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Panorama Läuft's denn?
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19:56 02.09.2016
Von Imre Grimm
Teufelszeug, das schlechte Laune macht: Schon vor der Erfindung von Smartphones und Apps gab es Schrittzähler, doch diese antiken Versionen konnte man viel leichter ignorieren. Quelle: Jinho Jung / CC BY-SA 2.0
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Kürzlich lag ich liederlich auf dem Sofa herum und erwog nach mehreren kläglichen Aufrappelungsvorgängen die Indienststellung eines Butlers ("James, bitte stehen Sie mich auf!"). Das aufwallende Schamgefühl unterdrückte ich mit dem Vorsatz, meinen Schrittzähler spätestens vielleicht morgen in den fünfstelligen Bereich hochzupeitschen.

Ich bin nicht sicher, ob die Technik das aushält. Mein Schrittzähler ist eine App und hat sich an eine gewisse Stagnations-Tendenz gewöhnt. Man kann da sein persönliches Tagesziel einstellen. Dann leuchtet es grün und man darf sich freuen.

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500 Schritte Minimum

Die Tagesziel-Skala setzt im unteren Bereich bei 500 Schritten Minimum an – ein Signal der Ausgrenzung für viele Menschen in diesem Land. Im oberen Bereich reicht sie bis 60 000. Lustige Typen, diese App-Entwickler. Früher haben wir Kalorien gezählt, heute zählen wir Schritte. Im Grunde ist es dasselbe, nur andersherum.

Man kann die App durch Schütteln austricksen. Um zum Beispiel 60 000 "Schritte" zu erreichen, muss ich das Handy hochgerechnet nur 14 Stunden lang schütteln. Das sieht von außen blöd aus und macht Tennisarm. Aber dafür wird's dann grün und man darf sich freuen. Für Sie getestet: Im Trockner funktioniert's nicht. Jedenfalls nicht, wenn das Handy vorher auch in der Waschmaschine war.

Maschinen unter sich

Empfohlen sind 10 000 Schritte täglich. Diese psychologisch wichtige Marke ist nicht leicht zu knacken. Denn das Gemeine ist: Der Schrittzähler startet jeden Tag um Mitternacht bei Null! Ein völlig überflüssiger Stressfaktor. Ich gucke nachts gelegentlich ein bisschen "Goldrausch Alaska", unterbrochen nur von einem Küchengang.

Dabei habe ich ermittelt, dass es von der Sofakuhle meines Vertrauens in die Küche und zurück 23 Schritte sind, was mich erheblich verwirrt. 22 oder 24 Schritte verstünde ich, 23 nicht. Es kommt dann vor, dass ich das Handy ganz kurz schüttelte, um wieder auf eine gerade Zahl zu kommen. Das ist nicht neurotisch. Das nennt man liebenswerte Schrulle. Sie tanken doch auch gerne so, dass hinten eine Null steht!

In der Werbepause zeigten sie dann im Teleshop einen Uhrenbeweger. Ein Gerät, das andere Geräte im Kreis dreht. Perfekt. Sollen die Maschinen den Quatsch doch unter sich ausmachen. Ich ging 36 Schritte ins Bett und fühlte mich frei. Schönes Wochenende!

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