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Panorama Und es war Sommer (I)
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20:19 20.05.2016
Von Uwe Janssen
Sandstrände, Eisbuden und Urlaub insgesamt sind heute einfach nicht mehr das, was sie mal waren. Früher war Sommer besser – mit ein paar kleinen Ausnahmen. Quelle: Piervincenzo Madeo / CC BY 2.0
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Natürlich waren die Sommer früher besser. Die Tage waren wärmer, die Nächte lauer, der Himmel blauer, das Wasser klarer, die Wolken – welche Wolken? Der Strand war sauberer, das Eis war fruchtiger, alles war billiger, man hatte mehr Zeit, mehr Ruhe, mehr Muße, mehr Bücher, mehr Bräune, weniger Stress, weniger Krach, weniger Nachrichten in Abwesenheit.

Der Sommer, jedenfalls das, was von ihm in der Erinnerung übrig geblieben ist, war im Grunde perfekt, passgenau zwischen einem perfekten Frühling und einem perfekten Herbst, selbst eine Schneekatastrophe bleibt als beschaulich, besonders und schulfrei im Gedächtnis kleben.

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Alle Quallen sind vergessen

Aber was soll das Gedächtnis denn auch machen? Da muss ja noch mehr rein als die permanente, differenzierte emotionale Verarbeitung von Jahreszeiten. Deshalb: Komprimierung. Mp3-Erinnerung. Am Ende schmeißt das Hirn doch eher das Unangenehme raus. Wenn man Hirn wäre, würde man es vermutlich auch so machen.

Deshalb sind aus dem Sommergedächtnis auch alle arschkalten Regentage gestrichen, alle brutheißen Nächte ohne Schlaf, alle vollgestopften Strände, alle Quallen, alle fiesen Sonnenbrände, alle aufgeschlagenen Kinderknie und das wässrige Softeis.

Bonanzarad und Bolzplatztrauma

Und der blöde Helmut mit der Pottfrisur, der mit seinem lila Bonanzafahrrad der King bei den Mädels war, obwohl er mit seiner kurzen Lederhose und diesem gelblichen Plastikenzian auf dem Querriegel der Hosenträger wirklich unappetitlich aussah.

Helmut tat wie Dennis Hopper in "Easy Rider" und sah dabei aus wie Jerry Lewis in "Der Ladenhüter". Er konnte keine zehnmal den Ball hochhalten und musste auf dem Bolzplatz immer ins Tor, weil er sonst nichts anderes konnte. Wer nichts konnte, musste ins Tor.

Gott sei Dank war ich nie in seiner Mannschaft. Ich stand im anderen Tor.  

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