Kopflos in Zombielefeld: Livetickerdrama mit Uwe Janssen
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19:56 09.09.2016
Von Uwe Janssen
Schiedsrichter im Regeldilemma: Was tun bei Kopflosigkeit vor dem Tor? Ein handfestes Beispiel aus dem Zweitligaalltag. Quelle: Textilvergehen / CC BY 2.0
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Neulich bei kicker online, im Liveticker zum Zweitligaspiel Arminia Bielefeld gegen Union Berlin. Es steht 4:4, in der 87. Minute meldet der Ticker: "Redondo läuft alleine aufs Tor zu, verliert dabei aber den Kopf und rennt einfach in Hesl rein. Der Schlussmann packt zu." Festzuhalten ist Folgendes:

  1. Vielleicht ist es gut, diese 87. Minute nicht mit eigenen Augen, sondern am Ticker verfolgt zu haben.
  2. Dafür, dass es Bielefeld gar nicht geben soll, ist da ganz schön was los.
  3. Es ist kein Wunder, dass der Spieler Redondo in den Torwart Hesl reingerannt ist, so ohne Kopf.
  4. Ein Ball scheint in Bielefeld nicht im Spiel gewesen zu sein. Nicht auszuschließen, dass der Schlussmann Hesl beim Zupacken etwas Entscheidendes verwechselt hat.
  5. Der Schiedsrichter hat die Szene nicht abgepfiffen.

Aber warum auch? Was den vermutlich ausnahmslos fachkundigen Kicker-Live-Ticker-Guckern geschildert wurde, ist im Regelwerk so nicht festgehalten, also auch nicht verboten. Kürzlich bei den Olympischen Spielen ist einem französischen Fechter mitten im Kampf ein Handy aus der Tasche gefallen. Auch das ist im Regelwerk nicht eindeutig geregelt, weil es bei Fechtern insgesamt selten vorkommt, dass man im Gefecht vorsichtshalber erreichbar sein will, falls Mama anruft. Von verlorenen Köpfen wie in Zombielefeld ganz zu schweigen.

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Dabei wird im Fußball anatomisch schon einiges geboten: Das lange Bein, der hohe Fuß und hängende Spitzen, die tief stehen – wenn man's nicht sieht, könnte man dieses Fußball für ein ziemlich unsittliches Spektakel halten. Verloren geht auch einiges, aber meistens nur Spielfluss, Tabellenführung, Anschluss und Selbstbewusstsein, von Körperteilen bei Alleingängen ist selten zu hören. Ab und zu geht eine Kontaktlinse verloren. Oder eine Kapitänsbinde, wenn der Schweinsteiger sie mal wieder mit auf die Bank nimmt, anstatt sie weiterzugeben. Oder es lösen sich Trikots auf. Fragen Sie mal bei der Schweizer Nationalmannschaft.

Der Spieler Redondo übrigens soll im nächsten Spiel wieder eingesetzt werden, was gegen eine längerfristige Kopflosigkeit spricht. Davon erfährt der Kicker-Ticker-Leser aber wieder mal nichts. Und hat soooo'n Hals! Halten wir abschließend fest: Redondo geht's gut. Außerdem weiß der junge Mann, wo oben und unten ist. Bevor er nach Berlin kam, spielte er zunächst in Oberföhring und dann in Unterhaching.

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