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Panorama Und es war Sommer (V)
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19:56 17.06.2016
Von Uwe Janssen
Der Traum vom Tipi: Wer sich, oft beeinflusst von zu vielen Winnetou-Filmen, in seiner Jugend an einem Campingurlaub versuchte, musste mit vielen Widrigkeiten zurechtkommen. Quelle: Daniel Chodusov / CC BY-ND 2.0
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Sommer – das war für uns Kinder vom Lande auch die Faszination Zelt. Am Anfang war es das Indianerzelt, das Tipi. Da wohnte Winnetou, der Thomas Müller der Siebzigerjahre, und was für Winnetou gut war, konnte für uns nicht schlecht sein.

Ein echtes Tipi aus Bisonleder hatte keiner, der Mangel an Bisons in unserer norddeutschen Gegend mag dabei eine zentrale Rolle gespielt haben. Und unsere Schwarzbunten waren einstimmig dagegen, als Zeltplane zu enden.

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Ein Landindianer kennt keinen Schmerz

Ein billiges Tipi aus dem Quelle-Katalog war für den Outdooreinsatz nicht geeignet, da es schon bei unvorsichtigem Ausatmen umfiel und zudem regenundicht war oder wie man heute sagen würde: atmungsaktiv. Wir Landindianer kannten keinen Schmerz, aber Hochwasser in der Spitzhütte schlug doch mächtig auf die Kampfmoral.

So blieb uns das Sommertipi zum Nulltarif, der dreibeinige Reuter, auf dem das Gras trocknete. Rauchen war streng verboten, aber bei der Stauhitze unterm Heudach hatten wir sowieso keine Lust drauf, außerdem rauchte Winnetou auch damals schon draußen.

Campen ist Freiheit

Nach der Indianerphase entdeckten wir das Campen. Campen bedeutete Freiheit. Es war die Freiheit, zwei Wochen lang auf einem Gaskocher Maggi-Ravioli in der Dose zu erhitzen und sich an der Hälfte, die nicht kalt war, die Schnauze zu verbrennen.

Im Gegensatz zu heutigen wasserdichten, ultraleichten, stabilen, großräumigen Kleinzelten, die man auf Hosentaschengröße zusammenfalten kann, war das damalige Zweimannzelt eine logistische Herausforderung. Mit dem stattlichen Stangenpark konnte man auch den Kölner Dom einrüsten. Und die Plane hatte die erstaunlichen Eigenschaften, dass sie a) nach mehrfachem Falten gefühlt größer statt kleiner wurde und b) trotz 25 Kilo Gewicht wasserdurchlässig war.

Fehlte beim Aufbau ausgerechnet die Dachstange, war der Zelturlaub vorbei. Der Versuch, allein mit dürren Heringen die Dachspannung zu halten, war lächerlich, das Zuggewicht der Zeltplane hätte auch kleine Bäume entwurzelt. Dann lieber draußen schlafen. Hätte Winnetou auch gemacht.

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Imre Grimm 17.06.2016
Deutsche Presse-Agentur dpa 17.06.2016
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