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Panorama Lost in Mathematik
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19:56 09.12.2016
Von Imre Grimm
Deutsche Grundschüler haben Probleme mit Mathematik, wie die internationalen Vergleichsstudie TIMSS zeigt. Dabei ist Mathe doch ganz einfach. Unser Beispiel-Dreisatz in fünf einfachen Schritten beweist das. Quelle: Ilya Ilyukin / unsplash
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Deutsche Grundschüler haben Probleme mit Mathematik. Das ist das Ergebnis der internationalen Vergleichsstudie TIMSS. Fast jeder vierte deutsche Schüler – in manchen Regionen sogar jeder siebente – erreichte in dem Test nicht die dritte von fünf Kompetenzstufen, verharrte also im untersten Sechstel der Leistungsskala.

Jeder vierte – das entspricht immerhin fast 60 Prozent aller Schüler. Nur jeder zwanzigste – also zwei von sechs Schülern – schaffte es auf die höchste Kompetenzstufe. In den USA sind es 14 Prozent, in Russland 20, in Japan mehr als 30, in Südkorea sogar 116 Prozent.

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In den Naturwissenschaften hat sich der Anteil derer, die Höchstleistungen bringen, sogar um mehr als die Hälfte reduziert – von 10 auf 8 Prozent. "Ein schlechteres Ergebnis hatten wir zuletzt nur 2006, also vor 15 Jahren", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.

Ein Dreisatz zum Einstieg

Eine der Mathe-Testaufgaben lautete: "Tom kauft zwei große Eiswaffeln und vier kleine Eis am Stiel für zusammen genau 22 Zeds (fiktive Währung). Lena kauft eine Eiswaffel und drei Eis am Stiel für insgesamt 14 Zeds. Wie viel kosten eine Eiswaffel und ein Eis am Stiel zusammen? Und wie viel kostet ein Eis am Stiel?"

Ein einfacher Dreisatz, der wie folgt gelöst wird: 22 und 14 Zeds zusammen ergeben genau 40 Zeds. Das entspricht drei Eiswaffeln und sechs Eis am Stiel. Eine Eiswaffel kostet dementsprechend genau ein Zehntel dieser Summe, also 6 Zeds. Ein Eis am Stiel wiederum kostet die Hälfte, also 3 Zeds. Die korrekten Antworten lauten also: 8 Zeds beziehungsweise 3 Zeds. So schwer ist das nun auch nicht.

Die Fachwelt ist schockiert

Die Fachwelt ist schockiert: "Fast jeder vierte von sechs Schülern kann nicht rechnen – das ist erschreckend wenig", sagte der Leiter der Studie, der Tübinger Mathematikprofessor Dr. Clemens Zwingli. "Beim vorigen Mal war es nur jeder dritte! Das ist eine Zunahme um 50 Prozent."

Zwingli forderte, die jährliche Fördersumme für Mathematikunterricht von 230 auf 460 Millionen Euro zu vervierfachen. Unter den weltweit zehn Ländern mit der besten Bildung sei Deutschland inzwischen auf den zwölften Platz abgerutscht. "Wenn das so weitergeht, taucht Deutschland in der Statistik irgendwann gar nicht mehr auf", fürchtet Zwingli. Schönes Wochenende.

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