuschließen“, erklärt Christian Solmecke, Rechtsanwalt aus Köln, doch das Recht habe Grenzen. So schütze das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) unter anderem vor Benachteiligungen aufgrund des Lebensalters, also auch des Kindesalters. „Insofern kann eine Regelung, bei der Restaurants Personen unter sechs Jahren pauschal den Zutritt verwehren, gegen das AGG verstoßen“, so der Rechtsanwalt.

Pauschaler Ausschluss ist schwierig

Auch der kommissarische Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke, sieht den pauschalen Ausschluss der jungen Gäste problematisch. „Unterschiedliche Behandlungen sind nur dann zulässig, wenn es einen nachvollziehbaren, sachlichen Grund gibt. Ein unternehmerisches Konzept kann dabei einen sachlichen Grund darstellen“, so Franke. Statt pauschaler Zutrittsverbote sei es angemessener, störende Kinder und ihre Eltern im Einzelfall aus dem Restaurant zu verweisen.

Für den Dehoga liege im Fall von Ertl ein solches unternehmerisches Konzept vor. Es handelt „sich um ein spezielles Konzept, mit dem sich die Betreiberin am Markt positioniert und sich an eine klar definierte Zielgruppe richtet“, so die Einschätzung des Bundesverbandes. Für kinderfreie Angebote gebe es derzeit keinen generellen Trend.

Dennoch scheinen einige Leute auf ein kinderfreies Angebot geradezu gewartet zu haben. „Ich finde das richtig gut. Würde ich dort wohnen, wäre das mein neues Lieblingscafé“, schreibt eine Userin und gibt Ertl Rückendeckung.

Von RND/mat

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