Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Panorama Nebenkläger fordern eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht
Nachrichten Panorama Nebenkläger fordern eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
03:16 13.03.2018
Der Angeklagte Hussein K. versteckt sein Gesicht vor den Fotografen hinter einem Notebook. Quelle: dpa
Anzeige
Freiburg

Im Freiburger Mordprozess gegen den Flüchtling Hussein K. hat der Vertreter der Nebenklage eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht gefordert. Der Angeklagte sei mindestens 22 Jahre alt, sagte Rechtsanwalt Bernhard Kramer am Montag vor dem Landgericht Freiburg. Dies habe die Beweisaufnahme ergeben. Jugendstrafrecht, das in der Regel geringere Strafen zur Folge habe, sei somit ausgeschlossen. Zudem schloss sich Kramer, der in dem Prozess die Eltern der Getöteten vertritt, der Forderung des Staatsanwaltes an. Der Verteidiger plädiert im Laufe des Vormittags. Das Urteil ist für den 22. März geplant.

Vorzeitige Freilassung soll ausgeschlossen werden

Anzeige

Der Staatsanwalt hatte am Freitag Erwachsenenstrafrecht, eine lebenslange Haftstrafe sowie anschließende Sicherungsverwahrung beantragt. Zudem müsse die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden. Damit wäre eine vorzeitige Freilassung nach 15 Jahren Haft nahezu ausgeschlossen.

Hussein K., zu dessen Alter es widersprüchliche Angaben gibt, hatte zugegeben, im Oktober 2016 nachts in Freiburg eine 19 Jahre alte Studentin bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und vergewaltigt zu haben. Die Frau ertrank im Fluss Dreisam.

Unterschiede im Strafrecht

Die Justiz unterscheidet bei Strafprozessen zwischen Jugend- und Erwachsenenstrafrecht. Wesentliches Kriterium ist das Alter. Ist ein Angeklagter zur Tatzeit jugendlich (14 bis 17 Jahre alt), gilt Jugendstrafrecht. Rechtlich möglich ist das in den meisten Fällen auch bei Heranwachsenden (zur Tatzeit 18 bis 21 Jahre alt). Ist ein Angeklagter zur Tatzeit 22 Jahre oder älter, gilt automatisch Erwachsenenstrafrecht. Jugendstrafrecht ist dann ausgeschlossen.

Unterschiede gibt es bei den Strafen: Möglich nach Jugendstrafrecht sind maximal fünf Jahre Haft, bei Mord in der Regel bis zu zehn Jahre. Bei Mord in besonders schweren Fällen und nur bei Heranwachsenden (nicht bei Jugendlichen) können es auch maximal 15 Jahre Haft sein. Nach Erwachsenenstrafrecht wird Mord in der Regel mit einer lebenslangen Haftstrafe geahndet, zudem ist in besonders schweren Fällen eine anschließende Sicherungsverwahrung möglich.

Von dpa/RND