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Panorama “Monsterbombe” geplant - Ermittler legen Sprengsatzplattform lahm
Nachrichten Panorama “Monsterbombe” geplant - Ermittler legen Sprengsatzplattform lahm
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19:46 20.08.2019
Schlag gegen die Internetkriminalität. Quelle: Swen Pförtner/dpa
Göttingen

Sie handelten mit Drogen, gaben sich detaillierte Tipps zum Bau möglichst großer Bomben – und zeigten voller Stolz Videos jener verheerenden Explosionen, die sie damit zustande gebracht haben: Mit einer groß angelegten Durchsuchungs- und Beschlagnahmungsaktion in neun Bundesländern sowie in Litauen und Kroatien sind die Polizei Göttingen sowie die Zentralstelle Cybercrime der Staatsanwaltschaft Göttingen am Dienstag gegen Betreiber und Nutzer einer Internetplattform vorgegangen, auf der sich bis dahin Anleitungen zur Herstellung synthetischer Betäubungsmittel ebenso fanden wie für Sprengstoffe aller Art – und das nicht mal im berüchtigten Darknet. „Besonders erschreckend war für mich“, sagte der Göttinger Polizeipräsident Uwe Lührig, „dass diese Plattform für jeden frei zugänglich war.“

Im Südwesten gelang den Fahndern der dickste Fund

Auf die Plattform war das Landeskriminalamt Niedersachsen im vergangenen September gestoßen, das dann die Göttinger Cybercrimespezialisten einschaltete. Am Dienstag schlugen die Ermittler dann zu: Insgesamt 1000 Beamte begannen am frühen Morgen mit der Durchsuchung von insgesamt 30 Häusern, Garagen und Wohnungen von 22 Verdächtigen. Der Schwerpunkt lag in Nordrhein-Westfalen mit sechs Personen, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein fanden die Beamten je drei Nutzer, außerdem waren Berlin, Hessen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg betroffen.

Im Südwesten machten die Fahnder auch den dicksten Fund: Dort rühmten sich die User in Chats bereits damit, demnächst eine „Monsterbombe“ bauen zu wollen. Insgesamt fanden die Beamten weit mehr als 130 Kilogramm an Ausgangsstoffen für die Herstellung von Sprengstoffen. Polizeipräsident Uwe Lührig sprach deshalb von einer „erheblichen Gefahr für die öffentliche Sicherheit“.

Den Ermittlern fällt es schwer, die Bombenbauer einzustufen

Auch den Ermittlern fällt es aber bislang offenbar noch schwer, die Szene genau einzuordnen, die sich im Netz zum Bombenbau ermunterte. Die Plattform bestand bereits seit 2006, anscheinend ohne dass sie der Polizei aufgefallen wäre, trotz Präsenz im Clearnet – also im offenen Teil des Netzes. 3000 Benutzer waren registriert, im Jahr 2018 waren immerhin 360 von ihnen aktiv. Die User, die die Polizei gestern vernahm, sind Männer zwischen 17 und 55, „sie studieren oder sind berufstätig, ein Querschnitt durch die ganz normale Bevölkerung“, wie Mathias Schroweg, Leiter der Zentralen Kriminalinspektion Göttingen, betonte. Hinweise auf eine politische Gesinnung, Links- oder Rechtsextremismus, gebe es bislang nicht, ebenso wenig wie Hinweise auf Anschlagspläne.

Was die User antrieb, war offenbar vor allem eine abstruse Sonderform sportlichen Ehrgeizes: Bei Treffen an geheimen Orten, sogenannten Sprengconventions, versuchten sie, sich gegenseitig mit immer größeren Explosionen zu überbieten.

Videos zeigen Bombenkrater von mehreren Metern Durchmesser

Wie weit sie dabei schon gekommen waren, zeigten Videos von der Plattform, die die Polizei gestern verbreitete: Auf ihnen sind Bombenkrater von mehreren Metern Durchmesser zu sehen, dazu der Bau von Rohrbomben mit verheerender Sprengkraft. Die Nutzer hätten sich zu einem „Höher, schneller, weiter“ angestachelt, sagt Ermittler Schroweg – ein Grund für die Ermittler, jetzt einzugreifen.

Ehsan Kangarani von der Zentralstelle Cybercrime der Staatsanwaltschaft Göttingen warnte gestern davor, diese Szene zu unterschätzen: „Die Grenzen zwischen politischen und nicht-politischen Motivationen sind fließend“, betonte er. Die Mitglieder der Plattform hätten sich in Chats auch über Strategien ausgetauscht, was zu tun sei, wenn die Polizei auftaucht.

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Von Thorsten Fuchs/RND

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