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Panorama Mickaël H.: Höflich, zurückhaltend – beruflich frustriert
Nachrichten Panorama Mickaël H.: Höflich, zurückhaltend – beruflich frustriert
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15:37 04.10.2019
Polizeibeamte patrouillieren mit Gewehren vor dem Polizeipräsidium. Quelle: Michel Euler/AP/dpa
Paris

Ein höflicher, zurückhaltender Mann war Mickaël H., beliebt bei seinen Kollegen der Pariser Polizeipräfektur. Als angenehmen Zeitgenossen beschreiben auch die Nachbarn den Vater zweier Kinder. Umso unbegreiflicher scheint es, dass der 45-Jährige, der seit 16 Jahren beim Nachrichtendienst der französischen Polizei für Datenüberwachung und -auswertung zuständig war, am Donnerstagmittag mit einem Küchenmesser aus Keramik auf mehrere Kollegen losgeht.

Zunächst verletzte er in einem Büro im ersten Stock der Polizeihauptdienststelle zwei Polizisten und einen Verwaltungsbeamten aus seiner Diensteinheit tödlich. Im Anschluss tötete er im Treppenhaus auf dem Weg nach unten eine Polizistin und fügte einer Mitarbeiterin der Personalabteilung schwere Verletzungen zu. Per Helikopter wird sie in die Notaufnahme gebracht. Im Vorhof des Gebäudes stellte ein junger Polizist den Angreifer, forderte ihn vergeblich dazu auf, sein Messer niederzulegen, und tötete ihn schließlich mit einem Kopfschuss.

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Täter soll „Stimmen gehört“ haben

In der Folge wurde die Polizeidienststelle auf der Pariser Seine-Insel Île de la Cité großräumig abgesperrt. Präsident Emmanuel Macron, der ein „wahres Drama“ beklagte, Regierungschef Édouard Philippe und Innenminister Christophe Castaner eilten zum Tatort. Ermittler durchsuchten die Wohnung des Täters im Pariser Vorort Gonesse und seiner Frau, die wie Mickaël H. hörbehindert ist und in Untersuchungshaft kommt.

Französischen Medienberichten zufolge sagt sie aus, dass dieser in der Nacht vor der Bluttat geglaubt habe, er höre Stimmen, und verstört gewesen sei. Der Mann, der in Fort-de-France auf der französischen Karibikinsel Martinique geboren wurde, war vor 18 Monaten zum Islam konvertiert. Er besuchte regelmäßig die Moschee, doch Anzeichen einer Radikalisierung gab es nicht. Die Antiterroreinheit der Staatsanwaltschaft wurde zunächst nicht eingeschaltet.

Laut seiner Frau klagte Mickaël H. über mangelnde Wertschätzung

Innenminister Castaner zufolge hat es „keinerlei Auffälligkeiten im Verhalten“ des Täters oder auch nur das geringste Warnsignal gegeben. Der Mann war im Nachrichtendienst beschäftigt, dessen Mitarbeiter alle fünf Jahre einer Überprüfung unterzogen werden. Die französische Presse schrieb am gestrigen Freitag allerdings von einem möglichen internen Konflikt und einer „beruflichen Frustration“ von Mickaël H., der in der Hierarchie aufsteigen wollte und einen Übersetzer für Gehörlosensprache eingefordert hatte. Er gehörte zur Kategorie C des öffentlichen Dienstes mit dem geringsten Verantwortungsniveau und der niedrigsten Bezahlung.

Pariser Angreifer soll Stimmen gehört haben

Seine Frau soll laut Medienberichten ausgesagt haben, er habe sich über mangelnde Wertschätzung seiner Vorgesetzten beklagt. Seine früheren Kollegen reagierten tief bestürzt. „Unser gesamtes Personal ist im Herzen getroffen von dem, was hier passiert ist“, sagte Innenminister Castaner. Die Bluttat ereignete sich genau einen Tag, nachdem Tausende Polizisten in Paris für bessere Arbeitsbedingungen allgemein demonstriert hatten; laut Organisatoren gingen am Mittwoch 27.000 Beamte auf die Straße.

Seit den Terroranschlägen 2015 hat sich die Situation verschärft, auch die monatelangen Proteste der Gelbwesten zwischen Ende 2018 und Frühjahr 2019 galten als große Belastung für die Beamten; allerdings wurde den Einsatzkräften auch überzogene Gewalt vorgeworfen. Seit Jahresbeginn nahmen sich rund 50 Polizisten in Frankreich das Leben. Allerdings sprach der Generalsekretär der Polizeigewerkschaft SGP-Police FO, Yves Lefebve, von einem „rein menschlichen Drama“, das nichts mit dem Beruf zu tun habe: Es hätte „in jedem Unternehmen, an jedem Arbeitsplatz“ passieren können.

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Von Birgit Holzer/RND

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